Feuerwehreinsatz an Bremer Rembertistraße

Wie ein Bewohner den Hochhausbrand erlebt hat

Schreiende Menschen auf dem Balkon, Rauch im ganzen Gebäude und Rettung über die Drehleiter. Der Bewohner Amir Moini hat miterlebt, wie das brennende Hochhaus an der Rembertistraße evakuiert wurde.
15.09.2020, 21:00
Lesedauer: 5 Min
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Wie ein Bewohner den Hochhausbrand erlebt hat
Von Pascal Faltermann
Wie ein Bewohner den Hochhausbrand erlebt hat

Die Einsatzkräfte mussten bei dem Gebäudebrand an der Rembertistraße 54 Menschen zum Teil über Drehleitern retten.

Christian Butt

Scherben bedecken den Boden, Fenster sind zerstört, schwarzer Ruß haftet an der Hausfassade. In der Rembertistraße liegt auch acht Stunden nach einem Großbrand noch der beißende Geruch in der Luft. Gelegentlich bleiben am Dienstagvormittag Passanten stehen und schauen sich das betroffene achtgeschossige Wohn- und Geschäftsgebäude an.

Vereinzelt kommen Bewohner aus dem Gebäude mit der Hausnummer 76. Die Polizei hat den Eingang abgesperrt, rotes Flatterband ist über den Gehweg gespannt. Dazwischen läuft Amir Moini auf und ab. „Die Flure waren voller Qualm. Rauch, überall war Rauch“, erinnert er sich an die vergangene Nacht. Er habe Schreie und laute Rufe gehört.

Um 2.57 Uhr geht laut der Feuerwehr- und Rettungsleitstelle in Bremen der erste Notruf aus der Bahnhofsvorstadt ein. Anwohner melden verrauchte Flure und Treppenräume. Höchste Alarmstufe: Ein Großaufgebot rast zum Brandort. Dort erwartet die Einsatzkräfte der Feuerwehr und des Rettungsdienstes ein ausgedehnter Kellerbrand. Laut Andreas ­Desczka, Pressesprecher der Feuerwehr, ist der komplette Straßenzug zwischen dem Brandgebäude und dem gegenüberliegenden Remberti-Stift verraucht.

Dramatische Szenen

Auf den Balkonen stehen zahlreiche Menschen, die um Hilfe rufen. Insgesamt 54 Personen müssen aus dem Gebäude gerettet werden. Darunter befinden sich Kinder, die aus den Händen ihrer Eltern in die Arme der Brandschützer auf den Drehleitern genommen werden. Es spielen sich dramatische Szenen ab. Andere Hausbewohner bekommen einen sogenannten Fluchtretter – sogenannte Brandfluchthauben mit einem eingebauten Filtergerät – aufgesetzt, mit dem sie, von den Hilfskräften geschützt, durch das Treppenhaus ins Freie geführt werden.

Elf Menschen verletzen sich durch den Brand leicht. Sie haben Rauchgase eingeatmet und müssen in verschiedenen Bremer Krankenhäusern überwacht und behandelt werden. Weil er mehrere Vorerkrankungen hat, muss auch Amir Moini ins Krankenhaus. Weil es ihm aber gut geht, verlässt der Rentner, der seit zehn Jahren in dem Haus wohnt, die Klinik wieder. Mit dem Ausmaß des Brandes konfrontiert, ordnet die Einsatzleitung zur Unterstützung zusätzliche Fahrzeuge mit Drehleitern an. Im weiteren Verlauf muss zudem ein „Massenanfall von Verletzten“ ausgerufen werden. Das führt dazu, dass weitere Rettungskräfte sowie Notärzte zur Hilfe kommen. Um 7.44 Uhr meldet der Einsatzleiter „Feuer aus“.

Haus ist unbewohnbar

„Alle Bewohner mussten evakuiert werden“, sagt Moini, der bereits vor 3 Uhr Brandgeruch wahrgenommen hatte. „Die Einsatzkräfte waren alle sehr bemüht, sie haben alle gute Arbeit gemacht“, sagt der Rentner, der selbst ehrenamtlich tätig ist. Er wartet am Vormittag darauf, dass seine Wohnung wieder freigegeben wird. Doch das Haus ist unbewohnbar. „Weil es Rauchrückstände in allen Wohneinheiten gibt, die giftig sein können, kann dort niemand rein“, sagt Feuerwehrsprecher Desczka. Die Mitarbeiter einer speziellen Reinigungsfirma beginnen mit der Arbeit am Mittag.

Feuer Rembertistraße Bremen

Insgesamt wurden 54 Bewohner von den Feuerwehrleuten gerettet.

