Stedinger Verlag Lemwerder besteht seit 25 Jahren / Franz-Herbert Wenz arbeitet als Autor und Verleger Bilder wecken die Leselust

Der Stedinger Verlag Lemwerder besteht seit 25 Jahren. 1986 legte Franz-Herbert Wenz mit dem Bildband "Lemwerder in alten Ansichten" den Grundstein für seine erfolgreiche Verlegerkarriere. Seither sind in seinem Verlag 64 Bücher erschienen - Heimatliteratur, Chroniken und Fachbücher über Luft- und Raumfahrt.
19.11.2011, 05:00
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Von Hannelore Johannesdotter

Der Stedinger Verlag Lemwerder besteht seit 25 Jahren. 1986 legte Franz-Herbert Wenz mit dem Bildband "Lemwerder in alten Ansichten" den Grundstein für seine erfolgreiche Verlegerkarriere. Seither sind in seinem Verlag 64 Bücher erschienen - Heimatliteratur, Chroniken und Fachbücher über Luft- und Raumfahrt.

Lemwerder. Franz-Herbert Wenz wurde im Jahr 1941 in Bad Camberg im Taunus geboren. Von Haus aus geschichtlich interessiert, war er nach seiner Übersiedlung an die Unterweser im Jahr 1964 enttäuscht, keine geschichtlichen Informationen über Lemwerder zu finden. "Es gab hier überhaupt nichts." Beruflich hatte Wenz damals oft in München zu tun. In der bayrischen Hauptstadt entdeckte er zwei auf alte Ansichtskarten spezialisierte Geschäfte, und wurde deren Stammkunde. Er besitzt die vermutlich älteste Ansichtskarte aus Lemwerder von 1897.

Den Anstoß zum ersten Buch gab Bürgermeister Hans-Joachim Beckmann, der bei einer Ansichtskarten-Ausstellung anregte, die schönsten als Buch zu veröffentlichen. "Ich bin Ingenieur, kein Schreiber", wies Wenz die Idee zunächst von sich. Die in Lemwerder fehlenden Geschichtsdokumente gaben jedoch den Ausschlag. Beide, Wenz und Beckmann, sprangen als Autor und Verleger ins kalte Wasser. "Ich hab's geschrieben, er musste es bezahlen."

Einmal mit der Materie befasst, schloss sich bald der nächste Auftrag von der Gemeinde an: eine Chronik zu deren 40jährigen Bestehen. Wenz, der bis heute die Auffassung vertritt, man müsse die Menschen über das Bild zum Lesen animieren, spielte bei diesem Buch ein glücklicher Umstand in die Hände: Der frühere Bildreporter Otto Schulte überließ ihm alte Pressefotos. Wenz wurde auch im Schönebecker Schloss fündig. Er kaufte dem Heimatmuseum den gesamten Bestand an Fotos von Lemwerder ab.

Mindestens ein Jahr lang habe er mit Unterstützung seiner Frau Irmgard an der Chronik gearbeitet, erinnert sich Wenz. "Wir hatten das ganze Wohnzimmer mit Fotos ausgelegt." Das Buch "40 Jahre Lemwerder" wurde ein Renner - und ist längst vergriffen.

Stapelweise alte Fotos

Seine Bücher machten Wenz bekannt. Viele vertrauten ihm ihre alten Fotos an, Zeitzeugen gaben ihre Kenntnisse über Orte und Personen an ihn weiter. Der Berner Heimatforscher Gerold Meiners überließ Wenz einen Stapel Fotos, die auf einem Dachboden geschlummert hatten: Bilddokumente jener Häuser, die 1936 dem Flugplatzbau in Lemwerder weichen mussten. Dieses einzigartige Bildmaterial machte Wenz 1990 seiner Leserschaft in der Paperback-Ausgabe "Deichshausen" zugänglich. Der Band erhielt erstmals eine ISBN-Nummer und begründete die "Kleine Stedinger Heimatbücherei".

Über 36 Jahre war der Diplom-Ingenieur Franz-Herbert Wenz in der Luft- und Raumfahrt tätig. Das öffnete ihm den Weg zum Firmenarchiv der Vereinigten Flugtechnischen Werke. Deren Geschichte arbeitete er in den Jahren 1995 und 1997 in einer zweibändigen Chronik auf. Die kleine Heimatbücherei mauserte sich so zum respektablen Stedinger Verlag.

Ehrenamtlich hat der 70-Jährige mit anderen das Raumfahrthistorische Archiv Bremen aufgebaut, dessen Vorsitzender er heute ist. Dieser Quelle verdanken die Leser Bücher über legendäre Flugzeuge wie VFW 614, Transall C 160, Junkers Ju 52, Focke-Wulf Fw 189 'Uhu', Fw 191, Heinkel He 162, außerdem Fachbücher über die europäischen Raketen. In der Schriftenreihe des Archivs ist gerade Band zwölf, "50 Jahre Raumfahrt in Bremen", erschienen.

Franz-Herbert Wenz ist mit den Jahren zum Autor, Herausgeber und Verleger in Personalunion geworden. Für erfolgreiche Bücher externer Autoren hat er ein sicheres Gespür. Hier sei an "Die Stedinger Kriege" von Jens Schmeyers erinnert, an "Sturmfluten im Stedinger Land" von Harald Fuge, "Sport in Lemwerder" von Hartmut Weinmann oder die Neuenhuntorfer Chronik von Heino Vette.

Rückblickend konstatiert Wenz, dass seine eigenen, wie auch die Ansprüche der Leser in den zurückliegenden 25 Jahren gestiegen seien. Neben Druckerei und Buchbinderei beschäftigt der Stedinger Verlag heute zusätzlich einen Mediengestalter, der die Neuerscheinungen in den richtigen Satz bringt und die Fotos bearbeitet. Wenz selbst findet seine Arbeit durch den Computer wesentlich vereinfacht. Die wertvollen Fotos werden digitalisiert und müssen nicht mehr aus der Hand geben werden. Das Internet ermöglicht über die Homepage www.stedinger-verlag.de direkten Kontakt mit Interessenten - unter anderem bis nach Übersee.

Wenz gesteht, dass ihm seine umtriebige Verlagsarbeit nach wie vor viel Freude bereite und ihm viel gebe. "Und man hinterlässt Spuren", sagt er. Die Ideen für weitere Bücher gehen ihm nicht aus. Schon 2012 will er die "Chronik von Strom" herausgeben, außerdem ein Buch über das Jagdflugzeug Focke-Wulf Fw 190. In Arbeit ist ein Band über die Lastensegler des zweiten Weltkrieges. Und für eine Chronik der Jahre 1933 bis 1948 der Gemeinde Stedingen recherchieren Wenz und Schmeyers bereits gemeinsam.

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