Ehemaliges Kino am Herdentorsteinweg wird umgebaut

Bremen bekommt ein neues Theater

Bremen. Grelles Flutlicht statt schummriges Gelb. Noch findet man dort, wo bald Bremens Unterhaltungsbranche eine permanente Spielstätte finden soll, einen kühlen Rohbau vor. Das ehemalige Filmstudio-Kino am Herdentorsteinweg 39 wird zu einem Theater umgebaut.
21.09.2010, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Yvonne Nadler

Bremen. Grelles Flutlicht statt schummriges Gelb. Grauer Beton statt einladender Sitzecken. Noch findet man dort, wo bald Bremens Unterhaltungsbranche eine permanente Spielstätte finden soll, einen kühlen Rohbau vor. Das ehemalige Filmstudio-Kino am Herdentorsteinweg 39 wird dort zu einem Theater umgebaut.

Bis zum 8. November haben die Bauarbeiter noch Zeit. Denn zehn Tage später wird im 'Fritz' der Spielbetrieb mit einer Eröffnungsgala beginnen. Christopher Kotoucek, kommt jeden Tag auf die Baustelle. Er gehört neben Jens Meinke, Timm Kulke und Christian Schlemm zu den Gesellschaftern der neuen Spielstätte. 'In Bremen gibt es viele klassische Theater', sagt er. 'So etwas wie das Fritz fehlte bis jetzt.' Das Angebot der neuen Spielstätte schließt seiner Ansicht nach eine Marktlücke. Zwar gibt es mit dem Comedy Club seit 2008 eine regelmäßige Unterhaltungsshow in Bremen, doch eine permanente Spielstätte für Unterhaltungsshows existiert in der Stadt bisher noch nicht.

Internationale Gäste als Zielgruppe

Auch internationale Gäste soll das Fritz ansprechen. Mit einem Programm, dass auch Aufführungen bietet, die auch für diejenigen verständlich sind, die kein deutsch sprechen. Tanzshows wie Burlesque- oder Swingabende gehören dazu. 'In Planung ist außerdem eine regelmäßige Show, in der wir den Gästen Bremen erklären. Und das alles nicht sprachgebunden', sagt Kotoucek.

Schon lange hegte der derzeitige Veranstalter des Comedy Clubs zusammen mit Meinke und Kulke den Wunsch, eine derartige Spielstätte in Bremen zu eröffnen. Die Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit zog sich jedoch über eineinhalb Jahre hin. 'Für ein Theater braucht man bestimmte Voraussetzungen', sagt Kotoucek. Am besten eignet sich seiner Meinung nach ein altes Kino. Durch Zufall stießen die Suchenden schließlich auf ein Immobilienangebot direkt am Hauptbahnhof: Das ehemalige Filmstudio-Kino am Herdentorsteinweg 39. Seit 2003 liegt das ehemalige Lichtspielhaus still. 'Ein völlig vergessener Ort', sagt Kotoucek.

Mit der Schließung des Kinos, das bei vielen Cineasten Kultstatus genoss, erreichte das Sterben kleiner Lichtspielhäuser in der Hansestadt einen vorläufigen Höhepunkt. Zuvor hatten wegen stark sinkender Besucherzahlen bereits fünf weitere Kinos ihren Betrieb einstellen müssen.

Nun wird dort, wo die Rollläden sieben Jahre lang heruntergelassen waren, eine neue Unterhaltungsstätte Einzug halten. Für Bremen ist ein Theater dieser Art jedoch keine absolute Premiere: Bereits ab den 20er Jahren gab es eine Art Varieté-Theater in der Hansestadt: das legendäre Astoria, das 1967 geschlossen wurde. Der Name der neuen Spielstätte ist auch eine Hommage an den Betreiber des Astoria: Emil Fritz.

Gesellschafter könnten bald Konkurrenz bekommen

Die Gesellschafter hoffen nun auf genügend Andrang - und müssen sich dabei möglicherweise schon sehr bald auf Konkurrenz einstellen. Die 'GOP Entertainment Group', ein Hannoversches Unternehmen, plant ebenfalls, sich mit einem festen Variteté in Bremen anzusiedeln. Direkt an der Weser, neben dem Weser Tower.

Das Angebot des Fritz jedenfalls werde vergleichbar mit dem Schmidts-Tivoli in Hamburg sein, so Kotoucek. Regelmäßige Revue-Shows werden genau so dazugehören wie Improvisationstheater. Das Programm ist bereist unter www.fritz-bremen.de einsehbar. Die Internetseite wird zur Zeit überarbeitet, so dass in circa zwei Wochen auch Karten online bestellt werden können. 'Das Bahnhofsviertel wird es qualitativ bereichern', sagt Meinke. Er steht vor dem Eingang des zukünftigen Fritz und wischt sich etwas Staub von der Hand. 'Entschuldigung', ruft ihm ein Passant entgegen. 'Kommt hier ein Kino hin?' 'Nein. Ein Unterhaltungstheater', antwortet Meinke. 'Endlich', sagt der Passant und geht weiter.

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