Platz 11 beim Copenhagenize-Index 2019

Bremen eine der fahrradfreundlichsten Städte weltweit

Dass Bremen viel für den Radverkehr macht, haben Vergleiche wie der ADFC-Fahrradklimatest schon gezeigt. Jetzt gehört die Hansestadt auch zu den Spitzenreitern weltweit.
05.07.2019, 11:46
Lesedauer: 3 Min
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Bremen eine der fahrradfreundlichsten Städte weltweit
Von Carolin Henkenberens
Bremen eine der fahrradfreundlichsten Städte weltweit

Radfahrer auf dem Marktplatz in Bremen: Die Stadt hat es auf Platz elf eines weltweiten Rankings geschafft.

Christina Kuhaupt

Bremen belegt in einem Vergleich der fahrradfreundlichsten Städte der Welt den elften Platz. Die Hansestadt schneidet als beste deutsche Stadt ab, vor Berlin (Rang 15) und Hamburg (Rang 20). Die radfreundlichsten Städte sind Kopenhagen, Amsterdam, Utrecht, Antwerpen und Straßburg. Zu diesem Ergebnis kommt der Copenhagenize-Index, der rund 600 Städte weltweit bewertet hat.

Bremen ist erstmals in den Top 20 des weltweiten Rankings vertreten und wird von den Machern als „Newcomer“ bezeichnet. Das Ergebnis bestätigt die Erkenntnisse des ADFC-Fahrradklimatests, wonach Bremen die fahrradfreundlichste deutsche Großstadt ist. Nicht nur das: Bremen ist auch die einzige deutsche Stadt, die sich verbessert hat. Berlin war im vorherigen Ranking noch fünf Plätze besser, Hamburg rutschte drei Ränge ab, München ist nach Platz 15 im Jahr 2017 nun gar nicht mehr in den Top 20 zu finden.

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Der Copenhagenize-Index untersuchte neben Hauptstädten auch Städte mit mehr als 600 000 Einwohnern, wobei in einigen Fällen wie Bremen oder Antwerpen unklar bleibt, ob städtisches Umland einbezogen worden ist. Zu den 14 Bewertungskriterien zählte das Ausmaß an Radverkehrsinfrastruktur, etwa eigene Wege für Radfahrer oder die Verfügbarkeit von Leihrädern. Ebenso wichtig für die Bewertung war der sogenannte „Modal Split“, also der Anteil von Radfahrern am gesamten Verkehrsaufkommen. In Bremen beträgt er 25 Prozent. Durchgeführt wird der Vergleich seit 2011 alle zwei Jahre vom dänischen Planungsunternehmen Copenhagenize.

"Mit 674 Kilometern physisch abgetrennten Radwegen können Einwohner auf das Fahrrad als praktisches Transportmittel für jeden Tag zählen", heißt es in der Bewertung für Bremen. Ebenso loben die Autoren des Rankings die Fahrradquartiere, die bis 2025 geplanten acht Premiumradrouten und den roten Fahrbahnbelag in der Parkallee. Bremen erreichte eine Bewertung von 58,9 Prozent. Zum Vergleich: Siegerstadt Kopenhagen liegt bei 90,2 Prozent. Knapp hinter Bremen mit 58,1 Prozent liegt die Hauptstadt Kolumbiens, Bogotá. Hamburg wird bescheinigt, viel für die Radfahrer erreichen zu wollen, aber von erfolgreicheren Städten verdrängt worden zu sein.

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Die Bremer Platzierung im Copenhagenize-Index wird von der Politik überwiegend sehr erfreut aufgenommen. "Wir sind erstmalig vertreten, das ist eine Anerkennung dafür, dass wir in Bremen ganz klar darauf setzen, dass Radverkehr eine maßgebliche Rolle spielt", sagt Ralph Saxe, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion. Er freut sich, dass im rot-grün-roten Koalitionsvertrag festgehalten wurde, dass der Etat für Rad-Infrastruktur vervierfacht werden soll. Dieser habe bislang zwei Millionen Euro jährlich betragen, sagte der Sprecher der Verkehrsbehörde.

"Wir sind schon weit gekommen", sagt Klaus-Rainer Rupp von der Linkspartei. "Ob wir diesen Platz halten können, liegt aber auch an der Frage, ob wir Zukunftsinvestitionen kreditfinanzieren dürfen." Der Investitionsstau bei Radwegen müsse behoben werden. Investitionen in Radverkehr könnten Folgen wie Luftverschmutzung oder noch mehr Staus vermeiden. Falk Wagner von der SPD sagt: "Radverbindungen in innenstadtnahen Stadtteilen sind schon gut ausgebaut, aber die in innenstadtferneren müssen wir verbessern." Eine Fahrradbrücke von Links der Weser nach Hemelingen, liege seiner Partei am Herzen, weil sie die Gewerbegebiete anbindet.

„Es ist prima, wenn Bremen bei solch einer Studie gut abschneidet, es ist aber kein Grund sich zurückzulehnen", teilt Heiko Strohmann (CDU) mit. Die 2014 im Verkehrsentwicklungsplan beschlossenen Fahrrad-Premiumrouten ließen auf sich warten. Auch bemängelt er, dass Fahrradstellplätze an Bahnhöfen fehlten. Diese seien vor allem für Berufspendler wichtig. „Das Geld, was wir für Radwege ausgeben, sollten wir lieber in Instandsetzung investieren", findet Thore Schäck (FDP). Eine moderne Großstadt lebe nicht nur vom Fahrrad, man brauche auch gut fließenden Autoverkehr und ÖPNV. Frank Magnitz (AfD) sagt, die fahrradfreundliche Bremer Regierung vergesse, dass Bremen als Produktions- und Hafenstandort auch eine Autostadt ist.

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