„Bremer Sessel“ Bremen besser als gedacht

Manchmal ist Bremen sogar noch ein bisschen besser als angenommen. Auf die Bremer Stärken, nicht die Bremer Schwächen hatte es die Union von 1801 zum Jubiläum des „Bremer Sessels“ abgesehen.
22.02.2017, 00:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Frank Hethey

Manchmal ist Bremen sogar noch ein bisschen besser als angenommen. Auf die Bremer Stärken, nicht die Bremer Schwächen hatte es die Union von 1801 zum Jubiläum des „Bremer Sessels“ abgesehen.

Manchmal ist Bremen sogar noch ein bisschen besser als angenommen. Nicht fünfmal, wie Moderator Rolf Wenner irrtümlich meinte, sondern achtmal hat der frühere Profitänzer Roberto Albanese bereits den Weltmeistertitel der Lateinformation gewonnen. Positives hatte auch Professor Christoph Burmann am Dienstagabend bei der Talkrunde „Bremer Sessel“ im Finanzcentrum der Sparkasse am Brill zu berichten. Seit 2007 sei Bremen bundesweit stets die Nummer 1 gewesen, wenn es um die emotionale Bindung der Bürger an ihre Stadt gegangen sei. Seine Botschaft an die 200 geladenen Gäste: „Das ist doch etwas, mit dem man punkten kann.“

Auf die Bremer Stärken, nicht die Bremer Schwächen hatte es die Union von 1801 zum Jubiläum des „Bremer Sessels“ abgesehen. Zur Feier des 25-jährigen Bestehens der Talkrunde stellte der Kaufmännische Verein die 200. Ausgabe unter das Motto „(Welt-)Klasse aus Bremen – Bremens starke Seiten“. Als Schirmherr gab der Präsident der Bremischen Bürgerschaft, Christian Weber (SPD), gleich zu Beginn den Ton vor. In einem ebenso leidenschaftlichen wie augenzwinkernden Grußwort wandte er sich gegen allzu viel „Larmoyanz“, man dürfe nicht immer alles kleinreden. Ganz besonders nicht die Eigenständigkeit Bremens, die er als „unschätzbares Gut“ wertete. „Deshalb bin ich Patriot, deshalb bin ich Bremer.“

Hochqualifizierte Frauen besonders hervorgehoben

Eine Stärkung der starken Seiten Bremens forderte als Hausherr Tim Nesemann, Chef der Sparkasse Bremen. Sein Augenmerk legte er auf den Kampf um Talente, wobei er hochqualifizierte Frauen besonders hervorhob. Doch das darf laut Nesemann nicht alles sein: „Wir müssen Armut und soziale Ausgrenzung in Bremen beseitigen.“

Gleich sieben Talkgäste hatte die Union von 1801 zur Jubiläumsrunde geladen. Neben dem Tänzer Albanese auch den Präsidenten des SV Werder Bremen, Hubertus Hess-Grunewald, Ehrenbürgerin Barbara Grobien, Arbeitgeberpräsident Lutz Oelsner, den Geschäftsführer der Deutschen Kammerphilharmonie, Albert Schmitt, Sparkassen-Vorstand Heiko Staroßom sowie die Präsidentin der Jacobs University, Katja Windt. Und natürlich konnten sie alle Positives vermelden. So etwa Windt den „tollen Wert“, dass mittlerweile ein Viertel der Absolventen in Bremen und umzu blieben. Und Hess-Grunewald, dass Werder Bremen dank seiner weltweiten Strahlkraft „kostenloses Städte-Marketing“ betreibe. Freilich knüpfte er daran auch die kritische Frage: „Was leistet Werder für Bremen, was könnte Bremen für Werder tun?“

Gleich mehrfach ging es um die Flüchtlingsintegration als positive Errungenschaft. Nicht nur mit Blick auf die Karriere des aus Gambia geflüchteten Werder-Profis Ousman Manneh, auch Ehrenbürgerin Grobien konnte das Beispiel eines jungen Mannes aus Afghanistan anführen, der sich als ihr Schutzbefohlener prächtig entwickelt habe.

Moderiert wurde die Talkrunde vom stellvertretenden Union-Vorsitzenden Rolf Wenner im Zusammenspiel mit dem Wirtschaftsjournalisten Günther Hörbst. Für ein musikalisches Intermezzo sorgten Schüler der Gesamtschule Ost des Zukunftslabors der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen.

Lesen Sie auch

Sieben Talkgäste in einer Runde, das hat es laut Hans-Joachim Florian, Vorsitzender der Union von 1801, noch nie gegeben. „Und wird es wohl auch nie wieder geben.“ Auch der „Sessel“ als nicht-öffentliche Veranstaltung ist eine Ausnahme, künftig werden die Talkrunden wieder für jeden offen sein. Und doch nicht ganz so, wie sie bisher immer waren. Moderner soll der „Sessel“ werden, ein neuer Stil soll einziehen.

Schon der 201. „Bremer Sessel“ am 26. März ist als „mal ganz anders“ angekündigt, die Pianistin Claudia Janet Birkholz soll im Logenhaus an der Kurfürstenallee nicht nur Rede und Antwort stehen, sondern auch am Klavier musizieren. Für die folgenden Talkrunden schwebt der Union dann ein neues Konzept vor. Derzeit bemüht man sich, die mitunter schwierigen Nachfolgeregelungen in Unternehmen zu thematisieren. Die Idee: den Senior und den Junior einer Firma an einen Tisch zu bringen.

Mit ihren Talkrunden will die Union für Vernetzung sorgen, Menschen miteinander ins Gespräch bringen, die sonst nicht zueinander finden würden. „Wir wollen ein Wegbereiter sein“, sagt Florian. Doch ein Selbstläufer ist die Vereinsarbeit nicht, zumal sich auf dem gleichen Feld auch Konkurrenz tummelt: der Club zu Bremen, der Industrie-Club, die Eiswette. Von der Jubiläumsrunde erhofft sich Florian darum nicht zuletzt einen „neuen Schub“, konkret: neue Mitglieder.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+