Förderung in den Ortsteilen Geld für Quartierszentren

Das neue Förderprogramm Lebendige Quartiere sichert im Bremer Südosten mehrere Quartierszentren und Verbünde. Pädagogen haben dadurch mehr Zeit für ihre eigentliche Arbeit.
29.03.2021, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Geld für Quartierszentren
Von Christian Hasemann

Seit vergangenem Jahr ist die Förderlandschaft in Bremen um ein weiteres Programm gewachsen. „Lebendige Quartiere“ heißt das vom Senat am 1. September 2020 auf den Weg gebrachte Landesprogramm, das eine Finanzierungslücke in den Quartieren schließen soll. Im Bremer Südosten kommen nun insgesamt fünf Quartierszentren und -verbünde in den Genuss einer dauerhaften Finanzierung.

Das Geld steht für sogenannte „benachteiligten Quartiere“ bereit, also Ortsteile, die besonders von materieller Armut, Arbeitslosigkeit und Sprachförderbedarf geprägt sind. Lebendige Quartiere ergänzt das Landesprogramm Wohnen in Nachbarschaften (Win) und das Bundesprogramm Soziale Stadt. Bisher haben sich Quartierszentren wie das Familien- und Quartierszentrum in der August-Bebel-Allee in der Neuen Vahr Nord über viele verschiedene Töpfe finanziert. Nun wird es dank des neuen Förderprogramms etwas einfacher. 60.000 Euro stehen als Sockelfinanzierung 2021 für die insgesamt 14 Zentren in der Stadt Bremen bereit.

Weg in die digitale Zukunft

In der Neuen Vahr Nord hat sich das Familien- und Quartierszentrum in der August-Bebel-Allee mit der neuen Förderung auf den Weg in die digitale Zukunft gemacht. „In der Pandemie läuft ganz viel perTelefon“, sagt Jörn Rabeneck, Vorsitzender des Trägervereins. Inzwischen laufe aber auch viel über Instagram, auf dem Ader nbieter über #familienundquartierszentrum zu erreichen, und Facebook.

„Wir mussten etwas tun, auch um unsere Honorarkräfte zu halten“, sagt Rabeneck. Er sieht in den Sozialen Medien für soziale Einrichtungen ein probates Mittel, um die Zielgruppen, gerade auch im Hinblick auf die Corona-Epidemie, zu erreichen.

Mit dem Förderprogramm wird außerdem eine Hausmeisterstelle mit zehn Stunden finanziert. „Das hört sich erst mal komisch an“, sagt Rabeneck. „Aber ein externer Hausmeisterdienst hat unkalkulierbare Kosten.“ Ebenfalls mit zehn Stunden Personalkosten wird eine Verwaltungskraft beschäftigt. „Die übernimmt für uns die ganze Büroorganisation.“ Anträge, Abrechnungen, Buchhaltung – das koste viel Kraft. „So können wir unseren Pädagogen freie Fahrt geben“, freut sich Rabeneck. Daneben konnten neue Sachmittel für den Elterntreff gekauft und kleinere Projekte angeschoben werden.

Mehr Zeit für Sonderpädagogen

In Hemelingen sieht Conny Nerz, Koordinatorin des Mehrgenerationenhauses Mobile, echte Erleichterung für die Arbeit im Quartierszentrum. „Das große Plus ist, dass wir mit diesen Mitteln Personalstunden für die Verwaltung bezahlen können, das ging vorher nicht.“ Seit wenigen Wochen arbeitet eine zusätzliche Verwaltungskraft im Mobile, die die Öffentlichkeitsarbeit und die Pflege der Homepage übernommen hat und, wenn sie weiter eingearbeitet ist, die Verwaltung der zahlreichen Förderanträge übernehmen soll. „Das muss alles erst einmal gelernt werden“, so Nerz. „Wo kann man was für wen beantragen“, formuliert es die Sozialpädagogin, die mit ihren Kollegen und Kolleginnen bisher viel Zeit darauf verwenden musste. „Aber das ist ja eigentlich nicht unsere primäre Aufgabe, sondern die sozialpädagogische Arbeit und die Netzwerkarbeit.“ Um deutlich zu machen, wie sich die Angebote des Mobiles finanzieren: Nerz spricht von 20 verschiedenen Töpfen, auf die das Quartierszentrum zurückgreift. Und für alle Förderprogramme müssen Anträge formuliert und hinterher abgerechnet werden. Bei wiederkehrenden Angeboten jährlich.

