Nach Ende des Lockdown

Bremer Gastrogemeinschaft setzt bei Kontakterfassung auf neue App

Gastronomen, Messe, Werder und Pflegeheime in Bremen setzen bei der Corona-Kontakterfassung künftig auf digitale Konzepte. App und QR-Code sollen die aufwendige Zettelwirtschaft ersetzen.
10.01.2021, 21:11
Lesedauer: 4 Min
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Von Sabine Doll und Mathias Sonnenberg

Bis zum Lockdown lief es vor allem so: Gäste und Besucher tragen Namen, Telefonnummer, Datum und Uhrzeit in Formulare oder Papierzettel handschriftlich ein. Die Betreiber archivieren diese vier Wochen lang, damit das Gesundheitsamt im Falle von Corona-Infektionen darauf zurückgreifen kann. Danach werden sie vernichtet. „Die Kontakterfassung wird auch im weiteren Verlauf der Pandemie wichtig bleiben. Sie dient als Schlüssel für die Kontaktverfolgung, auf den das Gesundheitsamt für Quarantänemaßnahmen angewiesen ist“, sagt der Sprecher des Gesundheitsressorts, Lukas Fuhrmann.

Für die Betreiber ist dies oft mit einem großen logistischen, zeitlichen und auch personellen Aufwand verbunden. „Damit wollen wir jetzt Schluss machen und unseren Mitgliedern nach dem Lockdown als Alternative zur Zettelwirtschaft eine App für die digitale Kontakterfassung anbieten“, sagt Thorsten Lieder, Geschäftsführer der Bremer Gastro-­Gemeinschaft (BGG), die derzeit etwa 250 Mitglieder zählt. Die Kontakt-App ist laut dem Geschäftsführer Baustein der Kampagne „Gastronomie? Aber sicher!“ für den Neustart nach dem Lockdown.

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Die App soll den Mitgliedern kostenlos angeboten werden. Wer sie nutzt und herunterlädt, könne seinen Gästen einen QR-Code zur Verfügung stellen, der mit dem Smartphone eingescannt wird. „Man landet auf einem Registrierungsformular, in das die Daten eingegeben werden. Die Datenschutzauflagen sind erfüllt, die Kontaktdaten werden nach vier Wochen vom Server gelöscht.“ Im Gastronomiebetrieb sehe niemand die Daten. Erst wenn das Gesundheitsamt im Falle einer Corona-Infektion die Namen von Kontaktpersonen benötige, könnten die Daten entschlüsselt werden.

Die Interessenvertretung will allen bremischen Gastronomen für den Neustart außerdem einen „Corona-Eindämmungs-Check“ durch qualifizierte und zertifizierte Hygienebeauftragte anbieten. Bei Begehungen begutachten sie die Hygiene- und Sicherheitskonzepte der Betriebe. „Wird der Nachweis erbracht, dass alle Regeln und Auflagen zur Eindämmung der Pandemie eingehalten werden, erhält der Betrieb ein Zertifikat und einen Aufkleber, der dies bestätigt“, so Lieder. „Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, damit wir sofort starten können.“ In der übernächsten Woche soll es laut Lieder dazu ein Treffen in der Gesundheitsbehörde geben.

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Auch bei der Messe Bremen laufen die Vorbereitungen für den Tag, an dem Veranstaltungen mit Ausstellern und Besuchern während der Pandemie wieder möglich sind: „Wir werden ebenfalls auf digitale Kontakterfassung setzen, anders ist das gar nicht machbar“, sagt Sprecherin Christine Glander. „Selbst wenn wir von ganz anderen Veranstaltungskonzepten ausgehen müssen, sprechen wir über Hunderte und Tausende Besucher. Derzeit sind wir mit Anbietern für eine entsprechende App-Lösung im Gespräch.“ Auch wenn es noch Monate dauern sollte, bis es wieder Veranstaltungen gebe, sei es wichtig, darauf vorbereitet zu sein.

Nicht nur im Veranstaltungsbereich sind digitale Konzepte für die Registrierung von Besuchern die Alternative: Die Bremer Heimstiftung hat sich größtenteils bereits von der Zettelwirtschaft verabschiedet. Der Betreiber mit etwa 3000 Bewohnern und 2500 Beschäftigten setzt seit Jahresbeginn auf die digitale Kontakterfassung. „Besucher scannen mit der Kamera ihres Smartphones einen QR-Code und geben ihre Daten in ein digitales Registrierungsformular ein“, erklärt Silke Beer, Sozialdienstleiterin im Stiftungsdorf Fichtenhof.

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„Dieses System ist schneller und unkomplizierter. Und der Papierverbrauch sinkt.“ Besucher, die kein Smartphone haben, könnten ihre Daten nach wie vor auf dem herkömmlichen Weg angeben. Bis jetzt sei die digitale Erfassung an sechs Standorten im Einsatz, weitere sollen folgen. Das System sei nach datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten geprüft. Nach vier Wochen würden die Daten vom Server gelöscht. Beer: „Man kann als Nutzer zustimmen, dass sie länger erhalten bleiben.“ Die digitale Lösung soll auch Therapeuten und Ärzten, die immer wieder in den Häusern zu tun hätten, angeboten werden. „Auf jeden Fall ist das sehr effizient. Und das Gesundheitsamt wird bei der Kontaktnachverfolgung entlastet.“

Erste Erfahrungswerte mit digitaler Registrierung von Kontaktdaten hat bereits auch Werder Bremen gesammelt – im September beim Heimspiel gegen Hertha. Damals durften knapp 8000 Zuschauer ins Stadion. Ticketkäufer mussten beim Buchungsprozess die Personalien angeben, die Tickets wurden genau nach Block, Reihe und Sitz verkauft, Stehplätze gab es nicht. Wurden die Tickets weitergegeben, mussten sich auch die Neu-Käufer bei Werder registrieren.

Im Logenbereich mussten sich die Zuschauer über einen QR-Code registrieren. Laut Verein sei sichergestellt gewesen, dass die gesammelten Daten bei Werder bleiben. Laut Pressesprecher Christoph Pieper wird derzeit geprüft, ob die Ticket-Variante mit einem QR-Code auch für den gesamten Stadionbereich möglich wäre. „Wir schauen uns derzeit mehrere Möglichkeiten an und prüfen auch Angebote von externen Dienstleistern“, sagt Pieper. Im Verein rechnet man intern allerdings erst für den Herbst 2021 wieder mit Zuschauern im Weserstadion.

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Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version hatte es geheißen, die App solle den Mitgliedern kostenpflichtig angeboten werden. Das stimmt nicht. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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