20 Organisationen unterzeichnen Appell

Breites Bündnis will Rennbahn-Bebauung

Eine Allianz mitgliederstarker Bremer Verbände und Organisationen macht sich für eine teilweise Bebauung der Rennbahn in Hemelingen stark. Die Allianz reicht von den Gewerkschaften bis zu Unternehmerverbänden.
05.04.2019, 11:28
Lesedauer: 3 Min
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Breites Bündnis will Rennbahn-Bebauung
Von Jürgen Theiner
Breites Bündnis will Rennbahn-Bebauung

Die Zukunft des Rennbahngeländes in Bremen-Hemelingen ist ein politischer Streitfall ersten Ranges.

Christian Walter

Es ist die wohl breiteste Allianz, die sich in Bremen seit vielen Jahren für ein einzelnes politisches Projekt zusammengefunden hat: Rund 20 mitgliederstarke Organisationen setzen sich in einem gemeinsamen Aufruf dafür ein, dass die ehemalige Galopprennbahn in Hemelingen teilweise für den Wohnungsbau genutzt wird.

Das Spektrum der Unterstützer reicht vom Deutschen Gewerkschaftsbund und mehreren Einzelgewerkschaften über die Handels- und Handwerkskammern bis zum Mieterbund und dem Naturschutzbund Deutschland. Auch kirchliche Hilfswerke wie Caritas und Diakonie stellen sich hinter das Papier. Die darin enthaltene Aufforderung an die Wähler lautet: Stimmen Sie beim Volksentscheid über die Zukunft des Rennbahngeländes am 26. Mai mit Nein – also gegen die Forderung der Rennbahn-Bürgerinitiative (BI), das rund 30 Hektar große Areal nach dem Ende von Pferde- und Golfsport unangetastet zu lassen und es allein für Naherholung zu nutzen.

Bremen, die wachsende Stadt

Das Bündnis der großen Verbände setzt damit einen entschiedenen Kontrapunkt zur Stoßrichtung der Initiatoren des Volksentscheids, der auch von der CDU unterstützt wird. In dem am Freitag veröffentlichten Aufruf heißt es, das Rennbahngelände müsse „zu einem attraktiven Wohnquartier mit großzügigen Flächen für Grün, Sport und Naherholung werden“. Bremen sei eine wachsende Stadt. Es herrsche „großer Wohnraumbedarf, insbesondere für Familien, aber auch für Sing­les, Baugruppen, Mietgemeinschaften“. Es stehe daher „die Notwendigkeit, in zukunftsfähiger und angemessener Form geeignete Standorte für Wohnungsbau zu entwickeln“.

Das Rennbahngelände – diese Überzeugung eint die Unterzeichner – sei ein solcher Standort. Ökologisch sei das Areal bisher eher geringwertig, es biete „keinen bedeutenden Nutzen für Umwelt und Tiere“. Die vorliegenden Pläne für eine teilweise Bebauung beinhalteten auch eine ökologische Aufwertung der verbleibenden Freiflächen. Hart geht die Allianz mit den Initiatoren des Volksentscheids ins Gericht. Eine „Nulllösung“ für das Gelände sei „angesichts des Mehrbedarfes an zusätzlichem Wohnraum standortfeindlich, bei steigenden Mieten unsozial und unökologisch“.

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Koordiniert hat den Aufruf der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bremen. Vorsitzende Annette Düring freut sich „über die breite Unterstützung“ für die Erklärung. „Wir wollten keine politischen Akteure dabei haben, damit der überparteiliche Charakter der Allianz deutlich wird“, sagt die Gewerkschafterin. Der DGB habe sich aus arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gründen engagiert. Düring: „Der Fachkräftebedarf in der Bremer Wirtschaft nimmt zu, und wir möchten, dass die künftigen Kolleginnen und Kollegen hier in Bremen eine gute Wohnung finden und nicht auf das Umland angewiesen sind.“

Informationslücken bei vielen Bremern

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Bürgerinitiative sieht das „Bündnis zum Volksentscheid zur Rennbahn am 26. Mai“, so die vollständige Bezeichnung, bei vielen Bremern auch Informationslücken, was den formalen Ablauf der Abstimmung angeht. „Viele Leute denken, sie müssten beim Volksentscheid mit Ja stimmen, wenn die Rennbahn teilweise bebaut werden soll. Das Umgekehrte ist richtig“, so Düring. Denn Ja bedeute Zustimmung zum Ortsgesetzentwurf der Bürger­initiative, der vorsieht, das Areal von jeglicher Bebauung freizuhalten. Wer für eine Be­bauung ist, müsse also am 26. Mai mit Nein stimmen.

Bei der „Bürgerinitiative Rennbahngelände Bremen“ ist der Aufruf der Gegenseite am Freitag betont gelassen aufgenommen worden. Er habe durchaus damit gerechnet, dass sich etwas in dieser Richtung tun würde, sagt Sprecher Andreas Sponbiel. „Ist ja auch legitim“, fügt er hinzu. Die BI werde sich in ihrem Engagement gegen die Bebauung allerdings nicht beirren lassen.

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Den Vorwurf, ihre Haltung sei „standortfeindlich, unsozial und unökologisch“, lasse er nicht auf sich sitzen. „Ist es vielleicht sozial, der dicht besiedelten Vahr und Hemelingen mit seiner Belastung durch viel Gewerbe die einzige größere Grünfläche zu nehmen?“, fragt Sponbiel. Auch sei es „unsportlich“, dem Rennbahngelände in seinem jetzigen Zustand jeglichen ökologischen Wert abzusprechen. Auf dem Areal gebe es unter Schutz gestellte Bereiche, alte Bäume und sogar fünf Rote-Liste-Tiere.

Auch die CDU hat die überparteiliche Initiative aufmerksam registriert. Sie hatte sich bereits vor einigen Monaten an die Seite der Bürgerinitiative gestellt und angekündigt, den Volksentscheid zu unterstützen. Nach Ansicht des CDU-Kreisvorsitzenden Jens Eckhoff dokumentieren die Initiativen für und wider die Wohnungsbaupläne nur, „wie sehr der rot-grüne Senat eine ordentliche Lösung und echte Bürgerbeteiligung sowie Gesprächsangebote verschlafen hat“. Die fast 30 000 Unterschriften, die die Bürgerinitiative gegen die Bebauung der Rennbahn sammelte, „erfüllen das, was Rot-Grün schuldig geblieben ist: Bürgerbeteiligung“, so Eckhoff.

++ Diese Meldung wurde am 6. April um 21:10 aktualisiert. ++

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