Celler Experte vom Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu Gast bei Bremer Imkern Bienen achten selbst auf die Honig-Qualität

Wie wirken sich die Schadstoffe in der Umwelt, gentechnisch veränderte Pflanzen oder das giftige Jakobskreuzkraut auf die Qualität des Honigs aus? Auf diese Fragen ging jetzt Werner von der Ohe vor Mitgliedern des Imkervereins Bremen von 1875 im Hanna-Harder-Haus in der Vahr ein. Der Leiter des Celler Instituts für Bienenkunde referierte über "Honig-Problembereiche". Sein Fazit: Das Produkt der Bienen sei bisher erstaunlich rein.
15.11.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Renate Schwanebeck

Wie wirken sich die Schadstoffe in der Umwelt, gentechnisch veränderte Pflanzen oder das giftige Jakobskreuzkraut auf die Qualität des Honigs aus? Auf diese Fragen ging jetzt Werner von der Ohe vor Mitgliedern des Imkervereins Bremen von 1875 im Hanna-Harder-Haus in der Vahr ein. Der Leiter des Celler Instituts für Bienenkunde referierte über "Honig-Problembereiche". Sein Fazit: Das Produkt der Bienen sei bisher erstaunlich rein.

Bremen. Werner von der Ohe, Leiter des Celler Instituts für Bienenkunde, war jetzt beim Imkerverein Bremen von 1875 zu Gast und hielt ein Referat zum Thema "Honig-Problembereiche". Das Produkt der Bienen stehe bei den Verbrauchern hoch in der Gunst: "Er wird als natürliches und gesundes Produkt angesehen." Und das zu Recht, so der Experte. Honig unterliege einer strengen Qualitätskontrolle, deren Stationen vom Imker bis zum Konsumenten reichen. Dies ermögliche die Rückverfolgbarkeit bis in jede Charge aus einem Betrieb.

Auch in Zeiten steigender Schadstoffbelastungen in der Umwelt sei der Honig weiterhin weitgehend schadstofffrei, sagte Werner von der Ohe. Dazu trügen vor allem die Bienen selbst bei. Der Referent erklärte: "Die Bienen im Stock, die als Qualitätssicherungseinheiten aktiv sind, bekommen mit, welche Qualität der Honig hat, den die Sammlerinnen bringen." Sie könnten nicht immer alles genau feststellen – wohl aber, wenn sich Gravierendes ändere. "Wenn die Bienen tagelang auf ein Rapsfeld geflogen sind und der Landwirt spritzt dann chemische Mittel, riecht das Feld ganz anders. Dann fliegen sie über Stunden bis Tage nicht mehr auf dieses Feld."

Oft würden bei Flughäfen oder Industrieanlagen Bienenstöcke für sogenannte Monitoring-Projekte zur Qualitätsprüfung aufgestellt. "Ergebnis ist oft, dass der Honig trotzdem erstaunlich rein ist, obwohl die Bienen auch die Pflanzen am Flughafen anfliegen." Belastungen weise dagegen oft der Blütenstaub und das daraus im Stock hergestellte Bienenbrot auf. "Wenn die Honige an Flughäfen frei von Schadstoffen sind, müsste man fairerweise auch den Pollen untersuchen. Dann würde man feststellen, dass die Luft an Flughäfen nicht so sauber ist", erläuterte der Fachmann des zum Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) gehörenden Celler Instituts.

Die Erklärung, warum Honig weitgehend schadstofffrei bleibt, Pollen aber nicht, lieferte Werner von der Ohe auch: Die Nektartropfen seien wasserliebend. Deshalb hafteten viele Schadstoffe nicht so gut an. Pollen dagegen seien fettliebend. An ihnen blieben viele Stoffe kleben – auch viele Schadstoffe. Ein oft diskutiertes Thema unter Imkern ist der Pollenflug von genmanipulierten Pflanzen wie etwa Mais, der eine windblütige Pflanze ist. Es habe Untersuchungen zur Ausbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen gegeben, so von der Ohe. Dabei habe man noch in vier Kilometern Entfernung deren Pollen gefunden. Bienen fliegen – je nach Futterangebot – bis zu fünf Kilometer weit.

Sorgen macht den Imkern auch eine Giftpflanze, die sich immer mehr ausbreitet: das Jakobskreuzkraut (Senecio Jacobaea). Es enthält Senecium, ein Pyrolizidin-Alkaloid (PA), das schwere Leberschäden bei Mensch und Tier auslösen kann, die sogar tödlich enden können. Bisher wurde dieses Gift in heimischen Honigen jedoch nicht nachgewiesen. Auch die kultivierten Gattungen Borago (Borretsch), Echium (Natternkopf) und Eupatorium (Wasserdost) enthalten ähnliche Alkaloide. "Viele Honige wiesen gar keine PA-Werte auf, aber einige schon. Wenn ich in der Nähe viel Kreuzkraut habe, sollte ich die Honige untersuchen lassen und gegebenenfalls mit den Bienen abwandern", riet der Fachmann. Ein Trost für die Imker: Die frühblühenden Senecio-Arten seien eher unattraktiv für Bienen.

Auch der Imker selbst bringe gelegentlich Schadstoffe ein. Zum Beispiel werde derzeit oft zu viel Ameisensäure eingesetzt, um die gefürchtete Varroa-Milbe im Bienenstock zu bekämpfen. Dann schmecke der Honig seifig. Achten sollten die Imker laut Empfehlung des Experten außerdem auf die richtige Lagerung des Honigs bei weniger als 18 Grad Celsius, um zu verhindern, dass ein Gärungsprozess einsetzt.

Haben die Vereinsmitglieder selbst schon Erfahrungen mit Schadstoffen oder Alkaloiden gemacht? Philip Berghöfer aus Borgfeld, seit einem halben Jahr Imker, sagte, er kenne solche Probleme beim Honig bisher nicht. Auch August Wilhelm Schinkel, der stellvertretende Vereinsvorsitzende, hat noch keine der besprochenen Probleme gehabt. "Wohl aber Bekannte, die sind Landwirte und haben Probleme mit dem Kreuzkraut im Tierfutter", sagt der ehemalige Sebaldsbrücker, der jetzt als Butenbremer in Oyten lebt. "Aber ich kann mir vorstellen, dass das in Zukunft verstärkt ein Problem wird", sagte Schinkel.

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