Vier neue Stationen Bremen baut Car-Sharing aus

Bremen. Enge Straßen und weit und breit kein Parkplatz in Sicht. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und die Beiräte einiger Stadtteile setzen jetzt auf den Ausbau des Car-Sharings.
20.10.2012, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Knief

Bremen. Enge Straßen und weit und breit kein Parkplatz in Sicht. Vor allem in Findorff, Mitte, Schwachhausen und im Viertel müssen Autofahrer zum Teil weit entfernt von ihren Wohnungen parken, weil die Parkplätze nicht reichen. Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr und die Beiräte der betroffenen Stadtteile setzen jetzt auf den Ausbau des sogenannten Car-Sharings: Autos werden gemeinschaftlich genutzt.

Im Viertel herrscht Parkplatznot. Folge: Dicht an dicht stehen die Autos in den vielen engen Straßen, blockieren oft andere Verkehrsteilnehmer "Mehr als ein Drittel der im Viertel abgestellten Privatautos wird tagelang nicht bewegt", sagt Robert Bücking, Leiter des Ortsamtes Mitte/Östliche Vorstadt. Er sieht in einer Ausweitung des Car-Sharing-Angebots eine Chance, die Parkplatznot zu lindern.

Bisher gibt es in Bremen 45 Stationen, an denen Autos geliehen werden können. Der Mieter entscheidet, ob er den Wagen für eine ganze Woche, einen Tag oder auch nur für eine Stunde leiht. "Genau das ist der Vorteil von Car-Sharing", sagt Kerstin Homrighausen, Geschäftsführerin der Car-Sharing-Firma Cambio. "Man kann sich auch relativ spontan einen Wagen ausleihen, der in der Nähe der Wohnung steht und somit schnell zu erreichen ist."

Wer bei dem Car-Sharing-Unternehmen registriert ist, erhält eine Chipkarte mit Pin. Damit kann man telefonisch oder über das Internet einen Wagen mieten, der dann an der gewünschten Station abgeholt werden kann. Die Schlüssel für die rund 170 Autos liegen in Tresoren, die der Mieter durch die Eingabe seines persönlichen Codes direkt an der Car-Sharing-Station öffnen kann. "Man muss sich um nichts mehr kümmern und hat immer einen reservierten Parkplatz, ohne dass man lange suchen muss", wirbt Homrighausen.

Bisher nutzen nach ihren Angaben rund 7550 Bremer das Angebot des "geteilten" Autos. Beiräte und das Verkehrsressort setzen nun auf eine Erweiterung der Stationen, um die Verkehrs-und Parksituation zu verbessern. "Ein geteiltes Fahrzeug ersetzt bis zu zehn private Wagen", sagt Bücking. "Für alle, die ihr Auto nicht jeden Tag nutzen und im Jahr weniger als 10000 Kilometer zurücklegen, lohnt sich das Car-Sharing."

Die Beiräte der Östlichen Vorstadt haben vier neue "Mobilpunkte" vorgeschlagen, an denen künftig je zwei Leihwagen bereit stehen sollen. "Geplant sind Stationen in der Keplerstraße/Am Bredenkamp, der Schweizer Straße/Römerstraße, der Feldstraße/Wernerstraße und auch in der Schmidtstraße/Hollerstraße", so Bücking. Außerdem suche man noch Standorte für zwei weitere Stationen in Bremen-Mitte.

Nach Ansicht von Marcel Kreykenbohm, Referent für nachhaltige Mobilität beim Senator für Umwelt, Bau und Verkehr, hat sich der positive Effekt des Car-Sharings in den vergangenen Jahren bereits deutlich bemerkbar gemacht. "Umfragen haben gezeigt, dass viele Bremer auf ihr eigenes Auto verzichteten, nachdem sie mit dem Car-Sharing angefangen hatten." Etwa 1500 private Pkw habe man mit der Einführung der "Mobilpunkte" bereits ersetzen können.

Die Firma Cambio gibt es in Bremen bereits seit 1990. Neben den privaten Flächen für Leihwagen sind seit 2003 neun von der Stadt angemietete "Mobilpunkte" entstanden. Während an den größeren Stationen bisher etwa fünf bis zwölf Fahrzeuge zur Verfügung stehen, sollen an den neuen "Mobilpünktchen" nur jeweils zwei Wagen parken. Kerstin Homrighausen: "Das Angebot soll gezielt in eng besiedelten Wohngebieten erweitert werden." Dadurch wolle man die Zahl der Privatfahrzeuge langfristig verringern und die Parksituation verbessert.

Bis Mitte des nächsten Jahres sollen die ersten "Mobilpünktchen" fertig sein. Neben den Planungen in der Östlichen Vorstadt und Bremen-Mitte seien auch neue Stationen in Schwachhausen und Findorff im Gespräch, sagt Kreykenbohm. "Wir arbeiten in enger Kooperation mit den Beiräten und der Feuerwehr." Nur so könnten die besten Standorte ermittelt und kritische Bereiche, in denen Rettungskräfte mit Platzproblemen kämpfen, entschärft werden.

Wenn das Projekt gut angenommen wird, könnten im kommenden Jahr bis zu 20 neue Stationen mit insgesamt 40 zusätzlichen Fahrzeugen geschaffen werden, so Kreykenbohm. Das große Ziel sei es, die Zahl der Car-Sharing-Nutzer bis zum Jahr 2020 auf 20000 zu erhöhen. "Wir sind sehr gespannt, wie sich der Ausbau entwickelt", sagt Kerstin Homrighausen. "Wenn durch die neuen Stationen wenig genutzte Privatautos abgeschafft würden, wäre das ein Vorteil für die Umwelt und alle Beteiligten."

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