Reaktion auf Terror in Hanau

Bremen erhöht Polizeipräsenz

Ein schweres Gewaltverbrechen erschüttert Hanau. Insgesamt gibt es elf Tote, weitere Menschen wurden schwer verletzt. Auch in Bremen sind die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden.
20.02.2020, 18:27
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Von Ralf Michel, Patrick Reichelt, Maren Beneke und Max Seidenfaden
Bremen erhöht Polizeipräsenz

Die Fatih-Moschee in Gröpelingen.

Christina Kuhaupt

Nach dem Attentat von Hanau sind die Sicherheitsmaßnahmen in Bremen erhöht worden. Daniel Heinke, Leiter des Bremer Landeskriminalamts (LKA), teil­te mit, dass die Polizei vor einer Moschee in Gröpelingen sowie in der gesamten Stadt nun mehr sichtbare Präsenz zeigen wird. Zudem stehe man in engem Kontakt zur Schura, der Islamischen Religionsgemeinschaft Bremen, und zur jüdischen Gemeinde. Polizeipräsident Lutz Müller ergänzte: „Wir wollten ein Signal setzen und möglichen Trittbrettfahrern von vornherein Grenzen aufzeigen.“

In der Nacht zu Donnerstag hatte ein 43-jähriger Mann im hessischen Hanau neun Menschen mit ausländischen Wurzeln erschossen und sechs weitere verletzt. Die ersten Schüsse waren den Ermittlern zufolge gegen 22 Uhr in einer Shisha-Bar gefallen, kurz darauf schoss der mutmaßliche Täter in einer weiteren Shisha-Bar und rund um einen Kiosk um sich. Stunden später entdeckte die Polizei die Leiche des 43-jährigen Deutschen in seiner Wohnung. Dort fanden die Ermittler auch die Leiche seiner 72-jährigen Mutter.

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Am Morgen nach dem mutmaßlich rechtsradikalen und rassistischen Anschlag teilte die Generalstaatsanwaltschaft mit, dass sie wegen Terrorverdachts ermittele. Behördenangaben zufolge hatte der mutmaßliche Täter, der Sportschütze gewesen sein soll, eine „zutiefst rassistische Gesinnung“. Das habe die Auswertung von Videobotschaften und einer Art Manifest im Internet ergeben, so Generalbundesanwalt Peter Frank.

In Bremen gab es am Donnerstagmorgen eine Bombendrohung gegen die Gröpelinger Fatih-Moschee. Laut Polizei überreichte ein Mitarbeiter der Moschee den Einsatzkräften eine ausgedruckte E-Mail, in der ein unbekannter Absender angekündigt hatte, dass vor Ort eine Bombe detonieren werde. Zudem enthielt der Text demnach rechtsextremistische Parolen. Polizisten durchsuchten das Areal, fanden aber keine Sprengkörper. Wie in einer Gefährdungsanalyse festgestellt wurde, besteht laut Landeskriminalamt kein Zusammenhang zwischen dem Attentat in Hanau und der Bedrohung der Moschee in der Hansestadt.

Erste Bombendrohung gegen eine Bremer Moschee

Nach Angaben des Schura-Vorsitzenden Murat Çelik war dies die erste Bombendrohung gegen eine Bremer Moschee. Für Freitagmittag haben die Schura und die Islamische Föderation Bremen zu einer Mahnwache aufgerufen, um gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus und Islamophobie zu setzen.

LKA-Chef Heinke sagte, es gebe „keinerlei Anhaltspunkte für eine erhöhte Gefährdungslage im Land Bremen“. Nach Angaben des Innenressorts stufen die Sicherheitsbehörden in Bremen eine niedrige einstellige Zahl von Personen als Gefährder im Bereich politisch-­motivierte Kriminalität rechts ein, keiner von ihnen sei auf freiem Fuß.

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Neben Bremen hat sich auch Berlin nach dem Attentat von Hanau entschlossen, seine Sicherheitsvorkehrungen auf den Prüfstand zu stellen. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte, er wisse, dass es bei vielen Menschen mit ausländischen Wurzeln in Berlin gerade viele Sorgen gebe. Deshalb habe er Vertreter der migrantischen Gemeinschaft zu einem Gespräch über die Sicherheitslage eingeladen. „Weil wir migrantische Einrichtungen selbstverständlich schützen.“

Eine beispiellose Enthemmung

„Wir müssen wachsam sein, aufbegehren und uns rechtsextremen Tendenzen noch stärker entgegenstellen, wo immer sie sich zeigen“, erklärte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff sagte, Taten wie die in Hanau zeigten, dass sich ein radikalisierter Einzeltäter kaum stoppen lasse. Und weiter: „Wir erleben eine beispiellose Enthemmung, die mit Drohbriefen oder Bombendrohungen wie heute bei der Gröpelinger Moschee beginnt, um irgendwann in so schrecklichen Taten wie in Hanau zu münden.“

Auch Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) drückte wie viele andere Politiker und Vertreter der Gesellschaft den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Er sagte, der Senat gehe davon aus, dass die Sicherheitsbehörden alles tun werden, um die Hintergründe „dieser offensichtlich rassistisch motivierten Tat schnell und gründlich aufzuklären“.

+ + + Dieser Text wurde um 22.02 Uhr aktualisiert + + +

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