Zehn Einrichtungen werden vorübergehend geschlossen Bombensuche: Kindergärten machen dicht

Bremen. Stecken Bomben im Boden und müssen sie eilig entschärft werden? Eine Frage, die in Bremen jetzt zehn Kinder- und Familienzentren betrifft. Nach der Auswertung von Luftaufnahmen gibt es Anhaltspunkte, dass dort Blindgänger schlummern könnten.
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Bombensuche: Kindergärten machen dicht
Von Jürgen Hinrichs

Bremen. Stecken Bomben im Boden und müssen sie eilig entschärft werden? Eine Frage, die in Bremen jetzt zehn Kinder- und Familienzentren betrifft. Nach der Auswertung von Luftaufnahmen gibt es Anhaltspunkte, dass dort Blindgänger schlummern könnten. Von der kommenden Woche an wird deshalb an den verschiedenen KiTa-Standorten der Kampfmittelräumdienst anrücken. 'Rein präventiv', wie die Behörden versichern.

KiTa Bremen, der Dachverband aller städtischen Kinder- und Familienzentren, hat in einem Schreiben die betroffenen Eltern informiert. Darin heißt es, dass in größerem Umfang als bisher angenommen Bombenblindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg im Boden verborgen liegen. 'Auch an unseren Standorten werden Blindgänger vermutet', schreibt die Geschäftsführung. Überprüft werde das nun durch Grabungen, mit denen eine Gefahr verbunden sei, 'der die Besucher und Kinder unserer Einrichtungen nicht ausgesetzt werden dürfen'. Die Konsequenz: 'Eine Schließung der betroffenen Einrichtungen an den Untersuchungstagen ist unvermeidlich.'

'Auf den Luftbildern wurden Unregelmäßigkeiten entdeckt', bestätigt Polizeisprecher Gundmar Köster. Einen direkten Anlass zur Sorge gebe es aber nicht, 'die Grabungen sind rein präventiv.' Auslöser waren nach Kösters Darstellung Bauarbeiten an einigen KiTa-Standorten - ein Anlass, einmal näher zu prüfen, was es mit den Auffälligkeiten auf den Fotos auf sich hat. 'Und dann wurde eben beschlossen, dies bei allen KiTas zu machen', erklärt der Sprecher. Nirgendwo gebe es bisher einen sicheren Hinweis, dass im Boden Bomben steckten, beruhigt er.

Eine Million Brandbomben auf Bremen

Bremen hat im Krieg Schätzungen zufolge rund eine Million Brandbomben und 100.000 Sprengbomben abbekommen. Die Hansestadt zählt damit zu den am stärksten bombardierten Städten Deutschlands - und ist entsprechend mit Blindgängern belastet. Allein im vergangenen Jahr machten die Entschärfer zehn Sprengbomben, 453 Granaten, zwei Panzerfäuste und 176 Brandbomben unschädlich. Zufallsfunde, die bei Erdarbeiten gemacht wurden. 'Wir können nur die Flächen absuchen, wo gebaut werden soll', heißt es beim Kampfmittelräumdienst. Bei 1200 Anfragen im Jahr stoße das Team längst an seinen Grenzen.

Es ist erst zwei Monate her, da wurden eiligst 2000 Bremerinnen und Bremer aus ihren Häusern geholt und in Sicherheit gebracht. Grund für die Evakuierung war ein Bombenfund im Stadtteil Hastedt. Die Experten befürchteten, dass es sich um einen Blindgänger mit Säurezünder handelte - eine Technik, die selbst für geübte Entschärfer schwer in den Griff zu bekommen ist. Anfang Juni gab es so einen Fall in Göttingen, der Fund schien schon gesichert, die Entschärfung stand kurz bevor, und dann ging die Bombe plötzlich doch hoch. Drei Sprengstoffexperten wurden getötet.

In Hastedt löste sich die Gefahr in Wohlgefallen auf, die Bombe war mit einem sogenannten Aufschlagzünder versehen und konnte problemlos entschärft werden.

Fehlende Ressourcen

Eine Situation, die es nach Einschätzung der Experten vom Kampfmittelräumdienst noch jahrzehntelang jeden Tag geben könnte. Im Krieg seien 173 Luftangriffe auf Bremen geflogen worden, aber nur 40 seinen dokumentiert. Genauere Anhaltspunkte, wo noch Bomben liegen könnten, geben neuere Auswertungen von Luftaufnahmen. Unmöglich allerdings, sagen die Behörden, jedem Verdachtsfall unverzüglich nachzugehen, dafür fehlten einfach die Ressourcen.

Mit der Bombensuche auf den Grundstücken der Kinder- und Familienzentren wird das erste Mal systematisch vorgegangen und nicht mehr nur wegen anstehender Bauarbeiten. Betroffen sind die Zentren Löwenzahn, Waller Park, Delmestraße, Fritz-Gansberg-Straße, Pastorenweg, Engadiner Straße, Saarburger Straße, Bispinger Straße, Kinderhafen Tenever und Graubündener Straße. Die Einrichtungen werden aus Sicherheitsgründen mal zwei, mal drei und mal auch vier Tage geschlossen. Zum Teil fallen die Schließungen, die sich bis Mitte November hinziehen, in die Herbstferien. 'KiTa Bremen wird sich darüber hinaus bemühen, Notdienste anzubieten, sofern hierfür räumliche Voraussetzungen in der Nachbarschaft der geschlossenen Einrichtungen gegeben sind', teilen die Verantwortlichen den Eltern mit.

'An jedem der zehn Standorte gibt es je zwei Verdachtspunkte', sagt KiTa-Abteilungsleiter Cornelius Kopf. Gerüchten, dass den Erziehern vom Kampfmittelräumdienst empfohlen worden sei, mit den Kindern an bestimmten Stellen besser nicht mehr herumzutollen, weist Kopf als Unsinn zurück: 'Wäre es so, würden wir sofort räumen.'

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