Kommentar zur Deutschland-Studie

Bremen ist besser als sein Ruf

Rankings wie die Deutschland-Studie entsprechen nicht immer der subjektiven Wahrnehmung. Auch im Fall Bremen nicht, kommentiert Pascal Faltermann.
27.05.2018, 21:28
Lesedauer: 2 Min
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Bremen ist besser als sein Ruf
Von Pascal Faltermann

Das war ja klar. Jetzt wissen wir es endlich. Bremen ist nicht die lebenswerteste Stadt Deutschlands. Nein, es ist noch viel, viel schlimmer. Laut der deutschlandweiten ZDF-Studie, in der 401 Kreise und Städte anhand von 53 verschiedenen Kategorien untersucht wurden, belegt die Hansestadt sage und schreibe Platz 351. Ganz weit hinten, weit hinter den Gewinnern wie München, Heidelberg, Starnberg und anderen Städten. Die Sieger sitzen alle in Süddeutschland.

Wäre Bremen doch nur nicht so gefährlich. Mit besseren Werten in den Kategorien Wohnungseinbrüche oder Gewaltverbrechen wäre der Abstand zu Garmisch-Partenkirchen, Weilheim-Schongau oder Fürstenfeldbruck, die sich auf den Toprängen im Bereich Sicherheit und Gesundheit befinden, nicht ganz so riesig. So befindet sich Bremen aber im unteren Viertel des Rankings. Fußballer sprechen von Abstiegsrängen oder dem Tabellenkeller. Apropos: Dem Lieblingsrivalen geht es auch nicht besser. Denn Hamburg, dessen Einwohner behaupten, sie leben in der schönsten Stadt der Welt, muss bei diesem Ranking ganz schön einstecken – immerhin Platz 155.

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Die Autoren des Regionen-Rankings berufen sich bei ihren Quellen auf Daten der Bundesagentur für Arbeit, der polizeilichen Kriminalstatistik, des Umweltbundesamtes oder des Ärzteregisters. All diese Angaben sollen gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Die Studie sei damit die erste Erhebung dieser Art. Doch können all diese Daten tatsächlich die Lebensqualität bewerten? Reichen hier die objektiven Statistiken aus?

Nein! Auf keinen Fall. Denn subjektive Einschätzungen sind in der Studie nicht enthalten. Das räumt das Meinungsforschungsinstitut Prognos auch selbst ein. Befragungen von Einwohnern sind bewusst nicht einbezogen worden.

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Die Stadt ist besser als ihr Ruf. Bremen hat andere Werte. Die Schönheit der historischen Innenstadt mit Marktplatz, Weltkulturerbe Rathaus, Böttcherstraße und Schnoor oder die Attraktivität von Altbremer Häusern ist statistisch nicht erhebbar. Bremer loben die kurzen Wege, mögen die Wallanlagen und den Bürgerpark, haben mit dem Osterdeich bundesweit eine der längsten Sitzgelegenheiten an einem Fluss. Selbst das Schietwetter soll seine Reize haben.

Bremen ist grün, fahrradfreundlich und hat einen familiärem Charakter. Bremen ist auch innovativ, kulturell vielfältig, weltoffen und tolerant. Der soziale Zusammenhalt ist stark, er ist nur nicht messbar. Für Bremen bleibt die Herausforderung, diese positiven Dinge herauszustellen. Ganz gleich, welche Studie mal wieder ein schlechtes Zeugnis ausstellt.

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