Isa Fischer zeigt ihre Findorffer Ansichten in der „Lilie“ und sucht Oldtimer-Erinnerungen Bilder und Geschichten vom Wegesrand

An den Wänden des Lokals „Lilie“ hängen zurzeit „Findorffer Häuser“. Sie stammen aus der Hand der Findorffer Künstlerin Isa Fischer, die mit ihrem Kunstprojekt „Hausgezeichnet“ in der ganzen Stadt Aufmerksamkeit erregte. Exklusiv für die Findorffer Ausstellung hat sich die Künstlerin eine Zeit lang ganz gezielt in ihrem eigenen Stadtteil umgeschaut. Sie hat auch dort viele Motive gefunden, die lohnen, ganz in Ruhe betrachtet zu werden.
05.06.2014, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

An den Wänden des Lokals „Lilie“ hängen zurzeit „Findorffer Häuser“. Sie stammen aus der Hand der Findorffer Künstlerin Isa Fischer, die mit ihrem Kunstprojekt „Hausgezeichnet“ in der ganzen Stadt Aufmerksamkeit erregte. Exklusiv für die Findorffer Ausstellung hat sich die Künstlerin eine Zeit lang ganz gezielt in ihrem eigenen Stadtteil umgeschaut. Sie hat auch dort viele Motive gefunden, die lohnen, ganz in Ruhe betrachtet zu werden.

Mehr als 200 Bremer Häuser hat die Findorffer Künstlerin Isa Fischer in den vergangenen beiden Jahren gezeichnet. Auf den Einfall, Bilder ihres eigenen Heimatstadtteils auszustellen, musste sie allerdings erst einmal kommen. Die gute Idee hatte Georg Meyer, Inhaber des Findorffer Lokals „Lilie“. Und genau dort sind noch bis Ende Juli erstmals Isa Fischers „Findorffer Häuser“ zu sehen - und noch einige andere mehr.

Zu diesen letzteren gehören Ansichten aus den Bremer Hafengebieten, wo die Grafikerin und Illustratorin besonders gerne ihre Motive sucht und findet: Zum Beispiel vor den ehemaligen Fabrikgebäuden von Kaffee HAG, die der Bremer Kaufmann Ludwig Roselius ab 1899 bauen ließ. Sie waren in ihrer Entstehungszeit wegweisende Architektur, gehören heute zu den bedeutenden Industriedenkmälern Bremens, und stehen recht verlassen inmitten ihrer Nachbarschaft von Hafenbetrieben.

Die ganze Stadt durchwandert

Sich Zeit zu nehmen, solche im Alltag leicht zu übersehenden Kleinodien genauer zu betrachten: Mit diesem Gedanken startete Isa Fischer, die mit ihrer Familie am Weidedamm lebt, vor etwa zwei Jahren ihr Projekt „Hausgezeichnet“. Ausgestattet mit Staffelei, Zeichenstiften und Klappstuhl durchwanderte sie die Stadt und wurde sesshaft, wo ihr künstlerischer Blick festgehalten wurde. Das war nicht nur vis à vis der bekannten Bremer Touristenattraktionen, sondern auch vor vielen Zufallsentdeckungen am Wegesrand.

Die ersten hundert der so entstandenen Werke wurden im Mai des vergangenen Jahres im Schwachhauser Haus Paula Becker erstmals der Öffentlichkeit gezeigt. Es folgten diverse weitere Ausstellungen, viele Auftragsarbeiten für private und gewerbliche Kunden und Ende des vergangenen Jahres der Bildband „100 Bremer Häuser“.

Für die Findorffer Ausstellung schaute sich die Künstlerin also gezielt vor der eigenen Haustür um und entdeckte dabei „so viel Schönes“, erzählte sie bei der Vernissage am vergangenen Sonntag. Dazu zählen die architektonischen Landmarken des Stadtteils wie die Stuhlrohrfabrik an der Admiralstraße oder der Schlachthof, stuckverzierte Fassaden an der Hemmstraße, ein Bootshaus am Torfkanal und typische Findorffer Reihenhäuser.

Dass ihr Projekt so viel Wertschätzung erfuhr, dafür hat Isa Fischer eine einfache Erklärung: „Den Leuten gefiel, dass die Bilder ganz klassisch per Hand gezeichnet wurden.“ Auch für sie selbst, die ihren Arbeitsalltag als Grafikerin vorwiegend am Computer verbringe, sei die Rückkehr zu den künstlerischen Wurzeln ein willkommener Ausgleich, erzählte sie.

Doch es gibt sicher noch einen weiteren Grund für die Faszination: Häuser stecken immer auch voller Erinnerungen und Emotionen. Das konnte auch Ausstellungsgast Martin Witte bestätigen. Er hatte besonderen Gefallen am Bild des Geschäftshauses an der Hemmstraße 159 gefunden, im dem sich seit sechs Jahren das Lokal „Lilie“ befindet und das nach der Fassadensanierung im vergangenen Jahr wieder ein besonders pittoreskes Motiv abgibt.

Der Malermeister aus der Lilienthaler Straße hat nicht nur diverse Male selbst an dem Lokal seine fachmännische Hand angelegt hat, sondern auch persönlich mit dessen Entstehungsgeschichte zu tun: Sein Urgroßvater August Weber hatte sich im Jahr 1899 an der Hemmstraße das Geschäftsgebäude mit Bierhalle und benachbartem Friseurgeschäft errichten lassen. Der Gastwirt war in ganz Findorff als „der alte Weber“ bekannt, erzählte Martin Witte. Nach den Bombenangriffen im August 1944 war von dem Haus nichts als die Fassade stehen geblieben, noch bis in die 1980er-Jahre blieb es in Familienhand, berichtete der Urenkel des Erbauers.

Aber nicht nur Häuser, sondern auch Autos wecken zweifellos bei vielen Menschen Emotionen und Erinnerungen. Oldtimer sollen das Thema des neuesten Projekts der Findorffer Künstlerin werden. Ihre Zeichnungen sollen in einem Bilder- und Lesebuch münden, für das sie zurzeit auch Anekdoten sammelt.

Wer seine Erlebnisse mit seinem Fahrzeug aus vergangenen Zeiten mit anderen teilen möchte, der kann sich ab sofort direkt bei Isa Fischer melden, und zwar per E-Mail an atelier@isafischer.de oder telefonisch unter der Rufnummer 2 43 80 37.

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