Foto: Christian Butt

Dann stellt sich heraus, ob gegebenenfalls auch Teile des Hochhauses saniert werden müssen. Die Fenster des Treppenhauses und der im Erdgeschoss liegenden Räume müssen ersetzt werden. Zudem sind alle Wohnungstüren durch die Einsatzkräfte aufgebrochen worden. Für die evakuierten Bewohner wurde ein großer Rettungsbus unter Beachtung der Coronavirus-Regeln einsatzbereit gemacht. Die Personen, die unverletzt geblieben sind, werden übergangsweise in der ÖVB-Arena untergebracht und betreut.

Kein Auge zugemacht

Durch laute Rufe in der Nacht ist auch ein 30-Jähriger aus dem fünften Stock wach geworden. Weil er den Brand gerochen habe, sei er irgendwann nervös geworden und habe Angst bekommen, erzählt er. Ähnlich erging es zwei Frauen aus dem benachbarten Gebäude: Sie seien aufgefordert worden, ihre Fenster zu schließen und in ihrer Wohnung zu bleiben. Sie haben den Rest der Nacht kein Auge mehr zugemacht, sagen sie. Im Dezember 2013 hatte es in dem Nachbarhaus gebrannt, damals gab es zwölf Verletzte.

Die Bilanz: Etwa 150 Einsatzkräfte mit 56 Fahrzeugen waren aktiv. Davon 90 Feuerwehrleute und 60 Personen aus dem Rettungsdienst. Hinzu kommen die Polizisten. Die Brandschützer nutzten 60 Atemschutzgeräte, um die Bewohner zu retten. Die Ursache, warum das Feuer ausgebrochen ist, ist bislang nicht geklärt. Auch die Schadenshöhe kann noch nicht beziffert werden. Wie die Feuerwehr bestätigt, haben die Brandschutztüren nicht funktioniert beziehungsweise reichten nicht aus, um die starke Rauchentwicklung aufzuhalten. „Irgendwas war da nicht richtig“, sagt Sprecher Desczka.

Mehrere weitere Einsätze

Der Brand im Hochhaus war allerdings nicht der einzige Einsatz der Feuerwehr zum Beginn der Woche. Bereits am Montagabend um kurz nach 18 Uhr brannte ein Gasgrill in Bremen-Habenhausen. Die Anwohner konnten das Feuer zwar eigenständig löschen, eine der Personen zog sich jedoch Verbrennungen zu, was den Einsatz des Rettungsdienstes notwendig machte. Kurz darauf löste ein Fehlalarm eines Rauchmelders an der Sophienstraße im Ostertor einen weiteren Feuerwehr-Einsatz aus.

Nur wenige Minuten später kamen die Rettungskräfte noch mal richtig zum Einsatz. Ein Dachstuhl an einem Doppelhaus an der Lerchenstraße in Aumund-Hammersbeck hatte sich offenbar bei Dachdeckerarbeiten entzündet. Das Feuer wurde durch drei Trupps unter Atemschutz im Innen- und Außenangriff bekämpft, wozu auch Teile des Daches abgedeckt wurden. Die Maßnahmen griffen schnell, sodass der Einsatzleiter bereits um 18.56 Uhr „Feuer in der Gewalt“ und um 19.22 Uhr „Feuer aus“ vermeldet werden konnte. Die beiden Dachdecker blieben unverletzt. Die Polizei hat Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

Zeitgleich löste eine Brandmeldeanlage eine Fehlmeldung in Bremen-Grohn aus. Auch in der Bahnhofsvorstadt mussten die eintreffenden Einsatzkräfte nicht tätig werden. Auch hier hatte eine Brandmeldeanlage ausgelöst. Eine weitere ausgelöste Brandmeldeanlage in einem Altenpflegeheim in Bremen-Weidedamm erwies sich ebenfalls als Fehlalarm.

Um 19.15 Uhr gab es dann eine unklare Rauchentwicklung an der Landrat-Christians-Straße in Bremen-Blumenthal. Hierbei handelte es sich um einen stark rauchenden Grill in einem Garten.

Um 19.35 Uhr folgte ein weiterer Einsatz in Bremen-Blumenthal, wie die Feuerwehr mitteilte. Anwohner aus der Wierenstraße hatten in einem Mehrfamilienhaus Gasgeruch wahrgenommen und den Notruf abgesetzt. Unter Zuhilfenahme umfangreicher Messtechnik konnte allerdings keine Gasausströmung bestätigt werden.

Die Ereignisse am Montagabend führten zeitweise dazu, dass alle sechs Wachen der Berufsfeuerwehr zur selben Zeit im Einsatz waren, weshalb die Freiwillige Feuerwehr Bremen-Neustadt alarmiert wurde, um die Feuerwache 1 zu besetzten und für weitere Einsatzereignisse zur Verfügung zu stehen.

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