Bremer Stiftungshaus

Der Netzwerker

Unternehmer Harald Emigholz ist neuer Vorsitzender des Bremer Stiftungshauses. Und er hat gute Beziehungen für sein neues Ehrenamt.
14.07.2020, 05:00
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Der Netzwerker
Von Frauke Fischer
Der Netzwerker

Der neue Vorstandsvorsitzende Harald Emigholz und Geschäftsführerin Ingrid Bischoff.

Christina Kuhaupt

Ein Netzwerk ist wichtig, eine gute Verbindung in die verschiedenen Bereiche der städtischen Gesellschaft. Dass Harald Emigholz darüber verfügt, ist nicht verwunderlich. Der Bremer Unternehmer ist hier verwurzelt. Reifen sind über Jahrzehnte sein Geschäft gewesen. Inzwischen hat er das Familienunternehmen in die Hände seines Sohnes Christian abgegeben. Und ihm bleibt seit dem Wechsel mehr Zeit fürs Ehrenamt im Bremer Stiftungshaus.

Da ist dem Bremer seine Zugehörigkeit zur Handelskammer und als Kaufmännischer Schaffer zur Stiftung Haus Seefahrt eine wichtige Basis. Emigholz wirkt an einem Ort für nun mehr als 100 Stiftungen und gemeinnützige Vereine, die im Bundesland aktiv sind. Wo er seinen Sitz hat, ist einst die Jacobs University als International University gegründet worden. Seine Räume an der Bürgermeister-Smidt-Straße im Haus des inzwischen verstorbenen Gründers, des Unternehmer Conrad Naber, nutzt das Bremer Stiftungshaus selbst nicht. Doch für die Aktiven wie Geschäftsführerin Ingrid Bischoff, ihre Kolleginnen Stephanie Hopfenblatt und Christine Thewes, aber eben auch für Vorstand, Besucherinnen und Besucher sind die innenstädtisch gelegenen Räume eine wichtige Anlaufstelle. Dass es ein Ort mit Geschichte ist, liegt nicht nur an der dortigen Gründung der großen privaten Universität, die in Grohn sitzt.

Das Stiftungshaus bewahrt sichtbar die Geschichte seiner Mitglieder, jener Stiftungen und Vereine also, die den Ort mit Leben füllen. So zieren deren Wappen und Urkunden die Wände, sie erinnern an größere und kleinere Einrichtungen, die sich um Menschen und Leben in der Stadt, um Bildung, Gesundheit und soziale Fragen kümmern.

„Corona hat uns einen neuen Schub gebracht“, sagt Ingrid Bischoff. „Wir haben sehr viele Anfragen, und wir sind eigentlich noch mitten in Corona. Die Krise ist nicht vorbei“, stellt die Geschäftsführerin im Kontakt mit Anrufern immer wieder fest. Sie kennt das Stiftungswesen auch durch ihre Arbeit für den Mitbegründer des Stiftungshauses, Bernd-Artin Wessels. Wichtig ist ihr, Verantwortung und Respekt dem anderen gegenüber zu zeigen. Manche Mitglieder, so betonen sie und Harald Emigholz, hätten nur kleine Förderlinien.

Da gehe es dann auch mal um eine Anfrage wie von „Entwicklungsbegleitung und Integration“, EBI, ob eine Stiftung den Schulstart für ein kleines Mädchen finanzieren könne. „Es hat sich tatsächlich eine Stiftung gefunden und Mutter, Kind und EBI glücklich gemacht. Das war die Stiftung Dr. Heines“, sagt ­Bischoff. „Ein anderes Mitglied ist der Verein Arco Bremen-Osterholz, der Kindern in Osterholz-Tenever den Zugang zur Musik schaffen möchte.“ Auch der Verein Wilhelm Kaisen Bürgerhilfe ist Bremern und anderen Besuchern bekannt, vor allem durch das Bremer Loch am Haus der Bürgerschaft. Wer dort Geldmünzen hinein wirft, unterstützt bedürftige Menschen in der Stadt.

Insgesamt, so geht aus der Liste der Innenbehörde hervor, gibt es in Bremen derzeit rund 330 Stiftungen. Sie fungieren als Einrichtungen, die die Zinserträge ihres Vermögens für die gute Sache nutzen oder als sogenannte Verbrauchsstiftung ihr Vermögen direkt einsetzen. „Das Geld wird knapper“, sagt Emigholz. Sein freiwilliges Engagement sieht er als Teil einer Gemeinschaftsaufgabe. Wenn am 1. Oktober in der Handelskammer der Stiftungstag begangen wird, möchten Organisatoren und Redner das Bremisches herausstreichen. „Im letzten Jahr stand Europa im Mittelpunkt“, erinnern Harald Emigholz und Ingrid Bischoff als Geschäftsführerin an das Motto in der Jacobs University in Grohn.

Wichtig ist für sie die Verbindung von Tradition und Moderne, von Klein und Groß. Da ist etwa die Bremer Schuloffensive, eine landesweit aktive Stiftung. Die hatte der inzwischen verstorbene Unternehmer und Ehrenbürger Bremens, Bernd Hockemeyer, mit dem früheren Senator Willi Lemke und dem Unternehmer Bernd-Artin Wessels gegründet. Das will Emigholz beim Stiftertag am 1. Oktober hervorheben. Und am 9. November gibt es ein Ereignis im Rathaus. „Unser Mitglied ALS Stiftung übergibt einen Preis an Professor Meyer von der Charité in Berlin“, so Bischoff. Der hat die erste ALS-Ambulenz in Deutschland gegründet. Für die Veranstaltung hat laut Ingrid BischoffGesundheitssenatorin Claudia Bernhard die Schirmherrschaft übernommen, freut sich Ingrid Bischoff über die gute Vernetzung in der Stadt.

Zum Europäischen Tag der Stiftungen am 1. Oktober ist unter dem Motto „Ganz bremisch“ ein Festvortrag des früheren Senators Volker Kröning in der Handelskammer Bremen geplant. Vorgesehen ist auch ein Auftritt der Bremer Philharmoniker.

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