Hundebesuch freut Bewohner Mit Rune kommt das Glück ins Neustädter Pflegeheim

Karin Zimmer-Steinberg und ihr Retriever Rune sind für viele Bewohnerinnen und Bewohner des Diakonie-Hauses der „Leben im Alter gGmbH“ in der Neustadt ein Highlight der Woche.
28.06.2022, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Matthias Holthaus

Ursula Kessler sitzt an einem Tisch im Altenpflegeheim Kirchweg. „Ich bin ganz verliebt in den Hund“, ruft die 100-Jährige, während sie einem beigefarbenen Retriever über das weiche Fell streicht. Rune, so heißt der Hund, genießt derweil die Streicheleinheiten, die er im Übrigen regelmäßig erhält: Jede Woche besucht er die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses der „Leben im Alter gGmbH“ der Diakonie in der Neustadt.

„Der Hundebesuch ist ein wunderbares Angebot für Leute, die Freude am Umgang mit Tieren haben“, sagt Sozialdienstleiterin Christiane Pröllochs. Die Menschen im Haus hätten in früheren Zeiten oft ebenfalls Tiere gehabt und nun Freude an Rune. Christiane Pröllochs beschreibt einen weiteren positiven Effekt solch eines Hundebesuchs: „Frau Kessler nimmt sonst gar nicht an Veranstaltungen teil. Doch beim Hundebesuch kommt sie in das Café." Es gebe Menschen, die sich zurückziehen und sich dann aber über diese Kontakte freuen würden. „Und dann eben dieses Angebot auch annehmen, während sie zum Beispiel Gymnastik nicht so interessieren würde. Aber wenn dann der Hund kommt, dann ist das schon etwas Tolles. Und man merkt, dass es dem Hund genauso guttut.“

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Und während Ursula Kessler „den schönsten Hund der Welt“ weiterhin voller Hingabe krault, sitzt Karin Zimmer-Steinberg auf einem Stuhl in der Nähe und hat die Szenerie im Blick. Sie ist die Besitzerin von Rune. „Die Leute sind sofort offen, wenn der Hund kommt", sagt sie. "Die ganze Mimik verändert sich und die Menschen erzählen von ihrem Befinden, von zu Hause, von ihren Kindern. Das sind Glücksgefühle, die da freigesetzt werden.“

Ob auch bei Rune Glücksgefühle freigesetzt werden, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen – offensichtlich aber genießt er die Aufmerksamkeit und das Fellkraulen. Die Besuche im Seniorenheim machten sie bereits seit über einem Jahr, berichtet Karin Zimmer-Steinberg. „Ich habe mich vorher in der Stadtbibliothek über Ehrenämter informiert und überlegt, was für mich infrage kommen könnte. Es sollte etwas mit Menschen sein, und nun sind wir einmal in der Woche hier", erzählt sie.

Ursula Kessler hat derweil ihre Mundharmonika ausgepackt und spielt dem Hund und den Besuchern des Cafés etwas vor. „Rune ist sehr geduldig. Er geht auf die Bewohner zu und lässt sich streicheln. Und nach etwa anderthalb Stunden wird er dann etwas unkonzentriert und schläft erst einmal", sagt sein Frauchen. Für Einsätze wie diese müsse der Hund natürlich erzogen sein. „Das ist nun der dritte Retriever, den wir haben", sagt Karin Zimmer-Steinberg. "Der erste Hund, der war ganz wild, das wäre gar nicht gegangen.“

Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner nicht ins Café herunterkommen, kommen wir eben hoch.
Karin Zimmer-Steinberg, Hunde-Besitzerin

Nach dem ganzen Trubel rund um Rune laufen Karin Zimmer-Steinberg und der vier Jahre alte Hund dann nach Hause, nach Habenhausen. „Das ist gewissermaßen hier seine Arbeit, seine Aufgabe“, sagt sie, und gewiss spricht sie nicht nur über den Hund, sondern auch über sich, wenn sie sagt: „Man muss bereit sein, sich auf die Menschen einzulassen.“

„Und man muss bereit sein, mit alten Menschen zusammen zu sein“, ergänzt Christiane Pröllochs. Ebenfalls wichtig: „Wenn ein Hund keine Freude daran hat, geht es nicht.“ Rune jedenfalls hat Freude an den Mittwochs-Besuchen und ebenso Karin Zimmer-Steinberg: „Ich fühle mich hier auch wohl. Es ist ein angenehmes Klima, das habe ich von Anfang an gespürt.“ Und diese Wohlfühlatmosphäre erstrecke sich nicht nur über das Café, sondern über das ganze Haus, in dem Rune ebenfalls willkommen ist. „Wenn die Bewohnerinnen und Bewohner nicht ins Café herunterkommen, kommen wir eben hoch", sagt Karin Zimmer-Steinberg.

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In der ersten Etage liegt in einem sonnendurchfluteten Zimmer Christa Neddermann, die bereits sehnsüchtig auf den Besuch von Rune gewartet hat. „Meine Tochter hat ebenfalls zwei Hunde und ich bin ein totaler Hundefan. Und solch ein Besuch baut mich richtig auf", sagt sie. Ein ganzes Leben lang hätten sie Hunde begleitet, „man freut sich, wenn man Hunde hat. Das ist schon eine Bereicherung, so ein Hund“.

Sie habe Krebs, erzählt Christa Neddermann, und sie wisse nicht, wie lange sie noch lebe. „Krebs, da hat man ja auch mal trübe Gedanken“, sagt sie, doch so ein Besuch – „ja, so etwas baut auf. Man denkt dann doch mal: Wenn man Krebs hat, ist es bald zu Ende. Doch wenn dann Besuch oder solch ein Hund kommt, vergisst man das.“ Besuch hat sie auch von Mitbewohnerin Ute Goetze, die ebenfalls schon auf Rune gewartet hat: „Dieser Hund ist ganz brav“, sagt sie. "Wir hatten früher Wellensittiche.“

Sozialdienstleiterin Christiane Pröllochs steht weiteren Besuchen im Altenpflegeheim Kirchweg offen gegenüber. „Die Leute rufen mich an und dann treffen wir uns zum Gespräch. Und wenn alles passt, machen wir einen Termin aus.“ Auf den Hund müsse sich die Besitzerin oder der Besitzer verlassen können, ebenso sei Verlässlichkeit der Halterinnen und Halter wichtig, sagt sie: „Die Menschen freuen sich ja auch darauf.“

Zur Sache

Steckbrief

Verein/Projekt: Leben im Alter gGmbH, Haus am Kirchweg.

Engagementbereich: Besuch der Bewohnenden des Hauses mit einem Hund.

Aufgabe: Die Halterin oder der Halter besucht mit dem Hund regelmäßig einmal wöchentlich nachmittags die Bewohnerinnen und Bewohner im Café. Interessierte kommen dorthin und haben Kontakt mit Hund und Herrchen oder Frauchen.

Zeitaufwand: einmal wöchentlich von 15.30 bis 16.30 Uhr.

Kontakt: Sozialdienstleiterin Christiane Pröllochs, Telefon 52 55 521, E-Mail: proellochs@lia-diakonie.de, Leben im Alter gGmbH, Website https://lia-diakonie.de/

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