Projekte an der Oberschule Koblenzer Straße regen Kreativität der Jugendlichen an / Ausstellung im Weserpark Bildhauerwerkstatt für Schüler

Osterholz-Tenever. „Urban update“ heißt ein Projekt, mit dem die Oberschule Koblenzer Straße hinaus in den Stadtteil gegangen ist. Plakataktionen, Drucken auf offener Straße und Erkundungen der Architektur gehörten zu den Aktionen.
13.07.2015, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Edwin Platt

„Urban update“ heißt ein Projekt, mit dem die Oberschule Koblenzer Straße hinaus in den Stadtteil gegangen ist. Plakataktionen, Drucken auf offener Straße und Erkundungen der Architektur gehörten zu den Aktionen. Zum Abschluss präsentierten die Schülerinnen und Schüler die Ergebnisse der Workshops Architektur, Bildhauerei, Druckgrafik, Mode, Tanz, Musik und Wort. Und von diesem Montag, 13., bis zum 18. Juli sind Fotoaufnahmen von den Werken der Bildhauergruppe im Weserpark zu sehen.

Ergänzend zu den Arbeiten der Schüler wurden Zusatzqualifikationen der Lehrer präsentiert. Zwei Jahre lang gab es für die Pädagogen verschiedene Weiterbildungen im Bereich der Begabten- und Hochbegabtenförderung dank Unterstützung von der Karg-Stiftung. Diese Stiftung legt großen Wert auf Inklusion und betreibt keine Einzelförderung, sondern institutionelle Unterstützung. So konnten beispielsweise Fachkapazitäten aus den Disziplinen Psychologie und Pädagogik aus Münster als Referenten für das Kollegium der Oberschule gewonnen werden.

Wie man Begabungen überhaupt erkennt, wenn für Kinder aus Migrantenfamilien die deutsche Sprache noch Problem ist, beantworteten Friederike Steinhaus von der Schulleitung und Olaf Steenbuck von der Karg-Stiftung so: „Wir geben den Schülern Forschungsaufgaben, die sie in ihrer Sprache durchführen können. Das Ergebnis zeigt uns die Qualität.“

Die Schülerin Sayinthika, im siebten Jahrgang wie alle Schüler der Projektgruppen, hat zum Thema „Lügen“ gearbeitet. Vor zwei Jahren kam Sayinthika ohne deutsche Sprachkenntnisse mit tamilischer Muttersprache nach Tenever. Zum Komplex „Lügen“ hat sie zunächst in einer „Mind-Map“ ihre Gedanken festgehalten und das Lügen in verschiedenen Bereichen wie Beziehung oder Religion betrachtet. „Fast alle lügen, ich auch“, sagte Sayinthika. Lügen aus Angst und in Beziehungen seien typischen Lügen von Schülern. Angst, beispielsweise hinsichtlich der Hausaufgaben, führe zum Lügen.Ausdrucksstark und gut nachzuempfinden ist Sayinthikas drei Seiten lange Geschichte über Sharon, die zunächst notorisch lügt und sich dann nach einem Schicksalsschlag ändert und künftig bei der Wahrheit bleiben will. Sayinthikas erste selbst verfasste Geschichte ist das nicht. Vor einem Jahr gewann die Schülerin, die sowohl tamilische als auch deutsche Bücher liest, sogar einen Textwettbewerb.

In jedem Projektbereich wurden die Schüler durch Lehrer und professionelle Künstler begleitet. Soufian aus der Klasse 7d hatte die Bildhauerei gewählt. Die Gruppe von Siebtklässlern, die aus Stein, Ton und Ytong bekannte und unbekannte Gesichter formte, wurde von dem Künstler Armir Omerovic begleitet.

Soufian widmete sich seinen künstlerischen Arbeiten immer freitags für zwei Stunden. Er wählte am Stein eine Abtragstechnik, die viel Vorstellungsvermögen erfordert. Sein noch nicht fertiggestellter Kopf wird in einer Fotopräsentation bei der Ausstellung zur Bildhauerwerkstatt im Weserpark zu sehen sein. Denn die ausdrucksstarken Köpfe hat das Studio B am Ende des Projekts Kunstwerkstatt fotografisch in Szene gesetzt. Auffallend schräg sitzen die Ohren an Soufians Steinkopf. „An der Stelle war nicht mehr Stein“, erklärte der Schüler die Schiefstellung. Offensichtlich hatte er unter Vorgabe der Steinform zuerst nur ein Ohr herausgearbeitet ohne sich bereits beide Ohren vorzustellen. Soufian fand Gefallen an dem künstlerischen Schaffen: „Mit Stein zu arbeiten fand ich besser als mit Ton. Ich würde das auch gerne weitermachen, aber ich weiß nicht, wo ich das kann.“ Tatsächlich bietet ihm die Schule Koblenzer Straße in den höheren Jahrgangsstufen die Möglichkeit, in Werkgruppen bildhauerisch zu arbeiten.

Zum Finale des Präsentationstags bot die Tanzgruppe eine Vorführung auf dem sonnenheißen Schulhof. Renate Raschen vom Bildungsressort

freute sich über gute Erfolge in der Arbeit mit Kreativpotenzialen und forschendem Lernen. Weitere Bremer Schulen – besonders in interkulturellen Wohngegenden – könnten Nutznießer von Unterstützungen in Form besonderer Qualifizierung der Lehrer und durch Unterstützung von kreativen, forschenden Projekten werden.

Die Fotos der Köpfe aus dem Bildhauerprojekt werden unter dem Titel „Stadtgesichter“ ab diesem Montag, 13. Juli, im Lichthof im Einkaufszentrum Weserpark, Hans-Bredow-Straße 19, öffentlich präsentiert. Die Eröffnung ist um 12 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Sonnabend, 18. Juli.

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