Erleichterung bei Verwaltungsarbeit

Nerz verspricht sich mit der Abgabe eines Teils der Verwaltungsarbeit daher eine echte Erleichterung. „Es geht aber gar nicht so sehr darum, unbedingt neue Angebote zu machen, sondern eigene Gruppen anzubieten, die wir dann selber leiten.“ Bisher wurden für viele Kurse externe Kräfte angeworben, die dann wieder bezahlt werden müssen.

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Quartiersmanagerin Heike Schilling sieht in den Lebendigen Quartieren für das Win-Förderprogramm zumindest eine kleine Erleichterung. „Win wird etwas entlastet, aber die Mittel bleiben knapp.“ Insgesamt werde das Quartierszentrum gestärkt. „Weil vielleicht neue Projekte und neue Anschaffungen möglich sind.“ Das größte Problem werde aber auch mit dem neuen Programm nicht gelöst. „Das ist das Platzproblem. Was wir bräuchten, wäre ein Saal, wo man Gruppenangebote machen könnte.“

Verbund in Blockdiek

In Blockdiek musste sich erst ein neuer Verbund gründen, denn dort gibt es kein Quartierszentrum wie in der Vahr oder in Hemelingen. Im Quartier standen Projekte auf der Kippe, denn nach 2021 gilt Blockdiek nicht mehr als Win-Gebiet. Damit fallen auch die Mittel aus dem Förderprogramm weg, mit denen mehrere Schlüsselprojekte, darunter Angebote des Mütterzentrums, der Jugendhütte und des Kulturtreffs, in dem Quartier finanziert wurden. Verbundpartner sind der Beschäftigungsträger Bras, die Bremer Sportjugend, der Verein DEVA – Interkulturelle Kompetenz in der Kinder- und Jugendhilfe, der Ellener-Hof-Kulturverein, die Hans-Wendt-Stiftung und das Mütterzentrum Vahr-Blockdiek. Das Geld aus Lebendige Quartiere deckt Personal- und grundlegende Betriebskosten der Einrichtungen ab.

Im Schweizer Viertel bilden das Mehrgenerationenhaus in der Graubündener Straße und das ZIBB - Zentrum für Information, Bildung und Beratung in der St.-Gotthard-Straße ein gemeinsames Quartierszentrum. Die 60.000 Euro Förderung werden also geteilt.

https://www.weser-kurier.de/bremen/stadtteile/stadtteile-bremen-sued_artikel,-geld-fuer-lebendige-quartiere-_arid,1962609.html

Info

Zur Sache

Teilhabe-Chancen verbessern

Das Förderprogramm „Lebendige Quartiere“ fußt auf insgesamt vier Säulen: Der Absicherung und Förderung von Quartierszentren, der Förderung von Sonder- und Kleinstgebieten, wie zum Beispiel Bremen-Marßel, der Förderung sich gerade entwickelnder Quartiere sowie einem Innovationstopf zur Schließung von Lücken in der Förderlandschaft. Während die Förderung der Quartierszentren schon auf dem Weg gebracht ist, laufen für die anderen Zweige des Programms derzeit Interessenbekundungsverfahren. Ziel ist es, damit die Teilhabe-Chancen zu verbessern und die Armutsfolgen im Quartier zu bekämpfen. Damit verbunden wird der integrierte Ansatz der Stadtentwicklung vor Ort gestärkt und von den Beteiligten eingefordert.

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