Kritik an befristeten Erzieher-Verträgen Bremen bei Kinderbetreuung weit vorn

In Bremens Kitas müssen sich die Erzieherinnen im bundesweiten Vergleich um die zweitwenigsten Kinder kümmern. Was den Personalschlüssel anbelangt, liegt Bremen nach Baden-Württemberg auf Platz zwei.
24.08.2015, 09:59
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Bremen bei Kinderbetreuung weit vorn
Von Kristin Hermann

In Bremens Kindertagesstätten müssen sich die Erzieherinnen im bundesweiten Vergleich um die zweitwenigsten Kinder kümmern. Was den Personalschlüssel anbelangt, liegt Bremen nach Baden-Württemberg auf Platz zwei. Das zeigt eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft kommen in Bremen durchschnittlich 3,4 ganztags betreute Krippen- oder 7,8 Kindergartenkinder. Für den „Ländermonitor zur frühkindlichen Bildung“ haben Wissenschaftler Daten verschiedener Ämter und Behörden ausgewertet.


Trotz leichter Verbesserungen schneiden die niedersächsischen Krippen beim Betreuungsschlüssel im bundesweiten Vergleich schlecht ab. Durchschnittlich kommen nach Angaben der Bertelsmann-Stiftung landesweit 4,1 Krippenkinder oder 8,6 Kindergartenkinder auf eine vollzeitbeschäftigte Kita-Fachkraft. Nur in Hamburg sieht es im Krippenbereich noch schlechter aus. Der Personalschlüssel in den Kitas biete Erziehern die notwendigen Rahmenbedingungen, damit sie den Kindern Zeit und Aufmerksamkeit schenken könnten, hieß es aus dem Kultusministerium in Hannover. Mit Blick auf das schlechte Abschneiden bei den Krippen betonte Staatssekretärin Erika Huxhold, dass die bereits erfolgten Verbesserungen noch nicht in der Studie berücksichtigt seien. Seit Anfang 2015 finanziert das Land die Kosten für eine weitere Fachkraft in Krippen. Damit werde sich Personalschlüssel und Betreuungssituation weiter verbessern.

2012 hatte Bremen noch in beiden Kategorien den Spitzenplatz inne. Warum sich die Betreuungsrelation im Krippenbereich statistisch geringfügig verschlechtert hat, lässt sich laut der Senatorin für Kinder und Soziales aufgrund der Vielzahl der Träger nicht genau sagen. Trotzdem freut Senatorin Claudia Bogedan (SPD): „Der zweite Platz ist eine schöne Bestätigung für unsere Bemühungen, nicht nur die Zahl der Betreuungsplätze auszubauen, sondern gleichzeitig auch eine gute Qualität der Betreuung zu sichern.“ Bremens gutes Abschneiden bei der Studie könnte allerdings auch den Kritikern des Länderfinanzausgleichs, wie etwa Bayern und Hessen, in die Karten spielen. In der Behörde wollte man sich dazu nicht äußern.

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Die Gewerkschaft Verdi bestätigt den positiven Eindruck der Studie für Bremen – wenn er denn so bleibt. „Bürgermeister Carsten Sieling hat bereits angekündigt, dass sich die Situation verschlechtern wird und die Gruppen für unter Dreijährige von acht auf zehn Kinder vergrößert werden“, sagt Verdi-Sprecher Martin Peter.

Besondere Schwierigkeiten für Teilzeitkräfte

Die Studie offenbart außerdem: Das tatsächliche Betreuungsverhältnis im Kita-Alltag fällt ungünstiger aus als der Personalschlüssel, weil Erzieherinnen mindestens ein Viertel ihrer Zeit für Team- und Elterngespräche, Dokumentation und Fortbildung aufwenden. Die Macher der Studie sehen dabei besonders Schwierigkeiten für Teilzeitkräfte. Ihre Arbeitszeit werde komplett für die Kinderbetreuung verplant, andere Aufgaben müssten aber auch erledigt werden. In Bremen werden durch diese Zusatzbelastungen deshalb im Kita-Alltag tatsächlich mindestens 4,5 unter Dreijährige von einer Fachkraft betreut und mindestens 10,3 Kinder ab drei Jahren. Hinzu kämen nach Angaben der Gewerkschaft hohe Krankheitsausfälle, die die Arbeit der Erzieherinnen zusätzlich belasten würden.

So gut der Personalschlüssel in Bremen auch ist – die Studie deckt auch auf, dass in Bremen viele Berufsanfänger langfristig keinen sicheren Arbeitsplatz haben. 41 Prozent der unter 25-jährigen Erzieher arbeiten mit befristeten Verträgen. Eine Quote, die nur in drei anderen Bundesländern noch höher ist. „Bei Kita Bremen etwa sind insgesamt noch 70 Verträge befristet, was nicht nachvollziehbar ist, da nicht einmal alle Stellen besetzt sind“, sagt Peter. Dem Ländermonitor zufolge haben sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre die Betreuungsverhältnisse in fast jedem Bundesland verbessert.

Derzeit kommen auf eine Kita-Fachkraft durchschnittlich 4,4 ganztags betreute Krippenkinder oder 9,5 Kindergartenkinder. Insgesamt registrieren die Forscher ein starkes Gefälle zwischen Ost und West. Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung sowie die Arbeiterwohlfahrt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft mahnen deshalb bundesweit einheitliche Standards an.

Die Experten der Stiftung gehen von einem Idealwert von 1 zu 3 in der Betreuung der Kleinsten und von 1 zu 7,5 ab drei Jahren aus.

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