50 Jahre Anwerbeabkommen mit der Türkei Böhrnsen: "Einwanderung hat uns gut getan"

Bremen. Ein gemeinsames Fest sollte es werden, Deutsche und Türken zusammen. Doch nur wenige Deutsche sind am Samstag auf den Bremer Marktplatz gekommen, um den 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei zu feiern.
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Von Arno Schupp

Bremen. Ein gemeinsames Fest sollte es werden, Deutsche und Türken zusammen. Doch nur wenige Deutsche waren am Samstag auf den Bremer Marktplatz gekommen, um den 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens mit der Türkei zu feiern.

"Enttäuschend", sagt Yasemin Karakasoglu, Professorin für Interkulturelle Bildung an der Universität Bremen. "Ich hätte mir schon mehr Interesse der deutschen Bevölkerung gewünscht." Zumal das Abkommen den Anfang einer für Deutschland gravierenden Veränderung markiert: Den Beginn der Einwanderung aus der Türkei - eines Prozesses, bei dem viele Fehler gemacht worden sind.

Viel zu lange sei über die Frage diskutiert worden, ob Deutschland ein Einwanderungsland sei oder nicht. "Die Zeit hätten wir besser nutzen können, um unser gemeinsames Zusammenleben zu gestalten", sagte Bürgermeister Jens Böhrnsen gestern Abend im Rathaus bei der zentralen Festveranstaltung. Deutschland sei ein Einwanderungsland, es sei bunt und vielfältig: "Die Zuwanderung von Menschen aus der Türkei hat uns gut getan." Allerdings müsse mehr für dieses Miteinander, für die Integration der türkischstämmigen Bevölkerung getan werden.

Weit vorangekommen ist dieser Prozess offenbar dort, wo die Zuwanderung vor 50 Jahren als erstes sichtbar wurde: in den Betrieben. "Das Handwerk macht keinen Unterschied zwischen Kulturen oder Nationalitäten", sagte Günther Engelke, Vorstand der Handwerkskammer Bremen. "Wo Hand in Hand gearbeitet wird, wachsen Verständnis, Wertschätzung und gesellschaftlicher Zusammenhalt."

Die Integration von Beschäftigten mit Migrationshintergrund ist in den Betrieben kein Problem, meint auch Ibrahim Akbal, Betriebsrat im Bremer Mercedes-Benz-Werk. "In den Gewerkschaften haben wir Huntertausende Mitglieder mit türkischen Wurzeln. Dort gibt es schon seit den 70er-Jahren keinen Unterschied mehr zwischen Deutschen und Türken", sagte Akbal. "Und in immer mehr Betrieben übernehmen Migranten Führungspositionen, so auch im Bremer Mercedes-Werk." Allerdings seien es hauptsächlich Positionen in der unteren Führungsebene. "Wir würden uns wünschen, das Migranten es auch in höhere Führungspositionen schaffen."

In der Gesellschaft dagegen müsse sich noch viel mehr widerspiegeln, dass die türkischstämmige Bevölkerung dazugehört, dass sie gleichberechtigt ist, sagte Halime Cengiz vom Bremer Rat für Integration. "Menschen mit Migrationshintergrund haben noch nicht die gleichen Chancen wie Deutsche", erklärte sie. Das zu ändern sei auch Aufgabe der Politik. Zwar schmücken sich diverse Parteien mit dem dem Thema Integration, "aber ich bin mir nicht sicher, ob sie tatsächlich auch etwas an der Situation ändern wollen". Noch immer würden Jugendliche mit ausländischen Nachnamen bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz benachteiligt, sagte auch Professorin Karakasoglu. Und noch immer würden Hausbesitzer "lieber einen deutschen Mieter nehmen". Versöhnlich Töne fand der türkische Generalkonsul Tuncar Özcuhadar gestern im Rathaus. Es gab und gibt Probleme beim Zusammenwachsen. "Aber es gibt doch auch deutlich mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede."

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