Der Geschichtskreis Sebaldsbrück zeigt morgen einen Film aus den 50ern und Fotos über den Bremer Autobauer Bilder von Borgward

Mit dem Borgward-Konkurs endete in der Hansestadt eine Ära. Das ist mittlerweile 50 Jahre her, aber viele Bremer lässt die Geschichte des Autobauers nicht los. Einer von ihnen ist Helmut Rohde. Seit Jahren sammelt der Sebaldsbrücker alles, was er über Borgwards Geschichte finden kann. Morgen präsentiert er seine Arbeiten erstmals vor Publikum.
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Von Christian Palm

Mit dem Borgward-Konkurs endete in der Hansestadt eine Ära. Das ist mittlerweile 50 Jahre her, aber viele Bremer lässt die Geschichte des Autobauers nicht los. Einer von ihnen ist Helmut Rohde. Seit Jahren sammelt der Sebaldsbrücker alles, was er über Borgwards Geschichte finden kann. Morgen präsentiert er seine Arbeiten erstmals vor Publikum.

Sebaldsbrück. Die Frage erübrigt sich eigentlich. Selbstverständlich hat Helmut Rohde ein Lieblingsmodell. Die Isabella hatte es ihm besonders angetan. Gefahren hat er den Mittelklassewagen "made in Bremen" allerdings nie. Nur ganz kurz durfte er überhaupt einen Borgward lenken. Sein Schwager hatte ihn ans Steuer seines Lloyd gelassen.

Der Freizeit-Historiker sitzt an seinem Wohnzimmertisch in Sebaldsbrück und erzählt. Vor ihm auf dem Tisch liegen mehrere Reproduktionen alter Fotos und Plakate, darunter auch eine Ausgabe des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Borgward hatte es 1960 auf den Titel geschafft. Da ging es schon bergab mit dem Bremer Autobauer. "Carl Friedrich Borgward war ein fabelhafter Konstrukteur, aber kein besonders guter Kaufmann", sagt Rohde.

Rohde kennt sich aus. Seit mehreren Jahren sammelt er Daten, Fakten und Bilder zur Geschichte des Bremer Unternehmens. Am morgigen Freitag wird er seine Begeisterung erstmals vor Publikum zeigen. Dann präsentiert er im Gemeindehaus "Die Brücke" einen Film und mehrere hundert Fotos zur Borgward-Geschichte. Der Geschichtskreis Sebaldsbrück lädt ein, Rohde ist im Verein der Experte für Borgward. Mehr als 200 Fotos wird er morgen zeigen. Darunter sind jede Menge Aufnahmen, an denen der Verlag Peter Kurze die Rechte hält. Mit seiner Genehmigung darf Rohde sie trotzdem an die Wand projizieren. Zu sehen sind die verschiedenen Borgward-Modelle, Luftbilder der Fabrik, aber auch Aufnahmen des Firmengründers. Andere Fotos hat Rohde selbst gefunden.

Wie viele Bremer kann er ganz persönliche Geschichten erzählen aus der Zeit, in der Bremen noch seine eigene Auto-Marke hatte. Im Borgward-Werk selbst hat er zwar nie gearbeitet, aber indirekt trotzdem davon profitiert. Rohde war mit dem Sohn eines Fahrradhändlers befreundet. Viele Borgward-Arbeiter ließen ihre Drahtesel dort reparieren. Der junge Helmut war als Bote im Einsatz und besserte so sein Taschengeld auf. Er brachte die defekten Räder zum Händler und die reparierten zurück zum Werk, erzählt er.

Später, als Borgward Konkurs ging und 20000 Angestellte arbeitslos wurden, erlebte Rohde, wie sie neue Jobs fanden. Er arbeitete seinerzeit als Dreher für die Lloyd Dynamo Werke. Gelernte Arbeiter waren damals begehrt.

