Lichtinstallation erhält eine weitere Bewährungschance Blaues Band: Politik übt sich in Geduld

Vegesack. Das Blaue Band, es ist seit Jahren das Sorgenkind der Vegesacker Ortspolitik. Mehrere Fernsehsender haben in jüngster Zeit Spott und Häme über die Verantwortlichen ausgegossen. Die störungsanfällige Lichtinstallation, so scheint es, hat zwar nicht die Attraktivität Vegesacks, aber seinen bundesweiten Bekanntheitsgrad gesteigert.
09.05.2014, 00:00
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Blaues Band: Politik übt sich in Geduld
Von Jürgen Theiner

Vegesack. Das Blaue Band, es ist seit Jahren das Sorgenkind der Vegesacker Ortspolitik. Mehrere Fernsehsender haben in jüngster Zeit Spott und Häme über die Verantwortlichen ausgegossen. Die störungsanfällige Lichtinstallation, so scheint es, hat zwar nicht die Attraktivität Vegesacks, aber seinen bundesweiten Bekanntheitsgrad gesteigert. Am Donnerstagabend beschäftigte das Blaue Band einmal mehr den Beirat. Eine klare Haltung der Stadtteilpolitiker zur Zukunft des Projektes war nicht erkennbar.

Seit zehn Jahren erstrahlt in der Fußgängerzone zu abendlicher Stunde das Blaue Band. Oder zumindest Teile davon. Genau da liegt das Problem. Ständig waren und sind Teile der Lichtinstallation defekt, teils wegen mutwilliger Beschädigung, teils aufgrund technischer Störungen. Die besonders häufig betroffenen Leuchtschienen in Höhe der Ellipse hat die Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) vor diesem Hintergrund bereits 2009 ausbauen und durch bläuliche Steine ersetzen lassen.

Im Beirat legte Jürgen Opielka, der das Projekt für die WFB über einige Jahre betreut hat, jetzt Zahlen zu den bisherigen Kosten des Blauen Bandes vor. Herstellungskosten von knapp 300.000 Euro stehen ein Reparaturaufwand von gut 113.000 Euro sowie Wartungskosten von rund 20.000 Euro gegenüber. Rechnet man noch den bisherigen Energieverbrauch von gut 16.000 Euro hinzu, landet man bei insgesamt fast 450.000 Euro.

Netto, wohlgemerkt, und mit dieser Art zu rechnen zog Opielka in der Beiratsdebatte gleich den ersten Pfeil auf sich. „Die Stadt muss doch auch Mehrwertsteuer bezahlen. Aber netto klingt angenehmer, stimmt’s?“, stichelte Cord Degenhard (Bürger in Wut) in Opielkas Richtung. Nach Degenhards Einschätzung hat die Stadt jene Firmen, die für die häufigen Ausfälle der Leuchten eine Mitverantwortung trügen, nicht energisch genug in Regress genommen, sondern sich mit der Rolle des Zahlmeisters begnügt. „So ist das häufig in Bremen“, schimpfte Degenhard. „Da wird was in Auftrag gegeben, und hinterher kümmert man sich nicht richtig drum.“

An diesem Punkt ergab sich eine seltene Einigkeit zwischen Degenhard und Thomas Pörschke (Grüne) sowie Rainer W. Buchholz (FDP). Auch die beiden Letztgenannten meinten: Kein Privatmann würde so luschig mit seinem Eigentum umgehen wie die Stadt mit dem Blauen Band. Buchholz und auch Pörschkes Fraktionskollege Christoph Schulte im Rodde regten an, die gesamte Leuchtinstallation auszubauen und durch eine Spur blauer Steine zu ersetzen. Wenn man dafür hochwertiges Material auswähle, ließen sich auch so reizvolle Effekte erzielen. Doch für diesen Vorstoß gab es keine Mehrheit. Letztlich beließ es der Beirat bei der Forderung an die WFB, für ein durchgängig funktionstüchtiges Blaues Band zu sorgen. Sollte das nicht klappen, will man das Thema im Oktober wieder auf die Tagesordnung nehmen.

„Schaufenster“-Areal vor Verkauf?

Auch der Zustand der Maritimen Meile und ihres eingeknickten Eckpfeilers „Schaufenster Bootsbau“ beschäftigte den Beirat. Gerd Franke von der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) wiederholte den bekannten Sachstand, dass ein Wiederaufleben touristischer Angebote auf dem „Schaufenster“-Gelände nicht mehr infrage komme und stattdessen eine gewerbliche Nutzung angestrebt werde. Man sei mit einem Kaufinteressenten im Gespräch. Dieser habe sich eine Planungsphase von sechs Monaten ausbedungen, bevor er sich endgültig entscheide.

SPD-Fraktionssprecherin Heike Sprehe äußerte die Erwartung, dass die Wirtschaftsbehörde einen möglichen Verkaufserlös zumindest teilweise in die Attraktivierung der Maritimen Meile zwischen Schulschiff und Schlepper „Regina“ steckt – beispielsweise in eine Lernstation zum Thema Gezeiten, wie sie dem Verein Maritime Tradition Nautilus vorschwebt. Franke mochte sich an diesem Punkt nicht festlegen. Nach seinen Worten werde ein Teil des Geldes gebraucht, um EU-Fördermittel für das „Schaufenster“ zurückzuzahlen.

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