Stars in der Hansestadt

Als Bremen die Rockmetropole Norddeutschlands war

In den Achtziger- und Neunzigerjahren war Bremen die Rockmetropole in Norddeutschland. Kein Star kam an der Stadthalle oder dem Weserstadion vorbei. Was bleibt sind oft nur die Eintrittskarten von damals.
29.11.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Bernd Meier

Es gibt viele, ganz unterschiedliche Dinge, die die Menschen gern sammeln. Früher sammelten sie Briefmarken oder Bierdeckel, Münzen oder Modellautos. Immer Saison hatten Fußballtrikots. Auch Eintrittskarten für Rock- und Popkonzerte waren einst beliebte Sammlerobjekte. Leider lohnt sich das schon lange nicht mehr, weil sie seit Jahren farb-, schmuck- und reizlos sind. Natürlich taugt ein 08/15-Computerticket immer noch dazu, das besondere Konzert, zu dem es Einlass gewährte, in Erinnerung zu rufen. Aber wer mag so etwas sammeln?

Dabei waren die Eintrittskarten einst kleine Kunstwerke, vor 30, 40 Jahren, als Bands wie Yes und Genesis, Police und Supertramp, Kiss und Queen und Earth, Wind & Fire, als Sänger wie Rod Stewart, Joe Cocker oder Chris de Burgh durch die Welt zogen und ihre Konzerte mit Lichtspektakeln garnierten, die uns Spätjugendliche sprachlos machten. Das, was die Zuschauer damals am ausgestreckten Arm in die Hallenluft streckten, waren keine Smartphone-Kameras, sondern Feuerzeuge und Wunderkerzen.

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Nicht alle Tickets waren Schmuckstücke. Es gab auch solche, die nicht größer waren als zwei Kinokarten und auch nicht besser aussahen. Einige aber sind sehr besonders, in der Gestaltung und auch in der Form. Zum Beispiel das Ticket zur Tournee der Rolling Stones 1982, die berühmte rausgestreckte Zunge, die 1970 zum Logo der Band geworden war; oder die Karte zu Pink Floyds „The Wall“, nachgebildet einer Mauer mit herausgebrochenen Steinen. Sehr hübsch auch die Tickets für Supertramp, mit der New Yorker Freiheitsstatue (LP-Cover: „Breakfast in America“) oder die Santana-Karten, stets mit dem Bandnamen in der ganz eigenen, geschwungenen Schrift, die viele Plattenhüllen zierte.

Perforierter Abschnitt

Es war nicht immer leicht, diese Schmuckstücke unversehrt mit nach Haus zu bringen. Wenn 10 000 Menschen oder mehr in eine Konzerthalle drängen, dann kann man von den Kontrolleuren am Eingang nicht erwarten, dass sie die Karten behandeln wie rohe Eier. Zum Glück hatten die meisten Karten einen perforierten Abschnitt, der den Kontrolleuren die Arbeit erleichterte. Man musste ihnen die Eintrittskarte nur richtig herum entgegenstrecken.

Die Achtziger-, die Neunzigerjahre, das war die Zeit der großen Rockkonzerte in Bremen. Wer einen berühmten Namen hatte und auf Tournee ging, kam an der Halle auf der Bürgerweide nicht vorbei. Es sei denn, die Show war so aufwendig und materialintensiv wie Pink Floyds „The Wall“, der 1981 für acht Abende in der Dortmunder Westfalenhalle aufgebaut wurde. Für alle anderen aber gab es zwischen Ems und Elbe, zwischen Nordsee und Weserbergland für die Bremer Stadthalle keine ernsthafte Konkurrenz. Auch nicht in Hamburg, das damals noch keine vergleichbar große Halle hatte und erst 2002 mit seiner „Color Line Arena“ (so hieß sie zunächst) mit Bremen gleich- und dann an Bremen vorbeizog.

Rock in der Stadthalle – das war nicht immer das reine Vergnügen. Unangenehm wurde es, wenn nur etwa 1000, 2000 Zuschauer erwartet wurden, und die Bands deshalb auf die Bühne von Halle 2 oder Halle 4 gestellt wurden, zwei schmucklosen Quadern, die für alles geeignet waren, nur nicht für Konzerte.

Im Mai 1980 spielte dort eine Band aus Hannover, die sich „The Scorpions“ nannte und die nicht so bekannt war, dass man die Tore der großen Halle für sie hätte öffnen müssen. Es wurde ein unangenehmer Abend, und im WESER-KURIER las sich das so: „Während der Mann an den Trommeln sanft vom Boden abhebt, stehen die beiden Gitarristen links und rechts auf den Lautsprechertürmen und knallen ihre Akkorde in Bremens Stadthalle IV, in der sie von der gegenüberliegenden Wand so postwendend zurückkommen wie alles, was in diesem akustischen Hades an Tönen erzeugt wird.“

Die Zeit des Weserstadions

Von 1977 bis 1985, und manchmal auch später noch, habe ich für den WESER-KURIER Konzertkritiken geschrieben, oft begleitet von Bernd Asbrock mit seiner Kamera. So auch 1988, als in der Geschichte der Rockkonzerte in Bremen ein neues Kapitel aufgeschlagen wurde: „Open Air“ im Weserstadion, mit Bruce Springsteen als Auftakt. Es folgten mehr als 20 Konzerte, mit Tina Turner und Elton John, mit Michael Jackson, Bryan Adams und 1998 mit den Rolling Stones. Die Rock-Elite zu Gast in Bremen – vergangene Zeiten.

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