Folgen des Lagerhallen-Brandes

Seehauserin fühlt sich von Versicherung abgespeist

Wie gefährlich war der Großbrand an der Louis-Krages-Straße am 28. April? Nachdem im Juni Gröpelinger die Informationspolitik der Stadt kritisiert hatten, sind nun auch aus Seehausen Beschwerden zu hören.
24.08.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Seehauserin fühlt sich von Versicherung abgespeist
Von Anne Gerling
Seehauserin fühlt sich von Versicherung abgespeist

Bei dem Großbrand am Industriehafen stand am 28. April die schwarze Rauchwolke auch über Seehausen am anderen Weser-Ufer.

Christina Kuhaupt

Vier Monate nach dem Lagerhallen-Großbrand am Industriehafen sind auf der anderen Seite der Weser Anwohner und Unternehmen weiterhin damit beschäftigt, die ihnen entstandenen Schäden zu regulieren. „Nicht nur mit dem Informationsfluss die ersten Wochen wurden wir allein gelassen. Nun wird auch noch versucht, dass wir Anwohner es im Sande verlaufen lassen“, sagt Bianca Vorndamme, an deren Auto am 28. April durch herabfallende heiße Teile Lackschäden entstanden sind. „Geht das über meine Kfz-Versicherung, so muss ich den Eigenanteil tragen und werde höher gestuft.“ Mehrfach hat die Seehauserin deshalb versucht, die Versicherung der Hallen-Eigentümer zu kontaktieren – ihre E-Mails blieben allerdings unbeantwortet. Nur dies teilte ihr ein Anwalt im Auftrag der Versicherung mit: Mit der Reinigung ihres Grundstücks durch ein Spezialunternehmen seien ihre Ansprüche abgegolten.

Das will Vorndamme nicht so stehen lassen – schon deshalb nicht, da sie trotz der Rauchwolke über Seehausen nicht gewarnt worden sei: „Bei uns ist keiner durchgefahren und hat Ansagen gemacht und es gab auch keine Flugblätter, die verteilt wurden.“

Sie selbst habe nach dem Brand ihren Garten inklusive Pool und Kinderspielgeräten gereinigt, „da meine erste Auskunft am Brandtag von Wache 1 der Feuerwehr war: Unbedenklich, können Sie so entsorgen. Es gab nur den Hinweis, bitte darauf zu achten, dass wir es nicht durch Nahrung in unseren Körper bekommen und dass nichts von Tieren gefressen wird“.

Als später unter anderem der WESER-KURIER berichtete, es sei auch asbesthaltiges Material verbrannt, wandte Vorndamme sich an die von der Versicherung eingerichtete Telefon-Hotline: In ihrem Garten wurde Asbest gefunden, es folgte der Besuch eines auf die Sanierung von Brand- und Wasserschäden spezialisierten Unternehmens. Diesen etwa fünfminütigen Einsatz von fünf Mitarbeitern, auf den die Versicherung nun verweise, empfand Vorndamme als wenig hilfreich: „Dabei trampelten sie über eine Picknickdecke, auf der ein Baby lag, und durch meine Beete. Mit ihren kontaminierten Handschuhen fassten sie den von mir frisch gereinigten Pool an und waren dann mit vielleicht fünf Stückchen Brandrückständen wieder weg.“

Die Seehauserin hofft noch immer, dass die Versicherung endlich in Bewegung kommt. Sie weiß von weiteren Fällen und von Betrieben, die Anwälte eingeschaltet haben.

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