Städte-Slogan Bremen erleben: Frech und selbstbewusst

Bremen. Bremen erleben - die Zeit dieses Slogans scheint zu Ende zu gehen. 'Ich finde es gut, dass darüber diskutiert wird', sagt der UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke. 'Und ich bin sicher, das am Ende ein neuer Spruch steht.'
12.01.2010, 19:38
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Von Bernd Schneider

Bremen. Bremen erleben - die Zeit dieses Slogans scheint zu Ende zu gehen. 'Ich finde es gut, dass darüber diskutiert wird', sagt der UN-Sonderbeauftragte für Sport, Willi Lemke. 'Und ich bin sicher, das am Ende ein neuer Spruch steht.' Ob sich am Ende der Leservorschlag durchsetzt, der den Karikaturisten Til Mette vom Hocker gehauen hat, wird sich zeigen: 'Wir können nix. Außer Fußball.' Mette: 'Find ich superwitzig.'

Mette hat lange in New York gelebt und ist inzwischen nach Hamburg gezogen. 'Das Dilemma Bremens ist, dass die Stadt von außen genau so wahrgenommen wird - über Fußball und Negativschlagzeilen.' Der Fall Kevin, Werften-Pleiten, Staatsverschuldung. Selbst den Landesvater Jens Böhrnsen kennt 'schon in Verden kein Mensch mehr'. Mette: 'So weit reicht die Strahlkraft eines guten, integren Bremers.' Über sich selbst spotten, bevor andere es tun - das sei in dieser Lage die Rettung. 'Wenn Bremen von sich Reden gemacht hat, dann mit dieser frechen, unorthodoxen Haltung' - wie Hape Kerkeling im Fernsehen, Harald Schmidt, und das Regionalmagazin 'buten und binnen'.

Auch wenn Bürgermeister Jens Böhrnsen Til Mettes Einschätzung nicht voll teilen kann, steht er doch auf dem Standpunkt: 'Ich finde diese Debatte richtig toll, ganz gleich, wie man zu dem Werbeslogan steht.' Sie setze 'unglaublich viel Kreativität frei'. Das zeige, 'dass die Menschen sich mit ihrer Stadt auseinandersetzen' und sich fragen: 'Wie können wir hier gutes noch besser machen'.

Willi Lemke, einst Bildungssenator in Bremen und Werder-Manager, findet 'Bremen erleben' völlig unkreativ. 'Das ist total austauschbar.' Berlin, Hamburg und Köln ließen sich schließlich auch 'erleben'. Ein treffender Slogan müsse auf die Traditionen Bremens anspielen, und gleichzeitig die Zukunftsfähigkeit der Stadt positiv herausstellen. 'Bremen - das ist Eiswette, Schaffermahl, aber genau so gut Raumfahrt und Galileo.' Ein bisschen frech, selbstironisch und selbstbewusst dürfe so ein Slogan schon sein. Auch wenn er das Texten eines Slogans Fachleuten überlassen will: Allein die Diskussion verbucht Lemke als Gewinn: 'Das ist spaßig, witzig, interessant.'

Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel dagegen geht mit einem eigenen Vorschlag ins Rennen: 'Bremen. Alle reden von der Zukunft, wir gestalten sie.' So könne Bremen nach außen werben und sich nach innen selbst verpflichten, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen. 'Wir müssen die Wirtschaft über die Wissenschaft stärken', sagt Hickel. Auch der ökologische Umbau müsse fortgesetzt werden - Bremen als Standort für regenerative Energien wie Wasser- und Windkraft. Und schließlich müssten die sozialen Spannungen weiter abgebaut werden. Hickel: 'Das ist sehr wichtig, was die Regierung unter Jens Böhrnsen auf diesem Feld leistet.'

Einen eigenen Vorschlag hat auch Bau- und Umweltsenator Reinhard Loske: 'Bremen. Grün. Gut. Gastfreundlich.' Mit 'Bremen erleben' jedenfalls verbindet der Senator eher die politischen Fehden, die er bislang durchgestanden hat.

'Bremen erleben - am meisten kann der frühere Bürgermeister Henning Scherf diesem Slogan noch abgewinnen. Zwar findet auch er ihn 'ein bisschen beliebig' und 'austauschbar'. In der Sache treffe er aber: 'Man kann Bremen toll erleben.' Theater, Museen, Musikszene, eine lebendige Innenstadt, der Schnoor, das Viertel - da lässt sich städtisches Leben wunderbar erleben. 'Und setzen Sie sich mal im Sommer an die Schlachte, während die Sonne über der Weser untergeht.'

'Relativ trutschig.' So findet buten-un-binnen-Moderator Andreas Neumann den aktuellen Bremen-Slogan. Die Stadt sollte eher 'selbstironisch' und 'witzig' auftreten, aber auf ihre Stärken hinweisen, sich 'nicht selbst niedermachen'. Ungeeignet fände er auch Hinweise auf die Wirtschaftskraft. Ziel eines Slogans sei ja in erster Linie, Reisende zu gewinnen, nicht Fachleute. 'Bei Bremen denkt man an die Stadtmusikanten oder etwas Maritimes.' Das solle sich auch in einem Slogan spiegeln.

'Sehr berechtigt' findet schließlich Handelskammer-Präses Lutz Peper die Debatte. Ein 'individuellerer' Slogan sei einerseits zwar wünschenswert. Andererseits sei die Wirkung begrenzt. In der Medienflut gingen sie leicht unter. Wenn große Konzerne auf diesem Gebiet Erfolg hätten, 'dann stecken Millionen dahinter' - weit mehr, als Bremens Etats hergeben. Im eigenen Unternehmen, so Peper, verzichte er längst wieder auf einen Slogan.

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