Weniger Bremer spenden Blut wegen Corona DRK ruft zum Blutspenden auf und bietet zusätzliche Termine an

Auch während der Pandemie brauchen Krankenhäuser Blutspenden, um Medizin herzustellen und Unfallopfer zu versorgen. Kurzfristig gab es weniger Spenden, aber dann haben die Bremer sich solidarisch gezeigt.
01.04.2020, 20:16
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
DRK ruft zum Blutspenden auf und bietet zusätzliche Termine an
Von Jean-Pierre Fellmer

Das Blut fließt. Es bahnt sich seinen Weg durch den transparenten Schlauch und läuft in einen Plastikbeutel. Der ist auf einer Waage aufgebahrt, die Blut hin- und herwiegt. Bis der Beutel voll ist. Die Waage piept, die Spende ist beendet. Diese Szene hat sich am Donnerstag in der Turnhalle des Sportvereins Bremen 1860 am Baumschulenweg in Schwachhausen mehr als 120 Mal abgespielt.

Der Kreisverband Bremen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) hatte zur Blutspende aufgerufen, neben dem Termin in Schwachhausen auch in Horn-Lehe und Arsten. Wegen der Coronavirus-Pandemie ist die Spendenbereitschaft laut DRK um zehn Prozent zurückgegangen, weshalb der Kreisverband verstärkt zum Blutspenden aufruft und zusätzliche Termine anbietet.

Lesen Sie auch

Donnerstag, 14 Uhr, die Einfahrt zur Turnhalle: Schon jetzt warten knapp 20 Menschen vor dem Eingang, stehen mit großzügigem Abstand zueinander in der Schlange. Zwei von ihnen sind Barbara Paul und ihre Schwester. „Normalerweise spende ich beim Termin in der St.-Andreas-Gemeinde in Horn-Lehe“, sagt die 55-Jährige. Aber da der Termin in Schwachhausen früher beginne, sei sie heute hier – so könne sie mit ihrem Mann im Anschluss noch in Ruhe Kaffeetrinken und Kuchen essen. Denn: Sie hat heute Geburtstag. Blutspenden geht die Masseurin und Heilpraktikerin trotzdem regelmäßig: „Das ist eine sinnvolle Tätigkeit“, sagt sie. Paul ist an der Tür zur Turnhalle angekommen.

Bevor es jedoch zur Anmeldung geht, misst eine ehrenamtliche DRK-Helferin wie bei allen Spenderinnen und Spendern mit einem Richtthermometer kontaktlos die Körpertemperatur und bittet die Gäste, ihre Hände zu desinfizieren. „Die Temperatur messen wir für gewöhnlich erst nach der Anmeldung“, sagt Lübbo Roewer, Sprecher des DRK-Kreisverbandes. Zur Sicherheit geschehe dies in Zeiten der Pandemie noch einmal zusätzlich vor dem Betreten der Halle. Grundsätzlich gilt: Wer Krankheitssymptome gleich welcher Art habe, der soll zuhause bleiben – er könne dann sowieso nicht spenden. Aber wer gesund und fit ist, kann Blut spenden.

Lesen Sie auch

In der großen Turnhalle ist Paul an der ersten Station angekommen, der Anmeldung. Hier bekommen die Spender einen dreiseitigen Fragebogen ausgehändigt, mit dem ihr gesundheitlicher Zustand abgefragt wird. Die 55-Jährige setzt sich an einen der Einzeltische, einen Kugelschreiber hat sie selbst mitgebracht – um das Infektionsrisiko durch das Coronavirus weiter zu minimieren. Das Gesundheitssystem ist auf Blutspenden angewiesen: Bis zu 1000 Einheiten werden im Großraum Bremen/Oldenburg laut DRK-Kreisverband täglich benötigt.

