Lehrermangel in Bremen und Niedersachsen Bildungsbehörden stehen in der Kritik

Bremen/Hannover . Zwei Tage vor Ende der Sommerferien steht Bremens Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) wegen Kürzugen in der Kritik. Auch Kultusminister Althusmanns Personalpolitik in Niedersachsen wird bemängelt.
16.08.2011, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Bildungsbehörden stehen in der Kritik
Von Matthias Lüdecke

Bremen/Hannover . Zwei Tage vor Ende der Sommerferien steht Bremens Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) in der Kritik von Lehrer- und Elternvertretern. Die Senatorin hatte kurz vor den Ferien angekündigt, dass Lehrerstunden vor allem aus Gymnasien künftig anderen Schulen zugewiesen werden sollen. Im Gespräch mit unserer Zeitung begründete Jürgens-Pieper diesen Schritt damit, dass sonst das Personalbudget überzogen worden wäre. Kritik wegen der Personalpolitik gibt es auch am niedersächsischen Kultusminister Bernd Althusmann (CDU).

Kurz vor Beginn der Sommerferien war bekannt geworden, dass gut 1500 Lehrerstunden in Bremen künftig anders genutzt werden sollen als bisher. Vor allem die gymnasialen Oberstufen sind von den Kürzungen betroffen. Dort sollen die Lehrerstunden künftig nicht mehr auf Basis der Anmeldungszahlen des ersten Jahres, der Einführungsphase, bemessen werden und dann gleich bleiben, sondern sich an der realen Schülerzahl orientieren - also auch Abgänge berücksichtigen. Es sei an der Zeit gewesen, diesen Modus zu ändern, weil sonst falsche Anreize gesetzt würden, sagte Renate Jürgens-Pieper.

Kritik an den Plänen der Senatorin kommt von Eltern und Lehrern. Harry Eisenach von der Lehrergewerkschaft GEW etwa rechnet mit dem Wegfall von Kursen an einigen Gymnasien. "Die Kürzungen kann man so nicht wegstecken", erklärt er und kritisierte zugleich den Zeitpunkt der Veröffentlichung der Pläne nur zwei Tage vor den Ferien. "Für die Planungsphase vieler Lehrer ist das katastrophal, weil jetzt die Stundenpläne den Kürzungen erst einmal angepasst werden mussten", sagt Eisenach.

Auch einige Eltern zeigen sich wegen des Veröffentlichungszeitpunktes und der mangelnden Informationen aus dem Bildungsressort verstimmt. In einem Brief an die Mitglieder der Bildungsdeputation fordern die Schulelternsprecherinnen des Alten Gymnasiums die Rücknahme der Pläne, um dem diesjährigen Doppeljahrgang "im Endspurt zum Abitur nicht noch weitere Benachteiligungen zuzumuten". "Uns fehlen bislang die Antworten auf viele Fragen", erklärte etwa. Und auch Andrea Spude, Vorstandsmitglied im zentralen Elternbeirat, kritisiert die vielen noch unbeantworteten Fragen. "Wo etwa die Stunden künftig eingeplant sind, oder wie konkret die Umsetzung an den Schulen laufen soll, ob etwa jetzt Oberstufenkurse zusammengelegt werden müssen, wissen wir noch nicht", erklärt sie.

Antworten auf diese Fragen hat die Bildungssenatorin allerdings für die heutige Bildungsdeputationssitzung angekündigt. Im Interview mit dem WESER-KURIER nennt sie erste Grundzüge. Demzufolge sollen die Lehrerstellen vor allem der Inklusion und den Grundschulen zugute kommen. Hintergrund der Umschichtung, die sie als "Notmaßnahme" bezeichnet, sei gewesen, dass nur so eine drohende Überschreitung des Personalbudgets habe verhindert werden können.

Auch in Niedersachsen gibt es Kritik an der Personalausstattung. Wenige Tage vor Beginn des neuen Schuljahres kritisierte Eberhard Brandt, Chef der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Niedersachsen, moniert in Hannover die Zahl der neuen Lehrerstellen. 700 zusätzliche Stellen an allgemeinbildenden Schulen und 150 Stellen im berufsbildenden Bereich seien "zu gering, um nur einen Funken Entlastung zu erreichen", sagt Brandt. Ministerpräsident David McAllister (CDU) müsse das von seinem Vorgänger Christian Wulff gegebene Versprechen einlösen, die Lehrer in Niedersachsen zu entlasten.

Auch die von der schwarz-gelben Landesregierung in diesem Jahr initiierte Oberschule wird erneut massiv kritisiert. "Sie hat nicht wie von CDU und FDP gewünscht dazu geführt, dass Gesamtschulen weniger beliebt sind", erklärt Brandt. Noch immer gingen dort im Schnitt 40 Prozent mehr Anmeldungen ein, als Gesamtschulplätze vorhanden seien. Die Landesregierung müsse deshalb aufhören, die Gesamtschulen etwa bei den Neugründungen zu benachteiligen. Nach den Sommerferien öffnen in Niedersachsen 132 Oberschulen erstmals ihre Pforten, 17 davon mit gymnasialen Angeboten.

Ungeachtet der jüngsten Kritik wirbt Kultusminister Bernd Althusmann für einen sicheren Schulweg. Im Internet können Eltern angesichts des anstehenden Schuljahresbeginns einen sicheren Fußweg zur Schule planen. Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) appelliert zudem an die Eltern von Erstklässlern, bei Bedarf einen Antrag für Schulbedarfspakete zu stellen. Diese sollen durch finanzielle Zuschüsse sicher stellen, dass sich auch Kinder aus bedürftigen Familien mit Schreib-, Rechen- und Zeichenmaterialien sowie Schulranzen, Rucksack und Sportzeug versorgen können.

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