380 Seiten für noble Besucher

Bremen hat ein neues Gästebuch

Bremen. Seit Montag gibt es in Bremens Rathaus ein neues Goldenes Buch. Ein Politiker aus Südafrika verewigte sich als Erster auf dem edlen Pergament. Seine Unterschrift landete allerdings nicht auf Seite eins. Die ist für noch höheren Besuch reserviert.
01.03.2010, 16:57
Lesedauer: 2 Min
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Von Sebastian Manz

Bremen. Seit Montag gibt es in Bremens Rathaus ein neues Goldenes Buch. Ein Politiker aus Südafrika verewigte sich als Erster auf dem edlen Pergament. Seine Unterschrift landete allerdings nicht auf Seite eins. Die ist für noch höheren Besuch reserviert.

Seit 1928 ist es in Bremen Brauch, dass sich wichtige Gäste ins Goldene Buch des Senats eintragen. Vier Bände haben Besucher seither mit Autogrammen und Grußworten gefüllt. Der fünfte liegt seit heute Nachmittag im Rathaus bereit.

380 Seiten stark und sieben Kilo schwer ist das neue Buch. Die Bremer Kunsthandwerkerin Birgit Drücker hat es in traditioneller Buchbindertechnik angefertigt. Eine Jury aus Bremer Kulturschaffenden und Mitarbeitern des Rathauses hatte den Entwurf von Drücker aus mehreren Bewerbungen ausgewählt. Vier Wochen lang arbeitete die Bremerin anschließend an ihrem Werk.

Der aufwendigste Teil war dabei der Einband. Er misst auf Vorderseite und Rücken je 40 mal 30 Zentimeter und ist aus rotem Leder gefertigt. Quadratische Prägungen symbolisieren die Bremer Speckflagge. Vier Messingknöpfe und eine Pergamenteinlassung zieren die Mitte des Buchdeckels. Das Papier ist mit stilisierten Autogrammen versehen. „Die Unterschriften sind schließlich der wichtigste Teil eines Goldenen Buches“, erklärt Drücker. Grünliche Kupferstreifen umrahmen das Pergament. Sie sind Teil des alten Rathausdaches und unterstreichen die enge Verbindung zwischen Buch und Haus.

Auch das Gold kommt im neuen Goldenen Buch nicht zu kurz. Ein Bremer Wappen und der Schriftzug „Gästebuch des Senats der Freien Hansestadt Bremen“ sind blattgolden in das Buch geprägt. Die Seitenränder sind in hauchdünnes Gold eingelassen und lassen das Papier bei geringstem Lichteinfall nobel schimmern.

Im Vorgängerbuch war der Platz für Widmungen eng geworden. Binnen 15 Jahren hatten sich die 320 Seiten gefüllt. Schneller als bei allen bisherigen Gästebüchern. Bürgermeister Jens Böhrnsen wertet das als gutes Zeichen. „Das zeigt, dass wir viele Gäste in der Stadt haben“, kommentierte der Senatspräsident.

Die erste Widmung im neuen Buch stammt von Mninwa Johannes Mahlangu. Er ist Vorsitzender des Rates der Provinzen der Republik Südafrikas und weilt für zwei Tage in Bremen. Auf die erste freie Seite des Goldenen Buches schaffte es seine Unterschrift allerdings nicht. Sie bleibt noch bis zum 3. Oktober frei. Dann finden in Bremen die zentralen Feierlichkeiten zur deutschen Wiedervereinigung statt. Vertreter sämtlicher Verfassungsorgane der Bundesrepublik werden zu diesem Anlass in der Hansestadt sein. Für sie ist die prominenteste Stelle des neuen Goldenen Buchs reserviert.

 

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