Gastbeitrag einer Bremer Bloggerin

Bier selbst brauen: Von der Ernte bis zur Verarbeitung von Hopfen

Im Herbst ist Hopfenernte. Aber wie funktioniert sie, wie bewahrt man Hopfen auf und wie lässt er sich weiterverarbeiten? Die Bremer Bloggerin Schädelmädel gibt Antworten.
03.10.2018, 00:18
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Von Ingrid Krause
Bier selbst brauen: Von der Ernte bis zur Verarbeitung von Hopfen

Das traditionelle Gefäß der Heimbrauer: der gute alte Einkochtopf.

Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Ihr Craft-Bier-Abenteuer begann, als sich die Bremer Bloggerin Ingrid Krause im Jahr 2014 zum ersten Mal mit dem Thema Hopfen auseinandersetzte. Vor allem ihr Freund war es, der es wissen wollte und sich durch zahlreiche Youtube-Videos schlaumachte. Doch bevor das Paar am Tag der Deutschen Einheit erstmals sein eigenes Bier braute, pflanzten sie Hopfen. "Wenn schon, dann richtig", so das Motto. Wie sie den schließlich geerntet und weiterverarbeitet haben, beschreibt Ingrid Krause in diesem Gastbeitrag.

Voller Lupulin und unbefruchtet: So sieht die perfekte Dolde aus.

Voller Lupulin und unbefruchtet: So sieht die perfekte Dolde aus.

Foto: Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Hopfenernte – Fleißarbeit und klebrige Finger

Im September ist Erntezeit. In der Regel ist das bei uns im Norden etwa zwei Wochen nach der Ernte im Hallertau. Die Dolden sollten trocken und geschlossen sein, beim Reiben rascheln sie. Leichte braune Stellen sind kein Problem. Auch sollte man in die Dolden schauen: Im Idealfall sind wie auf dem Bild viele gelbe kleine Kügelchen zu sehen, das Lupulin. Die Dolden kleben dann richtig. Genau um dieses Lupulin geht es.

Sollte bereits eine Befruchtung erfolgt sein (es bildet sich eine größere Kugel/Samen), dann wird beim Brauprozess eine wesentlich höhere Menge benötigt. Kein optimaler Fall, aber manchmal eben nicht zu ändern. Kein Grund, gleich aufzugeben.

Ein Traum von Smaragd.

Ein Traum von Smaragd.

Foto: Bihabel

Oben ist die wahnsinnige Ernte von einer anderen Bremer Heimbrauerin zu sehen. Bei Birte war die Sorte Smaragd am ertragreichsten. Die Pflanze ist schon drei Jahre alt, steht aber erst seit eineinhalb Jahren am Haus, Richtung Südosten. Der Boden ist eher sandig, diesen trockenen Sommer hat er mit Brunnenwasser gut überstanden. Vom Souterrain ging es über zwei Stockwerke aufs Dach und wieder zurück, insgesamt etwa zehn Meter. Im Korb sind nur die größten Dolden zu sehen, die sieben bis acht Zentimeter lang waren, das Gewicht lag etwa bei einem Kilo. Die kleineren Dolden dürften noch einmal zwei bis drei Kilo bringen.

Diese Sorte nennt sich Hersbrucker Pure.

Diese Sorte nennt sich Hersbrucker Pure.

Foto: Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Von solchen Dolden träume ich bei meiner B-Lage. Denn Hopfen mag Sonne, was in meinem Hofgarten das Hauptproblem ist. Aber der Tettnanger hat es in diesem Jahr auf eine Erntemenge von 750 Gramm gebracht. Meine anderen Sorten Saphir, eine unbekannte von einem Kollegen, den ich als Steckling bekommen hatte, und Hersbrucker Pure haben weniger Ertrag gebracht. Für die erste Ernte war es aber in Ordnung.

Für wie viel Bier das reicht, das ist von vielen Faktoren abhängig, vor allem von der Alphasäure und dem angestrebten Ergebnis. Sehr grob geschätzt kann man mit einem Kilo Grünhopfen 80 Liter Bier brauen.

