Sehenswerte Deckenbemalung in der Burg Blomendal von 1577- Hoyersaal wird Trauzimmer Bildnis mit spanischem Kragen

VON ULF FIEDLER
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VON ULF FIEDLER

Blumenthal.Zu den 555 Dingen, die man in Bremen und Umgebung unbedingt gemacht haben sollte, zählt auch ein Besuch der alten Burg Blomendal.1354 erbaut, zählt sie zu den ältesten Profanbauten Bremens und ist aus Bremen-Nord nicht wegzudenken.

Großzügige Grünflächen, alter Baumbestand und ein idyllischer Burggraben unterstreichen den herben, romantischen Charme des alten Mauerwerks. Die eigentliche kunsthistorische Überraschung zeigt sich dann allerdings im Innern des Hauptgebäudes.

Ab 1969 freigelegt, gelten die Deckenmalereien in großen und im Hoyersaal als kunstgeschichtliche Kleinode. Beide gut erhaltenen Deckenbemalungen dokumentieren ein stückweit die Geschichte der Burg, welche deutlich in die stadtbremische Historie eingreift.

Zum Hintergrund: Nach dem Ankauf der Burganlage 1436 wurde das Gebäudeensemble mit dem weitläufigen und ertragreichen Grundbesitz für jeweils zehn Jahre an verdiente Bremer Bürgermeister für 1800 Rheinische Gulden verpachtet. Da das Bürgermeisteramt damals nicht besoldet wurde, galt die Burg als hervorragende Einnahmequelle.

Es war im Jahre 1542, als der damals amtierende Bürgermeister Diedrich Hoyer die Burg mit allen zugehörigen Einkünften übernahm. 1548 reiste er schließlich mit einer Delegation nach Augsburg, um die Stadt Bremen von der Reichsacht zu lösen. Die Hansestadt war dem Schmalkaldischen Bund der evangelischen Fürsten beigetretenen, die gegen das katholische Reich kämpfte.

Der Bund verlor, über Bremen verhängte der Kaiser die Reichsacht, ein Todesurteil für jeden Handel. Durch Verhandlungsgeschick versöhnte Diedrich Hoyer die Stadt mit Kaiser Karl V. Als Belohnung erhielt er die Pacht der Burg für weitere 18 Jahre. Ein fürstliches Geschenk.

Hier zeigt sich die Verbindung zu der Deckenmalerei. Sein Sohn, Dr. Erich Hoyer, ebenfalls Bürgermeister, erhielt vertraglich das 'Huß Blomendall' für 20 Jahre zugesprochen. Dieser Vertrag datiert aus 1577.Bereits ein Jahr später wird ihm der Pachtzins zurückerstattet, wenn er als Jurist 'der Stadt in ihren damaligen bedenklichen Umständen und schweren Sachen mit Rathen, Schreiben und Advociiren dienen wolle'.

Da um diese Zeit die Pest in Bremen wütete, dürfte Dr. Hoyer nach erfolgter Renovierung seine Familie nach Blomendal geholt haben. Mit einiger Sicherheit ist die Deckenmalerei im Hoyersaal also auf 1577/78 zu datieren. Das zweite der fünf Medaillons zeigt ein Bildnis des Dr. Erich Hoyer mit spanischem Kragen und der dreifachen Amtskette. Nach den folgenden Allianzwappen der Familien Hoyer und Stenow zeigt das vierte Medaillon seine Frau Metjen, geb. Stenow.

Das letzte Bildnis nahe am Kamin ist schlecht erhalten. Der spanische Kragen lässt aber vermuten, dass es sich hier um den Vater des Erich Hoyer in einer damals üblichen Geschlechterfolge handelt.

Führungen sind möglich jeden ersten Dienstag und jeden dritten Donnerstag im Monat von 16- 18 Uhr .Anmeldungen im Archiv im Erdgeschoss der Burg.

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