Neue Polizei-Maßnahmen Bodycams auf der Osterwiese

Um die Bremer Osterwiese sicherer zu machen, setzt die Polizei erstmals auf den Einsatz von Bodycams. Die kleinen Kameras haben sich laut Polizei in einem Probelauf als deeskalierend bewiesen.
19.03.2018, 19:20
Lesedauer: 4 Min
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Bodycams auf der Osterwiese
Von Nina Willborn

Wer in diesen Tagen an der Bürgerweide entlang spaziert, kann es nicht mehr übersehen: Noch zwei Tage, dann beginnt am Freitagmittag die Osterwiese. Die Schausteller bauen ihre Buden und Karussells auf, die Bremer verabreden sich schon mal zum Bummel, und die Polizei tüftelt am Konzept dafür, dass alles ruhig und sicher bleibt auf dem nach dem Freimarkt größtem Volksfest.

Wenn das Wetter einigermaßen gut wird, kommt rund eine Million Besucher in den 16 Tagen auf den Oster-Rummel. Aber nicht jeder von ihnen hat nur das eigene Vergnügen im Sinn. Grundsätzlich gebe es keine konkrete Gefährdungslage, heißt es von Seiten der Polizei, allerdings auch keine Routine. „Wir bewerten die Lage aber jeden Tag neu. Wie beim Weihnachts- und dem Freimarkt sind wir auch im Austausch mit den bundesweiten Behörden“, sagt Polizeisprecher Nils Matthiesen.

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Ebenfalls wie beim Freimarkt setzt die Polizei bei der Osterwiese nicht nur auf eigenes Personal. Mitarbeiter privater Sicherheitsdienste werden an den Eingängen zur Bürgerweide stehen, aber auch wie die Beamten in zivil und Uniform auf dem Gelände Streife laufen. Die Sicherheitskräfte ersetzen die Polizisten aber nicht, sie sollen die Beamten aber entlasten, indem sie die Besucher gleich am Eingang auf Verstöße gegen die Marktordnung hinweisen wie zum Beispiel darauf, dass Fahrräder und Hunde draußen bleiben müssen. Die „Privaten“ sollen auch in erster Linie Ansprechpartner sein, falls jemand Hilfe braucht und darüber hinaus auf aggressive oder stark alkoholisierte Besucher achten – und wenn es nötig ist, die Polizeikollegen hinzuziehen.

Die werden in diesem Jahr zum ersten Mal auch mit den sogenannten Bodycams ausgerüstet auf der Osterwiese im Einsatz sein. Matthiesen: „Wir hatten ja den einjährigen Probelauf auf der Discomeile und im Viertel. Der Einsatz von Bodycams hat sich dort positiv bewährt.“ In sechs von zehn Fällen hätten die kleinen Kameras, die die Einsatzkräfte am Körper tragen, deeskalierende Wirkung gehabt oder als Mittel zur Beweissicherung gedient, hieß es in der Auswertung des Tests Ende November.

Bodycams als Abschreckung

In vielen Fällen reichte bereits die Ankündigung, dass ab sofort aufgezeichnet werde, um eine Situation zu beruhigen. „Weiß jemand, dass er aufgezeichnet wird, ändert er oftmals sein Verhalten“, sagt Matthiesen. Allerdings, auch das ergab die Evaluation: Wer betrunken ist oder unter Drogen steht, den beeindruckt die Kamera weniger. Allerdings können Bodycams nach Angaben der Polizei dabei helfen, Gewalttäter abzuschrecken. Das aufgezeichnete Filmmaterial darf nämlich in einem Strafverfahren gezeigt werden.

Absolut verboten bleiben Waffen jeder Art. Und wer versucht, Glasflaschen im Gepäck aufs Gelände zwischen Kettenkarusell, Sahneeis und Achterbahn zu schmuggeln, muss mit Bußgeld bis zu 2500 Euro rechnen. Auch den Himmel über der Osterwiese werden die Einsatzkräfte in diesem Jahr im Auge beachten. Modellflugzeuge und vor allem der Einsatz von Drohnen sind nicht erlaubt. Das hat einerseits Datenschutz-, aber natürlich auch Sicherheitsgründe. Laut der Bremischen Luftverkehrsordnung müssen Multikopter, also unbemannte Fluggeräte wie eben auch Drohnen, eine seitliche Mindestentfernung von 100 Metern zu Menschenansammlungen einhalten.

Man hoffe insgesamt auf eine ruhige Osterwiese, sagt Matthiesen. „Die Osterwiese ist ja eine Nummer kleiner als der Freimarkt. Es gibt weniger Partyzelte, und es kommen insgesamt weniger Besucher.“ Vor einem Jahr hatten die Beamten es hauptsächlich mit kleineren Delikten zu tun, also zum Beispiel Diebstählen. Ganz ohne sie wird es auch zwischen dem 23. März und dem 8. April wohl nicht ausgehen, dafür werden sich voraussichtlich vor allem rund um Ostern viele Menschen gleichzeitig durch die Laufwege drängen.

Mehr Kontrolle von Minderjährigen

Der ewig gültige Tipp der Polizei: „Nehmen Sie an Bargeld, Debit- oder Kreditkarten nur das Notwendigste mit. Tragen Sie diese verteilt am Körper, möglichst in Gürteltaschen, Geldgürteln oder Brustbeuteln.“ Von der Aufbewahrung von Wertsachen im Auto rät die Polizei ebenfalls ab. Jeder Aufbruch, bei dem der Täter fündig wurde, wecke schließlich die Hoffnung, beim nächsten Mal wieder etwas zu erlangen.

Bei Taschen solle man die Seite mit dem Verschluss zum Körper hin tragen. Da Taschendiebe oft in Gruppen arbeiteten und häufig nach dem Motto „Einer rempelt an, ein anderer greift währenddessen zu“ empfiehlt es sich, im Gedränge äußerst aufmerksam zu reagieren, wenn einem eine fremde Person zu nahe kommt, und zu kontrollieren, ob Wertsachen, Smartphone und Geld noch da sind.

Apropos Kontrollen: Die gelten auch in diesem Jahr wieder verstärkt der Einhaltung des Kinder- und Jugendschutzgesetzes. Bier und Wein gibt 's für alle unter 16 nur dann, wenn eine erziehungsberechtigte Person dabei ist. Schnaps – und der zählt auch, wenn er mit Limo versetzt ist und sich das Ganze Alcopop nennt – darf grundsätzlich gar nicht an Jugendliche ausgeschenkt werden. In Fällen von Missachtung behält sich die Polizei vor, nicht nur die Eltern, sondern bei gravierenden Fällen auch das Amt für Soziale Dienste und die Führerscheinstelle zu informieren.

Übrigens: Die Frage, ob die Osterwiese auch am Karfreitag öffnen sollte, bewegt die Bremerinnen und Bremer. Seit Donnerstag vergangener Woche ist eine Petition online, die sich für die Aufhebung der Vergnügungsverbote an kirchlichen Feiertagen stark macht (wir berichteten). Bis zum Montag hatten sie 215 Mitzeichner unterstützt. Die Zeichnungsfrist endet am Donnerstag, 26. April.

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