Zwei Schnelltests pro Woche

Bremen plant Tests für Kita-Kinder

Die Bildungsbehörde bittet Eltern, ihre Kleinkinder zu testen. Sobald die von Bremen bestellten Tests da sind, sollen alle Familien mit Kita-Kindern zwei Tests-Sets pro Woche für ihr Kind kostenlos erhalten.
12.04.2021, 16:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremen plant Tests für Kita-Kinder
Von Sara Sundermann
Bremen plant Tests für Kita-Kinder

Eltern von Kita-Kindern sollen künftig in Bremen zwei kostenlose Schnelltests pro Woche erhalten.

Monika Skolimowska, DPA

Alle Eltern von Bremer Kita-Kindern sollen nach Plänen des Bildungsressorts die Möglichkeit bekommen, ihr Kind zweimal pro Woche auf das Coronavirus zu testen. Dazu sollen die Kitas zwei kostenlose Tests pro Woche und Kind an die Familien verteilen. „Wir bitten alle Eltern, dieses Angebot wahrzunehmen“, sagt Stephanie Dehne, Sprecherin der Bildungsbehörde. Die Tests seien freiwillig, man appelliere aber dringend an Eltern, sie zu nutzen.

250.000 Schnelltests hat der Senat vor Ostern für die knapp 28.000 Kita-Kinder im Land Bremen bestellt. „Wir erwarten die Ankunft der Lieferung Ende dieser Woche. Sobald sie da sind, wollen wir mit der Verteilung starten“, so Dehne. Möglich seien aber Verzögerungen, weil die Tests beispielsweise noch durch den Zoll müssten.

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Dabei kooperiert die Bildungssenatorin mit dem Epidemiologen Hajo Zeeb vom Bremer Leibniz-Institut BIPS. Zeeb geht davon aus, dass ab Anfang kommender Woche die ersten Kitas Schnelltests an Eltern verteilen könnten. Er und sein Team wollen die Tests bei Kleinkindern wissenschaftlich begleiten und die Ergebnisse auswerten. „Wir hoffen auf eine gute Mitwirkung der Eltern, schließlich soll die Maßnahme dem Wohl der Kinder dienen“, sagt Zeeb.

Unterdessen fordert ein Teil der Kita-Betreiber eine Testpflicht. „Auch die Kinder müssen geschützt werden, und das darf nicht nur auf Basis der Freiwilligkeit geschehen, das muss geregelt werden“, sagt Arnold Knigge von der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG). Er setzt sich für eine Testpflicht für Kita-Kinder analog zur Regelung für Schülerinnen und Schüler ein. In der LAG organisiert sind unter anderem die Arbeiterwohlfahrt (Awo) und das Deutsche Rote Kreuz (DRK), freie Träger betreiben in Bremen etwa jede fünfte Kita. Allerdings dürften Tests nicht zur Folge haben, dass gerade in benachteiligten Stadtgebieten weniger Kinder betreut würden, weil beispielsweise die Informationen zum Testen bei einem Teil der Eltern nicht richtig ankomme, so Knigge. „Wir dürfen die Eltern mit dem Testen nicht allein lassen“, sagt er und schlägt vor: Wo immer möglich, sollten die Kitas den Eltern anbieten, ihre Kinder vor Ort in der Einrichtung zu testen. Viele Kitas hätten die Möglichkeit, dass Eltern ihr Kind morgens beim Bringen in einem gesonderten Rau und begleitet durch Erzieherinnen testen.

Eine Testpflicht für Kita-Kinder ist laut Behörde zunächst nicht geplant. Die Bildungssenatorin sei gegen eine Pflicht, damit Kinder, deren Eltern die Tests ablehnen, nicht von der Betreuung ausgeschlossen würden, so Dehne.

Eltern, deren Kind ein negatives Ergebnis erhält, sollen laut Behörde den Test mit in die Kita bringen, wo das Ergebnis dokumentiert werden soll. Damit wäre potenziell möglich, die Regeln zu unterlaufen: Eltern könnten beispielsweise einen Teststreifen abgeben, den nicht das Kind, sondern eine andere Person gemacht hat. „Wenn man den Test aus der Hand gibt, ist Kontrolle nicht möglich“, sagt Dehne. „Wir vertrauen darauf, dass die Eltern verantwortungsvoll damit umgehen.“ Ein mehrsprachiges Schreiben der Behörde an die Familien sei in Arbeit. Darin sollen der Appell an Eltern und eine Anleitung zur Durchführung der Tests enthalten sein.

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Zur Sache

Klage gegen Testpflicht an Schulen


Peter Beck, Landesvorsitzender der Liberal-Konservativen Reformer, will in den kommenden Tagen vor dem Verwaltungsgericht Klage gegen die Testpflicht für Bremer Schüler einreichen. Der Bürgerschaftsabgeordnete, selbst Vater von vier Kindern, hält es für eine unzulässige Grundrechtseinschränkung, wenn Kinder, die sich nicht testen lassen wollen, vom Präsenzunterricht ausgeschlossen werden. Darüber hinaus kritisiert Beck auch die Umsetzung der Testpflicht für Klassen im Halbgruppen-Unterricht. „Entweder man sollte die Schüler jeden Tag testen oder es ganz lassen“, sagt er. In Weimar hatte vor kurzem eine Mutter vor dem Amtsgericht Erfolg, die gegen die Masken- und Testpflicht für ihre zwei Kinder geklagt hatte. Laut dem thüringischen Bildungsministerium hat das Urteil keine Auswirkungen auf die allgemeinen Schulregeln im Bundesland.

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