Vahrer unzufrieden mit neuem Müllsystem der Gewoba Biotonnen zu 90 Prozent falsch befüllt

Vahr. Eigentlich funktioniert das neue Mülltrennungssystem der Gewoba ganz gut. Das sagen zumindest die Zahlen, die Ramona Heidmann von der Gewoba in die Sitzung des Beirates Vahr mitgebracht hatte. Trotzdem bleiben einige Probleme.
17.07.2014, 00:00
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Von Karin Mahlstedt

Eigentlich funktioniert das neue Mülltrennungssystem der Gewoba ganz gut. Das sagen zumindest die Zahlen, die Ramona Heidmann von der Gewoba in die Sitzung des Beirates Vahr mitgebracht hatte. Trotzdem bleiben einige Probleme. Das machten mehr als 40 Anwohner deutlich.

Als zum 1. Januar die Abfallgebühren gestiegen sind, hat die Wohnungsbaugesellschaft Gewoba für knapp 9000 Haushalte in der Vahr ein neues Müllentsorgungssystem eingeführt. Mieter sollen durch konsequenteres Trennen Kosten sparen können. Das funktioniert auch schon, sagte Ramona Heidmann von der Gewoba. Aber das System läuft nicht rund. Anwohner trugen am Dienstag in der Sitzung des Beirates Vahr ihre Probleme vor. Dazu gehören auch falsch befüllte, überquellende Biotonnen, die Ratten anlocken.

Dabei nutzen 93 Prozent der Gewoba-Mieter laut Ramona Heidmann aus dem Betriebskostenmanagement der Gewoba die neu eingeführten Schleusen für Restmüll, 92 Prozent auch korrekt. 85 Prozent aller gelben Tonnen seien gut sortiert, genau wie 90 Prozent der Papiertonnen. Nur bei den Biotonnen hapere es: In 90 Prozent der Tonnen lande auch viel Restmüll.

Seit Anfang des Jahres seien an den Müll-Standplätzen der Gewoba in der Vahr 75 zusätzliche Papiertonnen aufgestellt worden, sagte Ramona Heidmann. Insgesamt gebe es zurzeit 130. Dazu kämen 67 neue Biotonnen mit 90 Liter Fassungsvermögen und 222 mit einem Chip zu öffnende Restmüll-Schleusen für 8700 Wohnungen. Mieter seien in verschiedenen Sprachen beraten und informiert worden. Die Innotec Abfallmanagement GmbH kontrolliere die Müllplätze regelmäßig.

Die überquellenden Biotonnen sind auch für die Anwohner ein großes Problem. „Die Umsetzung in dieser Form kann in diesem Gebiet nicht funktionieren“, sagte ein Mann aus der Gustav-Radbruch-Straße. In die offenen Tonnen schmeiße jeder, der daran vorbeilaufe, was er wolle. „Die Ratten laufen mir um die Füße“, sagte er. Raben würden den Müll überall verteilen, erklärte ein anderer Anwohner.

Überall, wo es die Müllschleusen gebe, stünden auch viele Müllsäcke neben den Tonnen. Außerdem sei nicht einmal die Hälfte der Restmülltonnen in der Straße bisher mit Schleusen versehen, und Tonnen, die gegen Papiertonnen getauscht werden sollten, noch da, sagte ein Anwohner. „Grundsätzlich finde ich die Schleusen super“, sagte er. „Ich möchte für meinen Müll bezahlen, nicht für den der Nachbarn.“ Er und andere Anwohner berichteten außerdem, dass die Tonnen mit Schleusen offenbar leicht geöffnet werden könnten.

„Was hier passiert, ist ein Skandal“, sagte ein Anwohner der Carl-Severing-Straße. Auch er ist nicht grundsätzlich gegen das neue System. Aber es gebe eine Menge Menschen – Kranke, Behinderte, Eltern mit kleinen Kindern – die ihre Müllmenge nicht reduzieren und deshalb auch keine Kosten sparen könnten. Auch, dass nicht an jeder Schleuse auch nach früherer Kritik automatisch Einwurfhilfen angebracht werden, sondern nur auf Nachfrage, kritisierten Anwohner und Beiratsmitglieder.

Heiko Fritschen, Betriebsleiter bei Innotec, bestätigte, dass an einigen Standorten Tonnen aufgebrochen worden seien. Vorhängeschlösser sollen Abhilfe schaffen. Zu den Biotonnen sagte Ramona Heidmann: Größere Biotonnen bekomme die Gewoba nicht. Dort, wo viel anderer Müll in Biotonnen lande, würden die Mieter noch einmal informiert. Aber wenn sich nicht bald etwas ändere, müssten die Tonnen wieder weg. Mieter müssten Biomüll dann in der Restmülltonne entsorgen. Das kam nicht gut an. Das Thema Biomülltonnen will der Beirat noch einmal in einer späteren Sitzung diskutieren.

Bis Ende des Jahres sollen den Gewoba-Mietern in der Vahr 40 weitere Papiercontainer zugänglich gemacht werden, sagte Heidmann. Mieter, die die Müllschleusen nicht oder sehr viel nutzen oder gelbe und blaue Tonnen falsch füllen, sollen noch einmal angesprochen und informiert werden. Außerdem soll es Termine für die Sammlung von sperrigem Restmüll geben. Dass die Mieter ihren Müll neben die Tonnen stellen, will die Gewoba mit einer sowieso berechneten Mindestmenge an Müll von 520 Litern für einen Ein-Personen-Haushalt und 936 Litern für einen Zwei-Personen-Haushalt im Jahr verhindern.

In der Beiratssitzung wurde außerdem die Einrichtung einer abgezäunten Spielfläche für Hunde im Carl-Goerdeler-Park diskutiert. Die Einrichtung dieser Flächen sei rechtlich, finanziell und organisatorisch nicht einfach, sagte Ortsamtsleiterin Karin Mathes. Deshalb wolle die Stadt in Zusammenarbeit mit den Beiräten drei Pilotprojekte einrichten. Der Beirat beschloss, sich für ein solches Projekt zu bewerben.

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