B75 und Bahnstrecke wieder frei

Bombe in Überseestadt erfolgreich entschärft

Die in der Überseestadt gefundene Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg ist entschärft worden. Die Sperrungen der B75 und der Bahnstrecke nach Oldenburg sowie die Evakuierungsmaßnahmen wurden aufgehoben.
10.01.2018, 10:46
Lesedauer: 3 Min
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Von Nina Willborn
Bombe in Überseestadt erfolgreich entschärft

Um 14.30 Uhr stieg über der Überseestadt eine grüne Signalrakete in die Luft. Das Zeichen dafür, dass Sprengmeister Thomas Richter und seine Kollegen ihren Job erfolgreich erledigt hatten. Sie hatten eine englische Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, zehn Zentner schwer, entschärft. Der Blindgänger war am späten Dienstagnachmittag bei Bauarbeiten auf dem Gebiet am Löwenhof gefunden worden.

Die Spezialisten rückten noch am Abend an, entschieden aber, dass er nicht sofort, sondern innerhalb von 24 Stunden unschädlich gemacht werden müsse. Zuletzt hatte Ende September auf demselben Gelände eine Bombenentschärfung für Verkehrschaos in und um Bremen gesorgt. Einschränkungen für die Bremer gab es am Mittwochmittag auch: Ab dem Brill ging nichts mehr in Richtung Überseestadt, die Bahnlinien 2, 3 und 10 und Busse wurden umgeleitet.

Auch die Stephanibrücke, Teile der B 75 und die Bahnstrecke nach Oldenburg lagen im Evakuierungsbereich (400-Meter-Radius um den Fundort), waren also gesperrt. Im Umkreis von 700 Metern um den Löwenhof forderte die Polizei die Menschen zu „luftschutzmäßigem Verhalten“ auf. BSAG-Sprecher Andreas Holling: „Unsere Ost-West-Achse war rund eine Stunde lang dicht. Aber bis zum Feierabendverkehr lief alles wieder im gewohnten Takt.“

"Die Bremer kennen das ja auch mittlerweile schon"

Auch der Luftraum musste aus Sicherheitsgründen frei bleiben – das betraf allerdings nur zwei Flüge, einer nach Frankfurt und einer aus Riga, die erst verspätet abheben beziehungsweise landen konnten. Neben den Menschen, die rund um den Löwenhof wohnen oder arbeiten, wurde auch ein Hotel evakuiert. Gefreut haben dürften sich die rund 2000 Schüler des Technischen Bildungszentrums Mitte: Sie hatten ab 12.30 Uhr „bombenfrei“.

Stau auf der Stephanibrücke auf der Neustädter Seite. Sie war wegen der Bombenentschärfung gesperrt worden.

Stau auf der Stephanibrücke auf der Neustädter Seite. Sie war wegen der Bombenentschärfung gesperrt worden.

Foto: Daniel Chatard

„Es hat alles super funktioniert“, sagte Sprengmeister Richter, „die Bevölkerung hat klasse mitgespielt. Wir konnten superpünktlich anfangen, weil auch die Kollegen an den Absperrungen super Arbeit geleistet haben. Aber die Bremer kennen das ja auch mittlerweile schon. Es ist übrigens toll, wie viel Anerkennung wir von den Bürgern für unsere Arbeit bekommen.“ Insgesamt 15 Polizisten waren im Einsatz. Sie erklärten Autofahrern geduldig den Grund für deren Umwege und begleiteten unter anderem zwei Anwohner in den Aufenthaltsraum in der Berufsschule Ellmersstraße in Walle.

Auch wenn die Entschärfung anders als bei dem Blindgänger im September ziemlich schnell ging – ungefährlich war auch sie nicht. Richter: „Die Besonderheit bei englischen Bomben ist, dass sie nicht sprengfähige Zünder haben. Dahinter sitzt ein sogenannter Detonator, der Sprengstoff enthält.“ Die Spezial-Beamten entfernten erst den Zünder, dann – mit allergrößter Vorsicht – die sehr sensible Kapsel, die noch vor Ort gesprengt wurde.

Blindgänger kommen durch Neubau-Projekte zum Vorschein

Die eigentliche Bombe mit immer noch rund 240 Kilo Sprengstoff wird übrigens nicht einfach irgendwo in einem bevölkerungsarmen Gebiet zur Detonation gebracht. Zwei von Richters Kollegen begleiteten sie im Spezial-Transport zu einem Unternehmen nach Munster in Niedersachsen. Richter: „Dort wird sie zwischengelagert, irgendwann zersägt und der Sprengstoff entnommen. Dann wird alles fachgerecht und umweltschonend entsorgt.“

Warum Richter und seine Kollegen besonders oft zu Einsätzen ins Stephani-Viertel und die Überseestadt gerufen werden, ist einfach erklärt: Die Gegend wurde im Zweiten Weltkrieg stark bombardiert, viele Blindgänger liegen noch im Untergrund. Durch die Neubau-Projekte in der Überseestadt kommen sie bei Erdarbeiten zum Vorschein. Richter: „Die Stephanibrücke war auch damals eine der Hauptverkehrsadern über die Weser. Um Nachschubtransporte zu verhindern, haben die Alliierten versucht, die Brücke zu zerstören.“

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