Neustart für Arbeiten in Baugrube

Bremen bockt Brücke auf

Der Termin steht: Am 7. August, einem Sonntag, wird die Hochstraße vor dem Hauptbahnhof wieder ins Lot gebracht. Das hat am Montag das Amt für Straßen und Verkehr mitgeteilt.
26.07.2016, 00:00
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Bremen bockt Brücke auf
Von Jürgen Hinrichs

Der Termin steht: Am 7. August, einem Sonntag, wird die Hochstraße vor dem Hauptbahnhof wieder ins Lot gebracht. Das hat am Montag das Amt für Straßen und Verkehr mitgeteilt.

Die Brücke war nach Bodenabsackungen am Rand der Großbaustelle auf dem Bahnhofsvorplatz in Schieflage geraten. Zwar nur um bis zu drei Millimeter, aber so wenig ist das nicht, wenn man den Grenzwert bedenkt: Das Berechnungsmodell für die 48 Jahre alte Brücke sieht nach Angaben der Behörde eine maximale Querneigung von fünf Millimetern vor. „Ist dieser Wert erreicht, wird die Sperrung der Wegeverbindung wahrscheinlich.“

Vor drei Monaten war bekanntgeworden, dass die Erdmassen rund um die Baugrube für die beiden geplanten Gebäude vor dem Bahnhof ins Rutschen geraten sind. Die Baggerarbeiten ruhen seitdem. Um die Ursache für die Absackungen zu klären, wurden zunächst vom Tiefbauunternehmen, danach auch vom Bauherr Gutachten in Auftrag gegeben. Zu welchem Ergebnis die Experten gekommen sind, ist bis heute nicht veröffentlicht worden.

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Der Bauherr hatte angekündigt, dass erst dann weiter in die Tiefe gegangen werde, wenn der Hochstraße keine weitere Gefahr drohe. Dies ist allerdings auch Teil der behördlichen Auflagen. Darüber hinaus muss es Nachbesserungen in der Grube geben. Ihre Betonwand ist in einem Abstand von fünf Metern mit Ankern im Erdreich befestigt. Das sind 25 Meter lange Eisenstangen, die annähernd waagerecht in den Boden getrieben werden. Die Anker müssen teilweise neu justiert werden. „Wenn alle diese Arbeiten erledigt sind und die Hochstraße wieder gerade steht, darf in der Grube weiter gegraben werden“, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Baubehörde.

Verkehrsfreier Sonntag für die Hochstraße

Die Brücke wird mit Hydraulikpressen angehoben, nicht insgesamt, sondern nur im Bereich der Baustelle. Zum Einsatz kommen die Pressen an drei der 27 Stützenpaare. Der Überbau erhält Druck von unten, so lange, bis er seine alte Lage erreicht hat. In den Spalt, der sich dabei auftut, werden sogenannte Futterbleche eingebaut. Danach kann der Druck in den Pressen wieder abgelassen werden. Während der Arbeiten darf die Hochstraße nicht befahren werden – verkehrsfreier Sonntag für eine der wichtigsten und am meisten befahrenen Verbindungen der Stadt.

Weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Boden sich wieder bewegt, sobald es mit den Arbeiten in der Baugrube weitergeht, bleiben die Pressen vorsorglich an den Stützpaaren befestigt. Das Amt für Straßen und Verkehr will sofort reagieren können, falls die Werte zurück in einen kritischen Bereich geraten.

„Zur frühzeitigen Erkennung von weiteren Setzungen wird ein automatisiertes Überwachungssystem zur Vermessung der Brücke eingerichtet“, heißt es in der Mitteilung. Bezahlt werde das alles vom Bauherrn, der Achim-Griese-Treuhandgesellschaft. Das Unternehmen aus Hamburg investiert vor dem Bremer Hauptbahnhof 100 Millionen Euro.

Gleissperrung wird bald aufgehoben

Schaden angerichtet wurde durch die Bauarbeiten auch auf der gegenüberliegenden Seite der Baugrube. Dort ist der Boden so stark abgesackt, dass die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) Anfang Mai zwei Gleise sperren musste. Doch damit ist es bald vorbei. An diesem Dienstag beginnen die Arbeiten, um die Strecke wieder befahrbar zu machen, teilt die BSAG mit. „Bis zum Ende der Sommerferien sollen die um bis zu acht Zentimeter abgesackten Schienen so weit angehoben sein, dass der Bereich wieder sicher und zuverlässig befahren werden kann“, so das Verkehrsunternehmen. Bei den Arbeiten handele es sich um ein Provisorium.

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Länger damit warten konnte und wollte die BSAG nicht. „Nach den Ferien fahren wieder deutlich mehr Busse und Bahnen.“ Außerdem würden die anderen Gleise durch den Umleitungsverkehr deutlich stärker abgenutzt. Ein Provisorium ist im übrigen der gesamte Gleisapparat vor dem Bahnhof. Er sollte in diesem Jahr für drei Millionen Euro eigentlich komplett erneuert werden. Stattdessen wurde jetzt an zwei Wochenenden notdürftig geflickt. Der Grund dafür ist die Baugrube mit ihren unkalkulierbaren Auswirkungen auf die Umgebung.

„Die Ursache für die Absackungen des Erdreichs unter den Gleisen der Umsteigeanlage ist bis heute nicht abschließend geklärt“, schreibt die BSAG. Auch seien neue, kleinere Absackungen nicht vollständig auszuschließen. Weiterführende Untersuchungen hätten jedoch ergeben, dass der Boden unterhalb der Gleise kompakt und tragfähig ist. Das Verkehrsunternehmen hatte das in der vergangenen Woche getestet und das erste Mal nach drei Monaten eine voll beladene Straßenbahn über die Gleise A und B geschickt. Das Ergebnis war offenbar zufriedenstellend.

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