Gastkommentar zur Bremer Innenstadt Bremen - den Wandel der Stadt umsichtig gestalten

Die Entwicklung der Bremer Innenstadt muss neu gedacht und umsichtig gestaltet werden, meint Gastautorin Ulrike Mansfeld von der Hochschule Bremen.
07.08.2021, 18:22
Lesedauer: 2 Min
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Von Ulrike Mansfeld

Der zweite Bremer Innenstadt-Gipfel Ende April bot Anlass, folgende Punkte in den Fokus zu nehmen, sie haben mehr Gültigkeit denn je.

1. Positionen: Wir werden alle von eingeübten Positionen Abstand nehmen müssen und erkennen, dass nicht alles planbar ist und dass wir von Geplantem abrücken dürfen – mit Weitblick und Toleranz.

2. Perspektiven: Es gilt, über den Tellerrand zu schauen, auf die andere Weserseite, von binnen nach buten, die Perspektive derer einzunehmen, die nicht hier sind, die sich nicht angesprochen fühlen, die auf der grünen Wiese einkaufen, die nicht in Bremen leben, obwohl sie dort arbeiten. Der Wandel vollzieht sich lokal wie global, in Abhängigkeit von Stadt und Land.

3. Konventionen: Unsere Grundfeste werden wir erschüttern sehen. Stichworte: Denkmalschutz, Öffnungszeiten, Mietverhältnisse, Baunutzungsverordnung, Straßenverkehrsordnung. Kunst, Kultur, Kirche, Märkte – alles müssen wir neu denken lernen. Gotteshäuser, Rathaus, Bürgerschaft – wir sollten sie öffnen. Ein Sonntag könnte so aussehen: Brunch in der unteren Rathaushalle, geöffnet zum Marktplatz, Andacht um 12 Uhr im Haus der Religionen, danach ein Schlendern zum Markt der lokalen Produkte. Denn sonntagnachmittags kaufen wir am meisten ein, im Moment vom Sofa aus über Amazon, wenig nachhaltig und meist beliebig. Lasst uns ein alternatives Angebot analogen Erlebens schaffen, mitten im Herzen der Stadt: duftend, greifbar, ansehnlich, nachhaltig und dann am Nachmittag in den Wallanlagen sonnen, baden, Boule.

4. Informationen: Warum weiß Amazon-Gründer Jeff Bezos, was ich einkaufe und Bürgermeister Andreas Bovenschulte nicht? Bremen könnte eine digitale Plattform bauen, die allen Zugang zu ihren Daten sichert. Das bringt Erkenntnis, und auf guter Datenlage lässt sich besser entscheiden.

5. Generationen: In den Debatten über die Zukunft unserer Stadt fehlen unsere Eltern wie unsere Kinder, und es fehlen die Studierenden. Holen wir sie mit an den Tisch. Fragen wir sie, wie sie sich ihren Campus in der Stadt vorstellen. Denn sie sind keine stadtbelebende Mietmasse, deren Bedürfnisse hinter Behördentüren ausgehandelt werden. Vielmehr haben sie qualifizierte Vorstellungen von „Stadt“. Nutzen wir diese Impulse. Anstatt sie zu erdulden, fragen wir die Klimacamper vor dem Rathaus, was ihre Anliegen sind. Die Antworten werden nicht bequem sein, doch die Fragen sind alternativlos. Je früher wir sie stellen, umso eher wissen wir, wie weit der Weg noch ist.

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Zur Person

Unsere Gastautorin

ist Architektin und Professorin an der Hochschule Bremen, sie leitet als Dekanin die Fakultät Architektur, Bau und Umwelt. 

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