Fachleute diskutierten im Haus der Wissenschaft über den Bachelor-Abschluss 'Bologna darf kein Make-up bleiben'

Altstadt. Die Auswirkungen der Bologna-Reform werden schlecht kommuniziert, und das schafft Unsicherheiten. Dass die Ziele der Reform besser vermittelt werden müssen, war am Freitag der Kern einer Podiumsdiskussion im Haus der Wissenschaft. Die Veranstaltung wurde organisiert von Politikmanagementstudenten der Hochschule Bremen und moderiert von Jan-Martin Wiarda, Hochschulredakteur der Wochenzeitung 'Die Zeit' .
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Von Maja Hoock

Altstadt. Die Auswirkungen der Bologna-Reform werden schlecht kommuniziert, und das schafft Unsicherheiten. Dass die Ziele der Reform besser vermittelt werden müssen, war am Freitag der Kern einer Podiumsdiskussion im Haus der Wissenschaft. Die Veranstaltung wurde organisiert von Politikmanagementstudenten der Hochschule Bremen und moderiert von Jan-Martin Wiarda, Hochschulredakteur der Wochenzeitung 'Die Zeit' .

'Der Bachelor - zeitgemäße Berufsqualifikation oder Schmalspurstudium?" Das war der Titel der Debatte, die zeigte: Auch elf Jahre nach Unterzeichnung des Bologna-Vertrages sind sich längst nicht alle über die Qualität der neuen Abschlüsse einig. An den Bremer Hochschulen haben 2006 die ersten Studierenden ihren Abschluss im neuen System gemacht. Sieben Referenten zogen jetzt im Haus der Wissenschaft Bilanz.

Fachhochschuldozent Volker Gehmlich aus Osnabrück eröffnete die Debatte. Er sprach in seiner Funktion als einer von 19 Bologna-Experten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD). Die wichtigsten Punkte der Reform aus seiner Sicht: 1999 wurde in Bologna festgelegt, dass das Studium an europäischen Universitäten und Fachhochschulen vergleichbar werden soll. Bis 2010 sollte im 'europäischen Hochschulraum' ein zweizyklisches System eingeführt werden, in dem die Studierenden erst den Bachelor- und anschließend eventuell den erweiternden Master-Abschluss erhalten.

Schulähnliche Stundenpläne

Weitere Kernpunkte der Reform sind die Einführung eines einheitlichen Punktesystems und die Verkürzung der Regelstudienzeit sowie schulähnliche Stundenpläne. Volker Gehmlich warnte vor Missverständnissen, die dazu führten, dass die Reform 'reines Make-up' bleibe, das nur an der Oberfläche hafte.

Nach diesem Plädoyer für mehr Information sprachen Studenten, Dozenten und Zuhörer mit den Referenten über ihre Erfahrungen mit 'Bologna'. Der ehemalige Geschäftsführer von Masterfoods Deutschland, Rainer Camphausen, und das IHK- Bremen Geschäftsführungsmitglied Karlheinz Heidemeyer vertraten die Seite der Unternehmer und Arbeitgeber.

Karlheinz Heidemeyer gab zu bedenken, dass die Umsetzung der Reform ein langwieriger Prozess sei, bei dem sich Unternehmen schwer täten: 'Auch die Personalabteilungen müssen sich erst an die Neuerungen gewöhnen.'

Rainer Camphausen kritisierte, dass diese Neuerungen kaum bekannt seien. Wenn ein Bewerber so schlecht kommunizieren könne, wie die Inhalte der Reform an Unternehmen und Studierende kommuniziert würden, hätte er keine Chance auf dem Arbeitsmarkt, gab der Manager zu bedenken.

Die Sichtweise der Studierenden wurde von Stephanie Dehne und Dirk Schacher repräsentiert. Beide sind Bachelor-Studenten der ersten Generation, die ihr Studium an der Universität beziehungsweise der Hochschule absolviert haben. Beide beklagen, dass sie unter starkem Druck standen, schnell den Abschluss zu machen. Einige Studentinnen und Studenten aus dem Publikum äußerten ihre Sorge, dass das Studium zunehmend unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten verlaufe und an den Hochschulen zu wenig Wert gelegt werde auf Persönlichkeitsbildung oder fachübergreifendes Wissen.

Auch Beatrice Dernbach setzt sich neben ihrer Lehrtätigkeit an der Hochschule Bremen als DAAD-Bologna-Expertin dafür ein, dass über die Reform besser informiert wird und Bologna eben kein Make-up bleibt. 'Dafür muss vor allem in die Ausbildung der Ausbilder investiert werden", gab sie zu bedenken. Denn wenn die Lehrenden nicht vermitteln könnten, worum es in der Reform eigentlich gehe, hätten auch die Studierenden und die Unternehmen keine wirkliche Vorstellung davon.

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