Lachyoga im Bürgerpark Bremen feiert 20. Weltlachtag

In Bremen haben rund 80 Menschen mit einer Stunde Lachyoga im Bürgerpark den Weltlachtag gefeiert. Denn: Lachen hält gesund und macht glücklich.
06.05.2018, 19:19
Lesedauer: 3 Min
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Bremen feiert 20. Weltlachtag
Von Antje Stürmann

"Man merkt sofort, dass Lachen etwas bewirkt", sagt Lach- und Humortrainerin Sabine Heimes-Freesemann. "Ja, man kriegt Bauchschmerzen", ruft ein älterer Mann. Alle beginnen zu lachen. In diesem Moment tun sie ihren Körpern und ihren Seelen etwas Gutes, ist Sabine Heimes-Freesemann überzeugt. Denn Lachen, sagt sie, sei gesund und verbessere die Lebensqualität. Rund 80 junge und ältere Menschen, Männer und Frauen haben das am Sonnabend anlässlich des 20. Weltlachtages im Bürgerpark ausprobiert.

Der indische Arzt und Begründer des Lachyoga Madan Kataria soll den ersten Sonntag im Mai zum Lachtag ernannt haben. Überall auf der Welt lachen sie an diesem Tag öffentlich. In Bremen hat die Lachschule von Sabine Heimes-Freesemann zum gemeinsamen Lachen und Atmen unter freiem Himmel eingeladen.

"Ich gehe positiver durchs Leben"

Nahe des Marcusbrunnens, im Schatten eines großen Baumes kamen sie zusammen, die Lachwilligen. "In der ersten Stunde Lachyoga dachte ich: ,Das ist doch komisch, wenn man auf Kommando lachen soll'", raunt Angelika Bornhöft, während Sabine Heimes-Freesemann die Erwärmung beginnt. Seit April geht Bornhöft regelmäßig zum Lachyoga und weiß: "Ich gehe positiver durchs Leben."

Lachyoga, das heißt für Angelika Bornhöft wieder ausgelassen sein zu können wie ein Kind. Loslassen vom Alltag, den Stress hinter sich lassen. "Manchmal denke ich im Kurs, die haben sie nicht alle. Dann fangen alle an zu lachen und alles ist gut." Lachyoga-Neuling Tanja Zarnke geht es auch so: "Das Lachen befreit", sagt sie. Das habe mit der Entspannung zu tun, glaubt Christa Ammersbach, die seit sechs Jahren Lachyoga betreibt. "Man atmet bewusster und fühlt sich glücklicher." Und das, sagt sie, färbe auf die Mitmenschen ab.

Rings um die Gruppe wehen Fahnen in Form von Fröschen, sind Smileys auf Luftballons und Fahrradklingeln zu sehen. Heimes-Freesemann verteilt ein imaginäres Lachvirus. Auch Astrid Lesins* Zeigefinger tippt sie an. Im vergangenen Jahr ist Lesins Ehemann gestorben. "Ich wollte wieder lachen", sagt sie. "Deshalb bin ich zum Lachyoga gegangen." Im Kurs haben sie angefangen zu lachen und sich die Bäuche gehalten. Lesin fing an zu weinen. "Da kam die ganze Trauer aus mir heraus", sagt sie. "So habe ich mich wieder gefangen."

Wir müssen mehr lachen

Heute kann Lesin ohne einen Anlass lachen – nämlich immer dann, wenn sie es braucht. "Ja, Lachen bringt einen in Stimmung und man bleibt gesund", bestätigt Heimes-Freesemann. "Man muss sich nur erlauben zu lachen." Dann lässt sie die 80 Frauen und Männer ihre fiktiven "Lachbrillen" aufsetzen. Die Ersten prusten beim Anblick des Nachbarn los. Die Lachforscher haben laut Heimes-Freesemann herausgefunden, dass Kinder täglich 300 bis 400 Mal lachen. "Bei Erwachsenen sind es nur acht bis 15 Mal." Das war der Grund, warum Heimes-Freesemann eine Lachschule gegründet hat: "Wir müssen mehr lachen. Wir sind viel zu ernst, grübeln zu viel und machen uns zu viele Sorgen." Natürlich gebe es im Leben auch schlechte Phasen. "Die dürfen uns das Leben nicht vermiesen", fordert sie. Darum schult die Trainerin Mitarbeiter von Betrieben, leitet Lachgruppen und -workshops. Sie lacht mit der Rheumaliga und allen, die gesund bleiben wollen.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet der pensionierte Professor für Kulturgeschichte, Rainer Stollmann, das Lachen. Der Wissenschaftler glaubt, dass Lachen für die Entwicklung der Persönlichkeit wichtig ist. Lachen löse Angst auf, sagt er: "Ängstliche Menschen können sich nicht emanzipieren, um selbstständige Individuen zu werden." Lachen sei eine lustvolle Ablösung von Abhängigkeiten – erst von der Mutter, später von Autoritäten. Aus diesem Grund habe der Philosoph Platon in der Antike das Lachen verboten. "Lachen ist Kontrollverlust. Wer lacht, ist unbeherrscht." Erst seit dem 18. Jahrhundert dürfe öffentlich gelacht werden. Jedes Lachen werde durch ein Kitzeln hervorgerufen. "Lachen ist die Reaktion auf einen Witz, Komik, was Lustiges", erklärt Stollmann. Das erste Wesen habe bereits vor acht Millionen Jahren gelacht – und damit Millionen Jahre, bevor sich die Sprache entwickelte. "Wenn Schimpansen-Mütter ihre Kinder kitzeln, glucksen die Kleinen vergnügt." Die richtigen Stellen müssen sie zufällig bei der Fellpflege entdeckt haben: unter den Achseln, an den Beinen und am Bauch, wo die Nerven empfindlich sind. Der Körper reagiere auf den Druckreiz mit einem Lach-Reflex, so Stollmann. "Im Körper des Lachenden herrscht Anarchie." Biologisch gesehen diene das Kitzeln der Entwöhnung: Die Mutter wende sich dem Nachwuchs zu, damit dieser von ihrer Brust ablasse. Zurzeit erforscht Stollmann die Lust am Lachen.

Herz-Kreislauf-Training

Zurück in den Bürgerpark: Lachen kann auch anstrengend sein, warnt Sabine Heimes-Freesemann. "Drei Minuten trainieren den Herz-Kreislauf so wie eine Viertelstunde leichtes Walken." Zwischen den "Ha-Ha-Has" und "Ho-Ho-Hos" atmen die Lachenden tief ein und aus. Sie legen die Hände auf ihre Herzen und auf die Bäuche. Innehalten. Passanten bleiben stehen und schauen sich das an.

Zum Schluss treten die Lachyoga-Fans ihre Sorgen und Nöte symbolisch in die Tonne: Deckel auf, Problem rein, Deckel zu. Sie klopfen sich anerkennend auf die Schultern, umarmen sich.

*Name von der Redaktion geändert

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