Platzmangel

Bis 2030 könnte die Blocklanddeponie voll sein

Breiter darf sie nicht mehr werden – aber höher: Die Bremer Stadtreinigung plant, die Blocklanddeponie in den kommenden Jahren noch einmal um einen Abschnitt zu erweitern.
05.12.2018, 17:51
Lesedauer: 3 Min
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Bis 2030 könnte die Blocklanddeponie voll sein
Von Anne Gerling
Bis 2030 könnte die Blocklanddeponie voll sein

Die Blocklanddeponie soll noch einmal erhöht werden, weil Platz für die Müll-Entsorgung benötigt wird.

frank thomas koch

Ziemlich genau vier Jahre ist es her, dass der Bauausschuss des Waller Beirats Bremens höchste Erhebung erklommen hat, um sich direkt vor Ort einen Überblick zu verschaffen. Auf dem Müllberg, der seit 1969 auf dem Gelände am Fahrwiesendamm herangewachsen ist, genossen die Ortspolitiker damals den Rundumblick von einem 42 Meter hohen Plateau aus. Mittlerweile geben die Vermessungsingenieure von Geoinformation Bremen den höchsten Punkt der Blocklanddeponie mit etwa 48 Metern an. Und der Berg wächst stetig weiter; höher als 60 Meter soll er aber nicht werden: Seit 2009 wird die Deponie sukzessive stillgelegt und renaturiert.

Aber eben doch noch nicht ganz, wie nun Deponieleiter Christian Vater von der im Januar gegründeten Bremer Stadtreinigung dem Bauausschuss des Waller Beirats erläutert hat. „Wir haben Bedarf für einen weiteren Abschnitt“, sagt er. Allerdings sei es schwierig, in Bremen an anderer Stelle einen Standort für die Müll-Entsorgung zu finden.

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Fast zwangsläufig ist man somit also wieder bei der Blocklanddeponie. Die allerdings kann sich nicht weiter in die Breite ausdehnen, so hat es die Stadt schon vor längerer Zeit beschlossen. „Wenn man also noch einmal einen Teil entwickelt„, so Vater, “dann nur in die Höhe – das ist die einzige Möglichkeit.“

Wachstum nur in die Höhe

Und so soll nun eine Vorgehensweise aus den Jahren 2011 bis 2013 wiederholt werden. Damals war auf der Deponie eine etwa vier Hektar große neue Deponie der Deponieklasse 1 eingerichtet worden, deren Kapazität Vater zufolge noch etwa bis zum Jahr 2022 ausreicht. Nach diesem Vorbild soll im westlichen Teil der Deponie im Bereich von Windrad 3 abermals ein vier Hektar großer Abschnitt entwickelt werden, der noch einmal ein Fassungsvermögen von 433 000 Kubikmetern Abfall hat. Zum Vergleich: Anfang des Jahres gab es für die Deponieklasse 1 ein Restvolumen von 140 000 Kubikmetern.

Nachdem Hausmüll und Verpackungsmüll mittlerweile in Verbrennungsanlagen und nicht mehr auf der Müllkippe landen, geht es dabei unter der Kennzeichnung Deponieklasse 1 um „weniger gefährliche“ Abfälle. „Das sind im Wesentlichen mineralische Abfälle mit wenig Organik, sodass es keine Abbauprozesse mehr gibt, durch die Gerüche entstehen oder das Grundwasser beeinträchtigt wird“, erklärt Vater. Böden zum Beispiel, Strahlsande, Schlacken, Asche, Teer oder andere Materialien aus dem Straßenabbruch.

Das klingt zunächst undramatisch, allerdings fallen in diesen Bereich zum Beispiel auch asbesthaltige Baumaterialien wie Wellblech- oder Eternit-Platten. Dennoch bestehe keine Gefahr, versichert Vater. Denn damit keine Partikel in die Luft gelangen könnten, würden solche gesundheitsschädlichen Materialien nach einer speziellen Methode entsorgt. Die auf der Internetseite bereitgestellte Umwelterklärung des kommunalen Unternehmens sorgt dabei für Transparenz und zeigt, dass Umweltrecht eingehalten wird.

Keine Sonderabfälle

„Das ist keine Sonderabfall-Deponie, die Schadstoffe aus dem Umland nach Bremen lockt“, ist der Deponieleiter außerdem überzeugt – auch wenn die Deponie Müll aus anderen Bundesländern annehme. Fairerweise müsse man aber auch sagen, dass wiederum auch Abfall aus Bremen an andere Orte transportiert werde.

Um „aufstocken“ zu können, muss Vater zufolge zunächst die Oberfläche der bereits vorhandenen Deponie – der spätere Untergrund – mit einer komplett undurchlässigen Folienschicht abgedichtet werden, die verhindert, dass zum Beispiel durch Regen umweltgefährdende Stoffe in den Boden – und damit ins Grundwasser – eindringen. Darauf wird anschließend eine einen Meter dicke „geologische Barriere“ gebaut – also eine Schicht aus Lehm beziehungsweise Ton inklusive Entwässerungssystem. „Das ist sehr sicher und wird vier Hektar des Alt-Deponiebestandes abdichten, wenn wir es in zwei Jahren bauen“, sagt Vater.

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Die 433 000 Kubikmeter Müll, die dort ab 2021 deponiert werden sollen, werden dann so aufgehäuft, dass der bremische Müllberg am Ende ein rund 60 Meter hohes Plateau haben wird. „Wir haben die Hoffnung, dass das mindestens bis 2028 – vielleicht auch bis 2030 – reicht“, so der Deponieleiter. Und dann? „Das ist die Aufgabe der Politik, sich bis dahin zu überlegen, was dann passieren soll.“ Momentan gelte hierzu der Beschluss, dass das Deponiegelände sich nicht über das Waller Fleet hinaus ausdehnen dürfe. Was ohnehin eine große technische Herausforderung wäre, wie Vater überzeugt ist. Schließlich handele es sich bei diesem Terrain um ein Feuchtgebiet, durch das obendrein auch noch eine Hochspannungsleitung verlaufe.

Bevor der neue Deponieabschnitt eingerichtet werden kann, muss das Vorhaben noch offiziell genehmigt werden. Dazu gibt es im kommenden Jahr ein Planfeststellungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit und des Waller Beirats, das auch eine Umweltverträglichkeitsprüfung beinhaltet.

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