Mehr Geld, Tests und Schulbesuche Bremen blickt bei der Bildung auf Hamburg

Beim Bildungsreport IQB belegte Bremen im vergangenen Herbst erneut in vier von fünf Bereichen den letzten Platz. Im Gegensatz zu Bremen hat sich Hamburg verbessert. Bremen könnte daraus lernen.
09.01.2017, 00:02
Lesedauer: 3 Min
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Bremen blickt bei der Bildung auf Hamburg
Von Sara Sundermann

Beim Bildungsreport IQB belegte Bremen im vergangenen Herbst erneut in vier von fünf Bereichen den letzten Platz. Im Gegensatz zu Bremen hat sich Hamburg verbessert. Bremen könnte daraus lernen.

Beim Lesen und Zuhören auf Deutsch belegt die Stadt an der Elbe nun nicht mehr die letzten Ränge, sondern rückte ins Mittelfeld auf Platz 8 vor. Bremen dagegen ist weiterhin Letzter.

Nach der Veröffentlichung des IQB-Reports kündigte Bildungs-Staatsrat Frank Pietrzok (SPD) an, Bremen könne möglicherweise von Hamburg lernen. Man wolle sich genau angucken, was dort verändert worden sei. Auch Gewerkschaftsvertreter empfahlen Bremen den Blick nach Hamburg.

Hamburg hat nicht erst seit 2009, sondern schon seit Mitte der 2000er Jahre einiges verändert, sagt Norbert Maritzen, Direktor des Instituts für Bildungsmonitoring und Qualitätsentwicklung (IFBQ). Das IFBQ-Institut ist im Auftrag der Hamburger Bildungsbehörde für Qualitätssicherung zuständig.

„Wir waren auch ein Kellerkind, aber Hamburg hat ein ganzes Bündel ineinander greifender Maßnahmen umgesetzt“, sagt Maritzen. Bis Veränderungen in der Bildungspolitik sich auswirkten, brauche es Zeit, betont der Institutsleiter.

Investitionen zahlen sich jetzt aus

Mehr Ressourcen für Personal an Schulen, mehr Monitoring durch die Schulaufsicht, mehr Zwischentests für Schüler. Diese drei Bausteine nennt Maritzen als zentrale Stellen, an denen Hamburg etwas verändert hat. „Wir haben weniger Unterrichtsausfall, die Verlässlichkeit der Unterrichtsversorgung habe sich sehr stabilisiert“, sagt Maritzen.

Das habe zwei wesentliche Gründe: „Zum einen sind Hamburger Schulen inzwischen recht ordentlich ausgestattet, was die Personalressourcen betrifft, zum anderen ist das Monitoring verstärkt worden.“ Schulleiter müssten regelmäßig melden, wie viele Stunden bei ihnen ausfallen und auch auf welche Art diese vertreten werden. Das allerdings geschieht der Bildungsbehörde zufolge auch in Bremen, monatlich sollen Schulleiter den Unterrichtsausfall über das Programm „Unit“ melden.

Trotz sinkender Schülerzahlen mehr Lehrer eingestellt

Hamburg hat nach Angaben der Hamburger Bildungsbehörde zudem in den vergangenen sieben Jahren die Zahl der Pädagogen an Schulen um mehr als 2800 erhöht, von 15 100 Pädagogen in 2008 auf 18 000 Pädagogen in 2016.

Im gleichen Zeitraum sank die Zahl der Schüler leicht auf zuletzt 221 000 Jugendliche. Die Bildungsgewerkschaft GEW weist darauf hin, dass Hamburg pro Schüler 8000 Euro ausgibt, Bremen nur 6400 Euro. Um auf dieselbe Schüler-Lehrer-Relation wie in Hamburg zu kommen, fehlen in Bremen der GEW zufolge 499 Stellen.

Mehr Ressourcen und mehr Monitoring beim Unterrichtsausfall sind aber Norbert Maritzen zufolge nicht das Einzige, was Hamburg verändert hat. „Hier ist in den vergangenen zehn bis fünfzehn Jahren eine Kultur des Hinguckens entstanden“, betont er. Besonders die Schulaufsicht sehe genauer hin und sei mehr vor Ort im Gespräch mit Lehrkräften und Schulleitungen als zuvor. „Teams aus Fachreferenten der Behörden, Mitarbeitern der Schulaufsicht und des Landesinstituts für Schulen schauen sich zweimal pro Jahr jede Schule an“, sagt der Institutsleiter.

Harte Arbeit der Behörde zahlt sich aus

Bei einem der zwei Besuche geht es um das Thema Inklusion, bei dem anderen um den Ganztag. „Das ist viel Arbeit für die Schulaufsicht, ein Knochenjob, manche Mitarbeiter stöhnen.“ Doch das zahle sich aus. Es sei für die Schulleitungen berechenbar, welche Ergebnisse im Bilanzgespräch mit der Schulaufsicht abgefragt würden.

Der Bremer Bildungsbehörde zufolge gibt es in Bremen keine feste Regelung, wie oft Schulen im Jahr besucht werden müssen. Die eigenen Vorgaben der Schulaufsicht sähen vor, dass jede Schule einmal pro Halbjahr besucht werden solle.

Vera-Tests: In Bremen kritisiert, in Hamburg geliebt

Zudem hat Hamburg Zwischentests für Schüler eingeführt: Auch in der 2., 5., 7., 9. und 10. Klasse lässt der Stadtstaat den Lernstand prüfen. Solche Tests gibt es normalerweise nur in der 3. und 8. Klasse, alle Bundesländer beteiligen sich an diesen sogenannten Vera-Vergleichstests. Dass auch Bremen eigene Zwischentests zusätzlich zu den Vera-Tests einführt, wurde hier bereits kontrovers diskutiert, dagegen gibt es in Bremen teilweise Widerstand.

Norbert Maritzen berichtet von Hamburgs Erfahrungen damit: „Diese Tests werden uns aus den Händen gerissen, die Schulen wollen diese Rückmeldungen haben. Wir finden einen Schüler, der in der 3. Klasse in Mathe getestet wurde, in der 7. und 9. Klasse wieder und können nachvollziehen, wie er sich entwickelt hat.“

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