Die Einsatzzwecke sind unterschiedlich: Es gibt Kranke, die ihr Leben lang medizinische Präparate erhalten, die aus Spenderblut hergestellt werden. Menschen mit einer Krebserkrankung, die sich in Chemo- oder Strahlentherapie befinden, sind ebenso auf Spenderblut angewiesen. Fast ein Fünftel aller Spenden würden dafür benötigt. Etwas mehr als zehn Prozent sind es für die Behandlung von Verletzungen aus Unfällen im Straßenverkehr, beim Sport, im Beruf oder im Haushalt. Gespendetes Blut ist nur für einige Wochen haltbar, deshalb müsse regelmäßig gespendet werden, sagt Roewer.

Lesen Sie auch

Barbara Paul hat den Fragebogen ausgefüllt und steht wieder in der Schlange an. Wegen der Pandemie sind alle drei Hallenabschnitte geöffnet, damit die Spender viel Abstand halten können. Bei der nächsten Station werden noch die Temperatur und der Hämoglobinwert gemessen. Das Protein Hämoglobin transportiert Sauerstoff und Kohlenstoffdioxid und gibt dem Blut seine rote Farbe. Für die Blutmessung gibt es einen ersten Pieks in den Finger.

„Normalerweise kann man sich das aussuchen, ob Ohrläppchen oder Finger.“ Paul hat den Pieks ins Ohr lieber, wegen des Virus wird derzeit aber nur in den Finger gestochen. Es folgt ein Kurzbesuch beim Arzt: Bei der nächsten Station spricht er mit den Spendern kurz über den Fragebogen und misst ihren Puls und Blutdruck. Auch hier ist bei Paul und ihrer Schwester alles in Ordnung – es geht zur Spende.

In der Ecke mit der Sprossenwand sind mehrere Liegen aufgestellt, zwischen ihnen Tische mit medizinischer Ausrüstung. Paul nimmt Platz, kurze Zeit später setzt sich eine medizinische DRK-Helferin auf den Hocker neben sie. Die Helferin bereitet den Spendenbeutel vor: Die Nadel mit dem Schlauch ist steril verpackt und befindet sich am Beutel selbst. Paul macht ihren Arm frei, die Helferin bindet ihn oberhalb der Ellenbeuge mit einem Spanngurt ab. Dann zückt sie die Nadel. Mit dem ersten Versuch trifft sie die Vene in ihrer Armbeuge. Die Helferin öffnet den Spanngurt, das Blut fließt.

Barbara Paul ist mit der Spende fast durch. Knapp zehn Minuten dauert es, bis der Beutel vollgelaufen ist – fast 500 Milliliter sind es. Paul steht auf und holt sich ein Getränk. Die Spender sollen nach und vor der Blutspende viel trinken, damit das Blut gut fließt. Sie bleibt noch einige Minuten auf einer Bank sitzen. Sport machen oder schwere Dinge heben soll sie an dem Tag nicht mehr. Neben Paul sitzt Alex Weiß, er hat eben zum ersten Mal Blut gespendet.

Der 23-Jährige ist gebürtiger Bremer und für die Zeit des Kontaktverbots derzeit bei seinen Eltern zu Besuch. „Die Blutspende war total entspannt“, sagt er. Zur Entnahme von Blutproben wurde er schon häufiger gestochen, die Nadel habe er jedoch selten so schwach gespürt wie heute. Er würde wieder Blut spenden, sagt er. Nach knapp zehn Minuten steht Paul auf. Eine gute Stunde hat der Besuch in der Turnhalle gedauert. Die Schlange in der Einfahrt ist mittlerweile dreimal so lang, Paul geht an ihr vorbei und macht sich auf den Weg nach Hause – dort wartet schon ihr Mann, mit Kaffee und Geburtstagskuchen.

Info

Zur Sache

Gute Bilanz

Bei drei Terminen der vergangenen Woche haben laut DRK 330 Menschen Blut gespendet. Das sei überdurchschnittlich viel. Beachtlich sei zudem die Zahl der Erstspender von 43 Prozent. Der Bedarf an Blutspenden besteht jedoch fortwährend. Es werden regelmäßig Termine angeboten, die sich aber verschieben können. Mehr Informationen unter www.blutspende-leben.de oder Telefon 0800 / 119 49 11

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+