Altbürgermeister will Spender suchen und Projekte umsetzen / Küche für das Freizeithaus

Böhrnsen lenkt Friedehorst-Förderverein

Lesum. Bevor er als neuer Vereinsvorsitzender sein Konzept vorstellen kann, muss Jens Böhrnsen erst einmal eine Runde Karten spielen. Mit denjenigen, für die er sich jetzt als Bürgermeister im Ruhestand engagiert.
20.04.2016, 00:00
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Von Klaus Grunewald
Böhrnsen lenkt Friedehorst-Förderverein

Kartenspiel am Küchentisch: Jens Böhrnsen lässt es bei der Vorstellung seiner Ziele locker angehen.

Christian Kosak

Bevor er als neuer Vereinsvorsitzender sein Konzept vorstellen kann, muss Jens Böhrnsen erst einmal eine Runde Karten spielen. Mit denjenigen, für die er sich jetzt als Bürgermeister im Ruhestand engagiert. Böhrnsen, von 2005 bis 2015 siebter Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen, steht seit einigen Monaten an der Spitze des Friedehorst-Fördervereins für Menschen mit Behinderungen, kurz „Frie“ genannt.

Rund 300 Menschen mit Behinderungen werden in der karitativen Einrichtung an der Rotdornallee betreut und gefördert. 200 sind auf dem weitläufigen Areal zu Hause, 100 werden täglich aus Wohngruppen im gesamten Stadtgebiet abgeholt und nach Friedehorst gebracht. Eine zentrale Anlaufstelle für alle – auch für den Förderverein – ist das Freizeithaus.

Die Pressekonferenz mit Böhrnsen findet in einem Raum statt, in dem er sein erstes Projekt verwirklichen möchte. Das Freizeithaus hat noch keine Küche, ein Mangel, wie Vanessa Giesenberg und Paul Döring unterstreichen, die das Freizeithaus regelmäßig aufsuchen. Beide erzählen mit Begeisterung von den Koch-Veranstaltungen mit Heinz Holtgrefe, langjähriger Autor der Kolumne „Pott und Pann“ in dieser Zeitung. Die Kochkurse haben einen wichtigen Nebeneffekt. „Sie haben stets ordentlich Spendengelder in die Kasse gebracht“, berichtet der 2. Vorsitzende Alfred Garbade an diesem Nachmittag.

Ein Stichwort für den ehemaligen Bürgermeister. „Natürlich suchen wir Spenden und Spender, denn die vielfältigen Aktivitäten des Fördervereins sind nicht umsonst zu haben“, unterstreicht Böhrnsen und fügt an: „Vieles muss ohne staatliche Hilfe auf die Beine gestellt werden.“ Böhrnsen will jetzt verstärkt mithelfen, Gelder einzuwerben und neue, hilfsbereite Förderer zu finden.

Der langjährige Regierungschef aus Lesumbrok ist für den 2003 gegründeten und rund 40 Mitglieder zählenden Verein ein Hoffnungsträger. Daraus macht Alfred Garbade kein Geheimnis. Böhrnsen sei als ehemaliger Präsident des Senats und Kultursenator weit und gut vernetzt, sagt der stellvertretende Vorsitzende.

Im November vergangenen Jahres hatte Böhrnsen das Amt von Hans-Harald Meyer-Piening übernommen, der es aus beruflichen und zeitlichen Gründen abgab. Böhrnsen will „Frie“ nun mithilfe seiner Vorstandskollegen Garbarde, Wolfgang Welke (Schatzmeister), Angelika Kordaß (Schriftführerin) und Barbara Lohse-Meyer (Beisitzerin) neu aufstellen und insbesondere Mitglieder werben, die Interesse an sozialen Projekten haben. Und die sich dafür einsetzen, dass Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe von behinderten Menschen nicht graue Theorie bleiben.

Der Lesum-Park ist nur einen Steinwurf vom Freizeithaus entfernt. Einst als Gewerbe- und Dienstleistungs-Quartier geplant, wird er jetzt zu einem Gutteil als neues Wohnviertel verwirklicht. Die Möglichkeit, Menschen mit Behinderungen am Leben in der Gemeinschaft teilhaben zu lassen, liege vor der Haustür, sagt Böhrnsen. Und wörtlich: „Wir wollen die Öffnung fördern und uns nicht auf die Suche nach geschützten Nischen beschränken.“

Der Förderverein hat seit 2003 geholfen, zahlreiche Projekte auf den Weg zu bringen, die den behinderten Menschen mehr Lebensqualität bescheren. Garbade nennt einige Beispiele: die Rollstuhlschaukel im Park, die Beschallung mit Wal- und Delfinlauten beim Schwimmen im Neurologischen Rehabilitationszentrum, die Tier-und Musiktherapie und die Möglichkeit, Live-Übertragungen von Fußballspielen im Freizi zu verfolgen.

Eine Herzensangelegenheit für „Frie“ ist es nach den Worten des Altbürgermeisters, die Angebote im Friedehorster Freizeittreff zu sichern und zu erweitern. Zusammen mit denjenigen, die es nutzen. Und die nicht auf Mauern oder Grenzen, sondern auf einen offenen Stadtteil schauen, zu dem sie gehören. Friedehorst, so Böhrnsen, sei ein wichtiger Akteur im Bremer Norden, dessen Bedeutung auch als Arbeitgeber manchmal unterschätzt werde. Mit rund 1400 Beschäftigten ist die Einrichtung der größte Arbeitgeber im Norden der Hansestadt. Und seine Bewohner profitieren von guten Kontakten zu vielen bremischen Institutionen. Wie zum Beispiel zum Grambker Schulzentrum an der Alwin-Lonke-Straße, erzählt Freizi-Leiterin Ute Osterloh.

Jetzt aber konzentriert sich der Förderverein auf das, was sein neuer Vorsitzender plane, wie Friedehorst-Pressesprecherin Gabriele Nottelmann es formuliert. Auf eine Küche, die den Bedürfnissen seiner Besucher und Nutzer angepasst sei.

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