Aktion in der Innenstadt gut angenommen

Impfung für Obdachlose in Bremen

In Bahnhofsnähe wurden am Freitag 170 obdachlose Menschen und Mitarbeiter der Notunterkünfte gegen das Coronavirus geimpft. Ein weiterer Termin ist in Planung, dann muss wohl der Impfstoff gewechselt werden.
08.05.2021, 05:00
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Impfung für Obdachlose in Bremen
Von Michael Brandt
Impfung für Obdachlose in Bremen

Die Wohnungslosen erhielten den Impfstoff von Johnson & Johnson, weil eine einfache Dosis ausreicht.

Federico Gambarini/DPA

In einer über Wochen vorbereiteten Aktion sind in der Bremer Innenstadt am Freitag Obdachlose gegen Corona geimpft worden. Insgesamt 170 wohnungslose Menschen und Mitarbeiter der Inneren Mission sowie weiterer Verbände, Einrichtungen und Vereine hätten das Angebot wahrgenommen, sagte Katharina Kähler, Bereichsleiterin Wohnungslosenhilfe bei der Inneren Mission. "Die Aktion ist gut angenommen worden", sagte sie am Freitagabend. Das Deutsche Rote Kreuz hatte mit drei mobilen Teams eine Impfstraße in einem sozialen Café in Bahnhofsnähe eingerichtet. Verimpft wurde das Vakzin des US-amerikanischen Arznei- und Pflegemittelherstellers Johnson & Johnson.

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Kähler berichtete, dass in den vergangenen Wochen diejenigen, die in den Unterkünften verschiedener Träger im Stadtgebiet übernachtet haben, vom Personal auf den bevorstehenden Termin hingewiesen worden seien. Streetworker der Inneren Mission hätten zudem Menschen auf der Straße angesprochen und würden sich auch in den kommenden Tagen bei den Obdachlosen erkundigen, ob sie sich impfen lassen wollen. „Das war der Auftakt. Wir planen mit der Gesundheitsbehörde in zwei bis drei Wochen eine Wiederholung“, sagte Katharina Kähler.

„Wir schützen jetzt die Menschen, die wegen ihrer Lebenssituation und ihres oftmals schlechten Gesundheitszustands mit einem besonders schweren Verlauf rechnen müssen“, sagte Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Linke). Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne) geht davon aus, dass auch in den kommenden Wochen und Monaten immer wieder nicht geimpfte Obdachlose in Bremen ankommen. „Wir überlegen im Moment, ob und wie wir weitere Termine auch für Menschen anbieten können, die neu nach Bremen kommen oder die nicht in unseren Unterkünften übernachten“, sagte sie. Ähnliche Aktionen hat es in Bremen an den vergangenen Tagen bereits an weiteren Anlaufstellen für Wohnungslose sowie für die Mitarbeiter gegeben. „Die Impfung schafft Sicherheit auf beiden Seiten, das ist für die soziale Arbeit im engen Kontakt mit Menschen von unschätzbarem Wert“, sagte Anja Stahmann.

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Im Café Papagei, in dem die Impfung stattfand, waren während der Impfaktion auch Streetworker anwesend, damit die Obdachlosen auch auf bekannte Gesichter treffen. „Der Verein zur medizinischen Versorgung für Obdachlose hat spontan für Sonnabend auf Abruf eine Sprechstunde angeboten für diejenigen, bei denen eventuell Nebenwirkungen auftreten“, sagte Katharina Kähler. „Das freut uns.“

Der Impfstoff von Johnson & Johnson wurde gewählt, weil bei diesem Mittel eine Spritze ausreicht. Die Impfungen waren ursprünglich bereits für Anfang April geplant, waren aber wegen der Fachdebatte um den Einsatz des Impfstoffs zwei Mal verschoben worden. Voraussichtlich werden bei den nächsten Terminen laut dem Gesundheitsressort aber andere Impfstoffe eingesetzt. Laut Medienberichten wird die Ständige Impfkommission am Montag empfehlen, das US-Vakzin nur bei Über-60-Jährigen einzusetzen.

Nach Schätzungen leben rund 600 Obdachlose in Bremen, die meisten von ihnen übernachten in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe. Corona-Infektionen von Obdachlosen oder Bewohnerinnen und Bewohnern der Unterkünfte sind bislang in Bremen nur in wenigen Fällen bekannt geworden. Auch bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beschränken sich die Covid-19-Ansteckungen auf Einzelfälle.

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