Lesen Sie auch

Für mich ist eine große Menge von einer Sorte allerdings gar nicht unbedingt erstrebenswert, weil ich sehr viel experimentiere. Da kommen ständig andere Sorten zum Einsatz. Nicht der verfügbare Hopfen steht im Vordergrund, sondern das Ergebnis, auf das ich gerade Lust habe. Hopfen-Tausch ist auch eine Lösung. Wer Interesse daran hat, kann sich dem Heimbrauer-Stammtisch anschließen. In Bremen ist mir nur der in der Union Brauerei bekannt.

Hopfenzupfen auf dem Balkon: Im Jahr 2014 hat Ingrid Krause angefangen die Pflanze anzubauen, ihr Blog gründete sie drei Jahre später.

Hopfenzupfen auf dem Balkon: Im Jahr 2014 hat Ingrid Krause angefangen die Pflanze anzubauen, ihr Blog gründete sie drei Jahre später.

Foto: Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Aufbewahrung – wie macht man Hopfen haltbar?

Nach der Ernte muss der Hopfen direkt verarbeitet werden, da sich sonst die Aromen verflüchtigen. Die Dolden werden nicht gewaschen, da sich das Lupulin dann gleich in den Ausguss verabschiedet. Sie werden händisch gezupft, und dann in der Regel getrocknet oder eingefroren.

Im ersten Jahr hatten wir den Grünhopfen direkt am Brautag Anfang Oktober geerntet und in den Sud gegeben. Das war schon etwas Besonderes, da es ja ein Erstlingswerk war, in vielerlei Hinsicht. Im zweiten Jahr kam ein Pilz, im Dritten die Ameisen. Wir hatten eine ganz geringe Ernte. Ich wechselte den bisherigen Pflanzbehälter aus Kunststoff gegen einen aus Terrakotta. Das bisschen, was da war, dörrte ich zuerst, und dann fror ich es ein. Auf Nummer sicher wollte ich gehen, eigentlich ist das aber Unsinn. Auch ein Braumeister bestätigte im Gespräch, dass eins von beiden reicht. Seitdem vakuumiere ich den Frischhopfen und friere ihn direkt ein, andere sparen sich das Vakuumieren sogar. Man braucht halt Platz in der Tiefkühltruhe, sonst ist Dörren die bessere Wahl.

Bei der Gemüsewerft wird der Hopfen direkt vor Ort getrocknet.

Bei der Gemüsewerft wird der Hopfen direkt vor Ort getrocknet.

Foto: Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Trocknen kann man natürlich im Dörrgerät oder im offenen Ofen bei 30-50 Grad. Es ist genau wie bei Kräutern, heißer darf es nicht sein. Energie spart man, wenn man die Dolden einige Tage beispielsweise auf sehr trockenen luftigen warmen Dachböden oder Ähnlichem auslegen kann. Die Gemüsewerft hat die Trocknung in einem Container vorgenommen, der entsprechend ausgerüstet war. In der Hallertau werden die Dolden werden in der Darre getrocknet, gepresst und gekühlt.

So sieht es aus, wenn Dolden vermahlen und zu Pellets gepresst wurden.

So sieht es aus, wenn Dolden vermahlen und zu Pellets gepresst wurden.

Foto: Ingrid Krause/ schaedelmaedel.de

Wer Hopfen im Internet bestellt, der erhält in der Regel Pellets. Die sind überhaupt nicht schlechter, und benötigen weniger Platz. Im Vergleich zu Pellets benötigt man von Grünhopfen etwa das sieben- bis achtfache Gewicht.

Wie kann man Hopfen weiterverarbeiten?

Diese Fotostrecke zeigt, was man noch alles aus Hopfen machen kann:

Lesen Sie auch

Zur Person:

Ingrid Krause ist 45 Jahre alt. Ihr Blog Schädelmädel hat sie Anfang 2017 gegründet und schreibt dort neben dem Bier brauen auch über Reisen, Rezepte und ihre Heimat Bremen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+