Dass sich Helmut Rohde seit Jahren intensiv mit Geschichte beschäftigt, ist seiner Tochter zu verdanken. Nachdem sie nach Australien ausgewandert war, hatte sie ihre Eltern gebeten, ihr etwas über die Familiengeschichte zu schreiben. Während seine Frau sich auf ihre eigenen Erlebnisse beschränkte, fing Helmut Rohde an, sich für die Bremer Stadtgeschichte zu interessieren. Seine Chronik ist mittlerweile viele DIN-A4-Seiten lang. Datum reiht sich an Datum. Es reicht von der ersten Erwähnung der späteren Hansestadt im 9. Jahrhundert bis zum 40-jährigen Bestehen des Gemeindehauses "Die Brücke" in Sebaldsbrück vor wenigen Monaten.

Und die Chronik wächst. Wann immer er eine neue Information findet, nimmt er sie auf. "Da hängt mein ganzes Herzblut drin", sagt er. Die Informationen findet er in alten Büchern, aber auch im Internet.

Dass sich der Sebaldsbrücker früher oder später auch mit Borgward beschäftigen würde, war abzusehen. Nur wenige hundert Meter von seinem Elternhaus wurden 1938 die neu erbauten Montage-Hallen der Borgward-Werke eröffnet. Im gleichen Jahr wurde Rohde geboren.

Bei seinen Recherchen ist er auf einen Stummfilm aus eben jenem Jahr gestoßen. Vom Zusammenbau der Karosserie bis zur Testfahrt vor der Auslieferung zeigt er die Abläufe im neuen Borgward-Werk. Dort wurde zunächst der Hansa 2000 hergestellt. Als Zeichen der Qualität ließen die Filmer den Wagen auch gleich noch durch Sand fahren und Flussläufe kreuzen.

Neudeutsch würde man den Streifen wohl "Image-Film" nennen, damals diente er dazu, die aufstrebende deutsche Automobil-Industrie zu bewerben. Gedreht wurde der Film vom Kameramann Emil Schünemann, der später unter anderem mit Fritz Lang zusammenarbeitete. Das Bremer Werk war ein Vorzeige-Projekt. Schon bevor es eröffnet wurde, hatte die NSDAP eine Großkundgebung in den Hallen abgehalten. Für die Nationalsozialisten war der Autobau eine Schlüsselindustrie.

Für Bremen ist diese Industrie noch immer wichtig, obwohl Borgward längst Geschichte ist. Dort. wo früher die Bremer Autos hergestellt wurden, ist heute die Weltmarke Mercedes aktiv. Deshalb läuft Rohdes Borgward-Chronik weiter. Aber die neuen Daten haben nichts mehr mit dem Gründer der Bremer Autowerke zu tun. In seiner Zeitleiste vermerkt Rohde heute lediglich, welche neuen Baureihen Mercedes in Sebaldsbrück herstellt.

Ob nochmal ein Borgward-Modell hinzukommt? Der Freizeit-Historiker ist skeptisch. Zwar arbeitet der Borgward-Enkel Christian mit einem Geschäftspartner in der Schweiz daran, die Marke wiederaufleben zu lassen. Aber Rohde glaubt nicht daran, dass sie tatsächlich einen neuen Borgward auf die Straße bringen werden.

Die Borgward-Geschichte wird Helmut Rohde jedenfalls weiterhin beschäftigen. Mit seinen Kollegen vom Geschichtskreis Sebaldsbrück wird er die Erinnerung an den Aufstieg und Fall des Bremer Autobauers am Leben halten. Die schöne Isabella wird Bremen aber ohnehin nicht so schnell vergessen.

Die Vorführung beginnt am morgigen Freitag um 16.30 Uhr im Gemeindehaus "Die Brücke" in der Sebaldsbrücker Heerstraße 52. Helmut Rohde zeigt dann einen Film und viele Fotos über das Wirken Carl Friedrich Borgwards in Bremen.

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