Feuer in Gröpelingen

Brand stoppt Zebustall-Umbau

Der Ausbau des Zebustalls auf dem Gröpelinger Streichelzoo-Gelände sollte ein wichtiges Signal für das Quartier sein. Nun ist das Gebäude abgebrannt – ein Rückschlag für die Menschen vor Ort.
11.01.2018, 05:15
Lesedauer: 3 Min
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Von Anne Gerling
Brand stoppt Zebustall-Umbau

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Roland Scheitz

Gröpelingen. Wie konnte das bloß passieren? Das fragen sich die Kinder und Jugendlichen in den Wohnblöcken rund um die Stuhmer Straße, nachdem in einer der ersten Januarnächte der frühere Zebustall auf dem Gelände des ehemaligen Streichelzoos „Wilder Westen“ abgebrannt ist. Einige Kinder sind geschockt. Regelmäßig spielen sie auf dem Gelände; nun haben manche in der Brandnacht Videos von den Flammen gemacht.

Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen. Tiere waren schon seit fast zwei Jahren nicht mehr in dem Gebäude untergebracht. Denn der Streichelzoo ist 2016 geschlossen worden. Doch es gab neue Pläne für das vor zehn Jahren errichtete Stallgebäude: Der alte Zebustall sollte im Zuge der „Campus Ohlenhof“-Entwicklung zu einer Spielscheune für das Spielhaus umfunktioniert werden. Das ist ein Projekt der Initiative zur sozialen Rehabilitation in Kooperation mit dem Sozialzentrum Gröpelingen beim Amt für soziale Dienste. Direkt neben der zukünftigen Spielscheune war außerdem ein Neubau für das Spielhaus geplant. Das Ganze sollte das allererste Projekt sein, das auf dem geplanten „Campus Ohlenhof“ entsteht; die Vorbereitungen liefen.

„Im November und Dezember ist der Stall komplett entrümpelt worden und es gab eine Grundreinigung. Die Waller Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft hatte schon den Auftrag für den Innenausbau“, erzählt Claudia Toensing, Leiterin des Spiel- und Gemeinschaftshauses Wilder Westen, wie die Einrichtung mittlerweile offiziell heißt. „Im ersten Schritt war nun der Ausbau der Spielscheune geplant – auch, um ein Signal zu setzen: Es geht los!“

Auch wenn das Gelände aktuell nicht sehr einladend aussieht – das Spiel- und Gemeinschaftshaus Wilder Westen wird laut Toensing weiterhin gut genutzt. Regelmäßig kommen Kinder und Erwachsene, es gibt eine seit Jahren hoch aktive Frauengruppe und ein neueres Angebot für Mädchen von elf bis 16 Jahren, das sehr gut angenommen wird. Hier bietet die Einrichtung zum Beispiel gemeinsame Ausflüge an; über das Bildungsressort wird auch eine Hausaufgabenunterstützung finanziert. Im Herbst seien außerdem erlebnispädagogische Angebote auf dem Gelände gestartet, erzählt Claudia Toensing. Gerade dafür hätte die Einrichtung die Spielscheune nun gerne bald nutzen wollen: „Man hätte dort zum Beispiel eine Werkecke einrichten können. Und wir haben in Kooperation mit dem Gesundheitstreffpunkt West ein ‚Bewegungsernährungsmobil’ erhalten, das man dort indoormäßig hätte nutzen können.“

Viele der Kinder hatten schon davon gehört, dass der alte Stall demnächst neu ausgebaut werden sollte – ein gutes Signal für die Nachbarschaft und das Quartier, nachdem der Streichelzoo geschlossen und der Campus-Ohlenhof-Schulneubau verzögert wurde. Vor diesem Hintergrund ist der Brand ein doppelt herber Rückschlag für alle. Schätzungen zufolge beläuft sich der Schaden auf etwa 25 000 Euro. Noch sucht die Kriminalpolizei nach der Brandursache; der Bereich um die traurig wirkende Brandruine herum ist nun mit Flatterband umspannt worden.

Der hintere Bereich des Streichelzoo-Geländes war aber offiziell ohnehin schon gesperrt, seit der Streichelzoo vor knapp zwei Jahren dicht gemacht wurde. Dort befindet sich neben dem Zebustall auch das frühere Kaninchengehege „Bunnyland“. „Wir waren schon sehr interessiert daran, die Spielscheune zu nutzen und hoffen, dass das Gebäude in irgendeiner Form ersetzt wird. Denn es ist ein Raum, der uns nun verloren gegangen ist und den wir gerne konzeptionell in unsere Arbeit mit einbeziehen möchten“, sagt Claudia Toensing.

„Die ersten Maßnahmen sind gelaufen, das ist nun alles hinfällig“, sagt auch Erwin Böhm, Leiter des Sozialzentrums Walle /Gröpelingen beim Amt für Soziale Dienste. „Es wird nun darum gehen zu prüfen, ob es ein Totalschaden ist.“ Versichert sei das Gebäude jedenfalls; in diesem Zusammenhang stelle sich aber auch die Frage, ob das Gebäude – sofern es abgängig sei – möglicherweise auch an anderer Stelle wieder aufgebaut werden könne. Dies müsse geprüft werden, so Böhm: „Wir können dann anfangen zu überlegen, wenn wir das wissen“, sagt Erwin Böhm.

Bei Immobilien Bremen (IB), der Eigentümerin des Gebäudes, ist bislang weder zur Brandursache Näheres bekannt noch dazu, ob der ehemalige Stall womöglich wieder hergerichtet werden kann oder am Ende eben doch komplett neu aufgebaut werden muss.

Auch wenn die großen Umbaumaßnahmen noch nicht angelaufen waren – ärgerlich sei der Brandschaden allemal, findet Sozialzentrumsleiter Erwin Böhm. Denn in der Spielscheune hätte auch bei schlechter Witterung und in der kalten Jahreszeit im Trockenen gespielt oder gewerkelt werden können. „Das fällt jetzt erst mal weg. Deshalb ist es wichtig, schnell klar zu kriegen, was dort nun passieren kann.“ Insbesondere gelte es jetzt außerdem auch zu verhindern, dass die Ruine womöglich eine Zerstörungsspirale im Viertel in Gang setze.

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