Grundschüler aus Horn-Lehe gewinnen zwei Pokale / Bremer Team „B-Human“ siegt bei Roboter-Fußballturnier Bienen fliegen bei Robotik-Cup aufs Podium

Horn-Lehe · Magdeburg. Sie heißen „Käsehäppchen“, „die Snowdens“ oder „teamohnename“: Die Liste der Teilnehmer zu den Robocup German Open ist genauso lang wie fantasievoll. In Magdeburg trafen sich für drei Tage 200 Teams mit insgesamt 1000 Teilnehmern zu einer der größten Robotik-Veranstaltungen Europas.
30.04.2015, 00:00
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Von Silja Weisser

Sie heißen „Käsehäppchen“, „die Snowdens“ oder „teamohnename“: Die Liste der Teilnehmer zu den Robocup German Open ist genauso lang wie fantasievoll. In Magdeburg trafen sich für drei Tage 200 Teams mit insgesamt 1000 Teilnehmern zu einer der größten Robotik-Veranstaltungen Europas. Während sich die besten internationalen Mannschaften auf die Weltmeisterschaft vorbereiteten, ermittelten die Junior Teams den Deutschen Meister. Jeder wollte es wissen: Wer vertritt Deutschland bei den Weltmeisterschaften in China?

Überall Laptops, Bildschirme, surrende Männchen und fahrende Pappmachégebilde. In zwei Messehallen kämpften Roboterfreaks in drei Kategorien: Dance, Rescue und Soccer. Bremen schickte gleich zwei Auswahlen ins Rennen: In der Liga der bis 14-Jährigen traten Drittklässler der Grundschule Horn an. Bei den Major-Teams präsentierten sich Studenten und Forscher der Universität Bremen und des Deutschen Forschungsinstituts für künstliche Intelligenz (DFKI). Sie sicherten sich zum siebten Mal in Folge den Meistertitel auf den Robocup German Open.

Bei den Junior-Wettkämpfen waren 157 Schülerteams aus dem gesamten Bundesgebiet mit ihren selbst konstruierten Robotern angetreten. Der „Horner Bienenschwarm“ sowie zwei Programmierer-Duos von der Horner Grundschule stellten mit Abstand die jüngsten Teilnehmer. Und die sahnten gleich zwei Pokale ab.

In der Kategorie Dance Primary schafften es die Mädchen und Jungen unter Leitung von Katja Cullmann mit ihren eigens programmierten Robotern und einer zweieinhalbminütigen Choreografie unter acht Teams auf Platz drei. Die Entscheidung war mehr als knapp. Im ersten und zweiten Durchlauf schlugen Probleme mit der Leinwandübertragung und Zeitüberschreitungen auf dem Punktekonto negativ zu Buche.

B-Human holt den Titel

Durch einen Rechenfehler der Jury hieß es zunächst, der Bienenschwarm sei unter den besten vier Teams. Enttäuschte Gesichter gab es nach der Korrektur als Platz sechs verkündet wurde. „Wir hatten ein Softwareproblem“, begründet Jurymitglied Tobias Günther die falsche Platzierung. „Wir sind aus der IT-Branche und können eigentlich rechnen. So etwas darf nicht passieren“, bedauerte er.

Doch die Bienchen ließen die Flügel nicht hängen. In der dritten und letzten Runde lief alles wie am Schnürchen. Mit in die Wertung flossen ein Interview der Schüler über ihre Programmierkenntnisse sowie die Gestaltung eines Plakats ein. Am Ende trennte die Kinder nur eine Nasenspitze Vorsprung von den Viertplatzierten. Von 150 zu erreichenden Punkten erhielten die Bremer mit 88 Punkten einen Pokal. Ihre Verfolger gingen mit 87,8 Punkten leer aus. Platz eins sicherte sich ein Schüler-Team vom Gymnasium Langenhagen Hannover – die Mannschaft, die die Bremer bei der Norddeutschen Meisterschaft in Hannover hinter sich gelassen hatte.

In der Disziplin CoSpace Rescue Primary, bei der in einer Computersimulation Strategie und ebenfalls Programmierer-Fähigkeiten gefragt sind, setzten sich die Acht- und Neunjährigen in zwei Duos in einigen Spielen gegen Gymnasiasten durch. Am Ende standen Platz drei und vier von vier Teams. Doch: „Das sind durchaus ernstzunehmende Gegner“, zollte das Gewinnergespann aus Hannover am Ende den Bremern ihre Anerkennung. Auch das Resümee der Betreuerin der Horner Schüler Marion Nebuhr, Mutter eines Teilnehmers, fällt positiv aus: „Wir waren zum ersten Mal auf einer Deutschen Meisterschaft und haben unsere Fähigkeiten gegen Schüler aus der 7. und 8. Klasse gut unter Beweis gestellt“, meint sie

Die Hoffnung auf die WM-Teilnahme haben die Horner noch nicht ganz aufgegeben. „Ganz unwahrscheinlich ist es nicht“, meint Teamleiterin Katja Cullmann. Zwar bekommen nur die Erstplatzierten der Liga das Ticket nach China. Doch die Eltern der Schüler aus Langenhagen hatten sich bereits im Vorfeld gegen die Reise entschieden. Ob nun der Vizemeister als Nachrücker gen Osten fliegt, ist noch nicht sicher. Je zwei Wochen Bedenkzeit bleiben den beiden Mannschaften. Dann stellt sich heraus, ob nicht doch die Horner Schüler Deutschland vom 17. bis 23. Juli in Hefei im Osten Chinas vertreten werden.

Ganz sicher tritt das Team B-Human der Bremer Universität und des DFKI diese Reise an. Die viermaligen WM-Titel-Gewinner tüfteln an Fußballroboter und verfeinern sie. Mit einem 4:1 schossen sich ihre künstlichen Kicker im Finale auf den ersten Platz. In einem packenden Finale verwiesen sie den amtierenden Vizeweltmeister, das Nao-Team der HTWK aus Leipzig, auf den zweiten Platz. In der Standard Platform-League wird mit einheitlicher Hardware gespielt, dem zweibeinigen Roboter Nao der französischen Firma Aldebaran Robotics. Dieser passt Bälle, taktiert, fällt und rappelt sich wieder auf – wie echte Fußballer. 60 Bilder verarbeitet der künstliche Kicker pro Sekunde. Hinter den spannenden Spielen, die auf einem verkleinerten Fußballfeld ausgetragen werden, stecken Unmengen an Algorithmen zur Bewegung, Bildverarbeitung und -erkennung. „Wir hatten Probleme mit den neuen Regeln“, erläutert B-Human Teammitglied Patrick Glaser. Das Tor war in diesem Jahr weiß nicht gelb. Der Computer musste lernen, es von den weißen Spielfeldlinien und den weißen Robotern farblich zu unterscheiden.

Das ist ihm gelungen. Zum Schluss jubelte das Team unter Leitung von Tim Laue und Thomas Röper. Dank finanzieller Unterstützung von Sponsoren versuchen die Bremer nun, ihren fünften WM-Titel zu holen.

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