Zwischenlager rückt näher

Biomüll darf im Hafen gelagert werden

Rechtlich lässt sich gegen ein Biomüll-Zwischenlager in den Bremer Industriehäfen kaum noch etwas machen. Die Umweltbehörde sieht keine Grundlage für ein Einschreiten.
07.05.2018, 20:04
Lesedauer: 2 Min
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Biomüll darf im Hafen gelagert werden
Von Jürgen Theiner
Biomüll darf im Hafen gelagert werden

Der Gröpelinger Beirat ist gegen den Umschlag im Industriehafen, eine Bürgerinitiative hat sich bereits formiert, und auch die örtliche SPD macht gegen die Pläne mobil.

dpa

Der Einrichtung eines Biomüll-Zwischenlagers in den Industriehäfen steht nichts mehr im Wege. Die Umweltbehörde hat am vergangenen Freitag hierfür indirekt ihr Okay gegeben. Eine formale Genehmigung ist für den Betrieb nicht erforderlich, es genügt eine Anzeige des Betreibers gegenüber der Behörde. "Die ist Ende vergangener Woche bei uns eingegangen", sagt Umweltstaatsrat Ronny Meyer.

Damit entspreche das Entsorgungsunternehmen Remondis den Anforderungen des Bundesimmissionsschutz-Gesetzes. "Das Gelände befindet sich in einem Industriegebiet, ein Gutachten hat dessen Eignung bestätigt. Es gab für uns daher keinen Anlass zu widersprechen", so Meyer. Der Standort der geplanten Umschlaganlage liegt am Ende der Windhukstraße auf einem Gelände zwischen Kohlen- und Hüttenhafen.

Von der nächsten Wohnbebauung im Bereich Wohlers Eichen ist es ungefähr einen Kilometer Luftlinie entfernt. Aus Sicht des Umweltstaatsrates reicht diese Distanz aus, um mögliche Geruchsbelästungen durch den Biomüll auszuschließen. Zudem werde der Abfall nicht unter freiem Himmel, sondern in einer Halle zwischengelagert.

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Remondis übernimmt die Zuständigkeit für den Umschlag und die Entsorgung des Bremer Biomülls zur Jahresmitte. Rund 25.000 Tonnen fallen alljährlich im Stadtgebiet an. Der bisherige Entsorger Nehlsen kompostiert das Material auf einem Gelände am Fahrwiesendamm (Blockland). Remondis plant, die Bremer Bioabfälle auf einer Anlage in der Nähe von Osnabrück zu verstromen.

Sie befindet sich zurzeit im Bau und wird voraussichtlich im Herbst betriebsbereit sein. Ob Remondis von der Möglichkeit Gebrauch macht, den Biomüll an der Windhukstraße zwischenzulagern, steht noch nicht fest. Nach Informationen des WESER-KURIER ist das Unternehmen – ungeachtet eines Dementis aus der Firmenzentrale – in Gesprächen mit Nehlsen.

Dabei geht es um die Frage, ob der örtliche Konkurrent, der im vergangenen Jahr bei der Ausschreibung der Biomüll-Logistik gegen Remondis unterlegen war, bereit ist, sein Gelände am Fahrwiesendamm für den Umschlag zur Verfügung zu stellen. In diesem Fall wäre das Areal an der Windhukstraße verzichtbar. Klar ist allerdings, dass Nehlsen an einer solchen Lösung etwas verdienen will und keinen Anlass hat, Remondis einen Freundschaftsdienst zu erweisen.

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Sollte das Zwischenlager in den Industriehäfen auf dem Grundstück der Firma Weserport entstehen, wäre das sozusagen eine konzerninterne Lösung. Weserport gehört zum internationalen Logistik-Dienstleister Rhenus. Dieser wiederum ist ein Schwesterunternehmen des Entsorgers Remondis. Beide Firmen sind Teil der Rethmann-Gruppe, die ihr Geld mit Abfall- und Wasserwirtschaft, Logistik und der Verarbeitung organischer Reststoffe verdient.

Obwohl die Standortfrage noch nicht endgültig entschieden ist, kündigt sich bereits politischer Streit um die Pläne für die Windhukstraße an – ähnlich wie vor einigen Monaten in Woltmershausen, wo Remondis zunächst ein anderes Gelände für die Zwischenlagerung in Aussicht genommen hatte.

Der Gröpelinger Beirat ist gegen den Umschlag im Industriehafen, eine Bürgerinitiative hat sich bereits formiert, und auch die örtliche SPD macht gegen die Pläne mobil. Für den 25. Mai ist ab 15 Uhr eine Demonstration an der Kreuzung Oslebshauser Heerstraße/Oslebshauser Landstraße vorgesehen, anschließend wollen die Teilnehmer zum Betriebsgelände der Firma Weserport gehen.

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