Corona-Pandemie

Inzidenz bei Kindern schnellt in die Höhe

Das Gesundheitsamt erklärt den Anstieg der Infektionen bei Kindern mit mehr Tests, für Forscher bleiben die Ansteckungsorte unklar. Die Bildungsbehörde ist für die Rückkehr zur Maskenpflicht in Grundschulen.
22.04.2021, 21:15
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Inzidenz bei Kindern schnellt in die Höhe
Von Patrick Reichelt
Inzidenz bei Kindern schnellt in die Höhe

Die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen steigen stark.

Jörg Carstensen /dpa

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei Kindern und jungen Erwachsenen ist in Bremen deutlich gewachsen. Der Wert erreichte in der vergangenen Woche in der Gruppe der Sechs- bis Neunjährigen fast die Marke von 300, eine Woche zuvor hatte er bei 84 gelegen. Auch in der Altersgruppe bis fünf Jahre und bei den Zehn- bis 19-Jährigen stiegen die Werte sprunghaft an. „Der starke Anstieg ist wahrscheinlich auf die zunehmende Zahl der Testungen in den Schulen in der Woche nach den Ferien zurückzuführen“, sagte Lukas Fuhrmann, Sprecher der Senatorin für Gesundheit, Frauen und Verbraucherschutz.

Bundesweit ergibt sich ein ähnliches Bild. Der „Spiegel“ berichtete am Donnerstag von „explodierende Inzidenzen bei Kindern“. Und weiter: „Die Sieben-Tage-Inzidenz pro 100.000 Kindern und Jugendlichen übersteigt vielerorts die der Menschen über 60 Jahre.“

Schon im März hatte sich die Inzidenz bei Kindern und Jugendlichen von der Inzidenz der Gesamtbevölkerung abgekoppelt und sich – auf niedrigerem Niveau als derzeit – teilweise mehr als verdoppelt. Ende März hatte das Robert Koch-Institut (RKI) mitgeteilt, dass sich die Steigerung nicht allein durch den Einsatz von Schnelltests begründen lasse. Auch wo sich Kinder und Jugendliche anstecken, ist laut den Infektionsforschern unklar. Im aktuellen Lagebericht ist die Rede von „zahlreichen Ausbrüchen in Privathaushalten, Kitas und zunehmend auch in Schulen sowie dem beruflichen Umfeld“.

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Nach Angaben des Gesundheitsressorts gibt es aktuell an zwei Bremer Schulen Corona-Ausbrüche, ansonsten spricht die Behörde von Einzelfällen. „Diese Fälle werden durch die flächendeckenden Testungen aktuell gut entdeckt, weitere Ansteckungen können dadurch wahrscheinlich häufig auch verhindert werden“, sagte Fuhrmann.

In Bremen lag in der Woche ab dem 29. März die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Zehn- bis 19-Jährigen bei 106,95, zwei Wochen später bei 261,43. In Bremerhaven stieg der Wert in dieser Altersgruppe von 136 auf 217,6. Bei den Sechs- bis Neunjährigen war er in der Seestadt mit 93,13 konstant.

Vor dem Hintergrund der Bundes-Notbremse stehen die steigenden Zahlen in den jungen Altersgruppen besonders im Fokus. Das vom Bundesrat am Donnerstag gebilligte Gesetz sieht vor, den Präsenzunterricht an Schulen ab einer Inzidenz von 165 zu stoppen. Für Bremen hat das zur Fol­ge, dass alle Schulen von Montag an wieder in den Distanzunterricht gehen. In den Kitas wird eine Notbetreuung eingerichtet.

Die Bildungsbehörde wird laufend über die Corona-Situation an den Kitas und Schulen informiert. Laut Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD), waren am Donnerstag im Kita-Bereich 32 Kinder als infiziert gemeldet, an den Schu­len waren es 82 Mädchen und Jungen, 39 Kinder in der Grundschule. „Das ist kein Vergleich zu den Zahlen von vor vier Wochen, aber da haben wir noch nicht so flächendeckend getestet“, erklärt Kemp. 68.000 Tests habe es allein in der vergangenen Woche gegeben; insgesamt spricht die Behörde von 74.000 Kindern und Jugendlichen, die in Bremen zur Schule gehen.

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Kemp betont, dass es wenige große Ausbrüche in Schulen oder Kitas gegeben habe. Und die seien auch nicht schulform- oder stadtteilabhängig gewesen. „Wir haben genauso Fälle in Gröpelingen wie in Horn“, sagt die Sprecherin. Das Ressort spricht sich ­dafür aus, angesichts steigender Inzidenzwerte die Maskenpflicht an Grundschulen so schnell wie möglich wieder einzuführen, wenn es wieder zu Präsenzunterricht kommen sollte. Das Oberverwaltungsgericht hatte, wie berichtet, die Maskenpflicht aus formalen Gründen einstweilen aufgehoben.

Niedersachsen hält nach dem Entwurf der neuen Corona-Verordnung des Landes an seiner strikteren Regelung fest. Hier soll ­weiterhin bereits ab einer Sieben-­Tage-Inzidenz von 100 in den Distanzunterricht gewechselt werden. Das Land weist keine Inzidenzwerte in den einzelnen Altersgruppen aus, sondern bildet nur die gemeldeten Fälle ab. Der Trend zeigt auch hier nach oben: Bei den Zehn- bis 19-Jährigen wurden in der ersten April-­Woche (5. bis 11. April) 1082 In­fektionen gemeldet, eine Woche später waren es 1609.

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kündigte an, von Mitte Mai an wieder mehr Präsenzunterricht in allen Schulformen zuzulassen. Dann sei es sinnvoll, sich am Grenzwert 165 aus der Bundes-Notbremse zu orientieren. „Im Mai werden wir in Niedersachsen auf jeden Fall zu Anpassungen kommen“, sagte Tonne der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Ein genaues Datum nannte er nicht. Zunächst müssten die Abläufe bei den Tests für Schuler und Lehrpersonal verlässlich funktionieren.

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