Das Weser-Strand-Porträt DLRG-Ausbildungsleiter Heiko Adler ist immer in Bewegung

Heiko Adler ist seit 40 Jahren ehrenamtlich für die DLRG tätig. Der 55-Jährige ist zudem begeisterter Marathonläufer - und das alles neben seinem Job als Kundenberater einer Speditionsfirma.
12.07.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Mario Nagel

Heiko Adler ist jeden Tag unterwegs, eine Pause macht der 55-Jährige selten. Seit 40 Jahren arbeitet er ehrenamtlich bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), seit 15 Jahren ist er ein begeisterter Marathonläufer. Bis zu fünf Mal die Woche trainiert Adler im Lauftreff „Lets Run Bremen“ – und das alles neben seinem Job. Der Kundenberater einer Speditionsfirma arbeite bis zu zehn Stunden am Tag, sagt er.

Wie er das alles unter einen Hut kriegt? „Das kann nur klappen, wenn man eine Familie hat, die mitspielt“, sagt Heiko Adler und fügt an: „Das geht nur mit einem geschickten Zeitmanagement und Teamwork.“ Er brauche die Beschäftigung und könne nicht einfach nur herumsitzen. Seine Freizeit sei deshalb gut verplant. Selbst wenn er Urlaub mache, sei von Erholung keine Spur. „Wenn es in den Süden geht, sind Laufen und Schwimmen ein zentraler Bestandteil.“ Geht es dagegen in die Berge, stünden Wandern und Fahrradfahren auf dem Programm. „Ich bin eher der Aktivurlaub-Typ“, sagt Heiko Adler.

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Dass der 55-Jährige immer in Bewegung sein muss, hatte sich schon früh abgezeichnet. Als Fünfjähriger lernte der gebürtige Bremer im Bultensee zu schwimmen, knüpfte bereits hier die ersten Kontakte bei der DLRG, wie er sagt. Die DLRG hat hier eine Rettungsstation, die habe ihn schon früh fasziniert. Als Heiko Adler im Jahr 1980 seinen Rettungsschwimmer ablegte, war der Grundstein für seine ehrenamtliche Karriere gelegt. „Ich habe die Kameradschaft bei der DLRG kennen und schätzen gelernt“, sagt Adler.

Es folgten Fortbildungen, der Lehrschein für die Schwimmausbildung und die Ausbildung zum Bootsführer. Er war ein paar Jahre im Wasserrettungsdienst tätig, zog sich hier aber irgendwann etwas zurück. „Es geht viel Freizeit für das Ehrenamt drauf. Aber das Thema Ausbildung ist geblieben“, sagt Adler. Dass er ein bisschen kürzer trat, dürfte auch an seiner Frau Andrea gelegen haben. Im Jahr 1984 hatte er sie bei den Rettungsschwimmern kennengelernt. Mit ihr hat der 55-Jährige zwei Kinder, heute 23 und 26 Jahre alt.

Sein Wissen weitergeben

Ab dem Jahr 1986 verlagerte sich Adlers Tätigkeit deshalb auf das OTe-Bad in Osterholz. Hier leitete er für knapp 25 Jahre die Schwimmausbildung. „Man gibt sein Wissen weiter, das finde ich wichtig.“ Seit 2005 gehört Heiko Adler zudem dem zehnköpfigen Landesvorstand der Bremer DLRG an, ist hier ebenfalls als Leiter für die Ausbildung zuständig. Am Beckenrand steht er dabei nur noch selten, es seien eher organisatorische Arbeiten. „Wir planen die Ausbildung zum Rettungsschwimmer”, sagt er.

Weniger planen und mehr anpacken heißt es dagegen, wenn es um sein Haus geht. Heiko Adler und seine Frau Andrea würden vieles selber machen, sagt der 55-Jährige. „Wir haben die Treppe erneuert, den Garten umgestaltet sowie die Böden und Fliesen im Haus neu gemacht.“ Das alles kommt noch hinzu zu seinem Job und dem Ehrenamt bei der DLRG. Und zu seiner zweiten Leidenschaft, dem Laufen.

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Zu dieser Sportart sei er nur aus einem simplen Grund gekommen: „Ich esse gern“, sagt Adler und lacht. Diese Antwort habe er mal der Tochter eines Freundes gegeben, die für ihre Studienarbeit Marathonläufer befragte, warum sie diesem Sport nachgehen. Als Heiko Adler im Jahr 2000 bei einem Kundentermin nur schnaufend die Treppe hochgekommen sei, habe er anschließend mit dem Laufen angefangen. Ein neuer Arbeitskollege, der bereits einige Marathons absolviert hatte, führte ihn schließlich in diese Welt ein. „2005 bin ich dann in Bremen meinen ersten Marathon gelaufen.“

Elf weitere sind es seither geworden, darunter auch in Hamburg und Köln. In diesem Jahr wollte er mit seiner Frau Andrea den Marathon in New York laufen. Seit einem Jahr ist schließlich auch sie ein Teil des Lauftreffs. „Aber Corona kam dazwischen“, sagt Adler. Das Thema sei jedoch nicht vom Tisch. Bis auf die Planung seiner Aktivurlaube – den Marathon in Köln wollte der 55-Jährige in diesem Jahr mit seinen Töchtern laufen – habe ihn das Coronavirus ansonsten nicht so sehr beeinträchtigt. „Ich habe etwas Glück gehabt.“

Ehrenamt leidet unter der Pandemie

In der Speditionsfirma habe er normal weiterarbeiten können, auch seiner Lauf-Leidenschaft konnte er weiterhin nachgehen. Lediglich das Ehrenamt bei der DLRG habe unter der Pandemie gelitten. „Und es leidet immer noch“, sagt Heiko Adler. Keine Ausbildungen für Rettungsschwimmer, keine Schwimmausbildungen für Kinder. „Es gibt großen Nachholbedarf“, sagt Adler. Viele Eltern würden sich heute zudem darauf verlassen, dass ihre Kinder spätestens in der Schule das Schwimmen lernen.

„Aber ich finde das verantwortungslos“, sagt Heiko Adler. Bevor ein Kind in die Schule komme, sollte es schwimmen können, sagt er. „Aber viele Eltern übernehmen diese Verantwortung nicht.“ In den Sommerferien gibt es deshalb im Unibad ein großes Projekt der Bremer Bäder, des Landesschwimmverbandes Bremen, des Landessportbundes Bremen und der DLRG. „Wir wollen 1000 Kindern das Schwimmabzeichen abnehmen, das ist unser Ziel.“ Dafür muss in kurzer Zeit viel geplant werden. „Aber für die Kinder sind die Prüfungen und Schwimmabzeichen ganz großes Kino.“ Die stressige und kurze Vorlaufzeit seien für Heiko Adler aber kein Problem. Kein Wunder: Viel Zeit zum Ausruhen gibt er sich ohnehin nicht.

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