Nach einem Brand auf einem Firmengelände in Hemelingen ermitteln Staatsanwaltschaft und Polizei wegen Brandstiftung.
Brandgeruch liegt in der Luft. Einige verkohlte Wagen stehen noch auf dem Firmengelände. Nach dem Großfeuer am Sonntag gegen 3.30 Uhr früh in der Straße „Zum Allerhafen“ in Hemelingen untersuchen am Montagnachmittag immer noch die Brandermittler der Kriminalpolizei den Tatort. Es seien Spuren entdeckt worden, die auf Brandstiftung schließen ließen, teilten Staatsanwaltschaft und Polizei mit. Bei dem möglichen Brandanschlag auf Bundeswehr-Fahrzeuge sei ein Schaden in Höhe von 15 Millionen Euro entstanden. Ein politischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen.
Zur Aufklärung der Tat wurde auch die Staatsschutzabteilung der Polizei eingebunden, die für Straftaten mit politischem Hintergrund zuständig ist (wir berichteten). „Es wird derzeit in alle Richtungen ermittelt", sagte Oberstaatsanwalt Frank Passade auf Nachfrage. „Wir sind erst ganz am Anfang der Arbeit und müssen sehr sorgfältig und mit viel Akribie vorgehen", so Passade. Aus ermittlungstaktischen Gründen könne er keine weiteren Angaben machen. Ein Bekennerschreiben ist bislang nicht aufgetaucht.
Polizei sucht Zeugen
Bei dem Feuer brannten insgesamt 18 Bundeswehr-Laster aus, darunter Sanitätsfahrzeuge, Geländewagen und Lastwagen. Außerdem wurden zwei Anhänger und ein privater Lieferwagen zerstört. Die Fahrzeuge standen auf dem komplett umzäunten Parkplatz eines Systemtechnikunternehmens im Hemelinger Hafen, wo sie mit speziellen Bauteilen nachgerüstet werden sollten. Vor Ort ist zu sehen, dass auf der gegenüberliegenden Seite das Firmengelände nur mit einem Bauzaun gesichert ist, in dem mehrere Löcher sind – vermutlich reingeschnitten. Das sei der Kriminalpolizei bekannt, heißt es. Weder die Bundeswehr noch die betroffene Firma wollte sich auf Nachfrage zu dem Brand äußern. Zeugen, die etwas Verdächtiges beobachtet haben, sollen sich weiterhin beim Kriminaldauerdienst unter der Telefonnummer 0421-362 38 88 melden.
Es ist nicht das erste Mal, dass es Fälle mit politischen Hintergrund in Bremen gegeben hat. Mitte Januar 2016 wurde das Landesbüro der Gewerkschaft der Polizei attackiert. Eine autonome Gruppe bekannte sich zu dem Angriff, bei dem Fensterscheiben zu Bruch gingen und Farbe verteilt wurde. Im Juli 2015 veröffentlichte eine linksautonome Gruppe ein Bekennerschreiben zu einem Angriff auf das Dienstgebäude von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Anfang 2015 brannte ein Bundeswehr-Auto an der Hemmstraße in Findorff, es wurde komplett zerstört. Ende November 2015 nahmen sich Unbekannte ein haushohes Transparent der Bundeswehr in der Innenstadt vor. Sie übergossen das Plakat der “Mach was zählt”-Kampagne der Bundeswehr mit rosa Farbe. Als vor fast einem Jahr ein Feuer sechs Polizeifahrzeuge in Schwachhausen zerstörte, handelte sich hingegen nicht um einen politisch motivierten Anschlag.