Bremen so frei „Bremen ist etwas Besonderes“

Eigens für „Bremen so frei“, das große Fest in elf Liedern, ist Eberhard Kulenkampff mit seiner Frau von Italien nach Bremen geflogen. Bremen ist für ihn etwas unglaublich Besonderes.
31.05.2017, 21:11
Lesedauer: 4 Min
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Von Sigrid Schuer

Eigens für „Bremen so frei“, das große Fest in elf Liedern, ist Eberhard Kulenkampff mit seiner Frau von Italien nach Bremen geflogen. Bremen ist für ihn etwas unglaublich Besonderes.

Carpe diem – nutze den Tag – dieses römische Credo hat Natalie Thomkins über den Rahmen der Tür gemalt, die zu dem malerischen Wintergarten des kleinen Hauses im Schnoor führt. Auf dem Tisch vor den blasstürkisen Korbmöbeln stehen Basilikum und Salbei im Topf.

Von der Decke hängt ein kleiner Kristalllüster, an der Wand wuchert üppig ein Klettergeranien-Busch in flammendem Rot. Kein Zweifel, Eberhard Kulenkampff hat mit seiner dritten Frau, die Malerin ist, ein Stück Italien mit in den hohen Norden gebracht.

Die Wände hat sie mit mediterranen Malereien verziert, unter anderem blicken dem Besucher Engelchen freundlich und wohlgesonnen entgegen. Im Eingangsbereich des kleinen Hauses hängen die Gemälde von Natalie Thomkins neben den gestickten Kunstwerken ihres Mannes, Impressionen aus Umbrien und Namibia.

Das Licht des Südens

Seit 15 Jahren lebt er mit seiner Frau rund ein Dreiviertel des Jahres in einem kleinen Häuschen mitten in der Natur in der Nähe von Perugia. „Natalie braucht für ihre Bilder das Licht des Südens“, sagt Kulenkampff, der 1927 in Swakopmund in Namibia geboren wurde und bis 1944 dort lebte.

Eigens für „Bremen so frei“, das große Fest in elf Liedern, ist er mit seiner Frau von Italien nach Bremen geflogen. Und auch seine Schwester Johanna freut sich, bei dem großen Mitsingfest, das an diesem Donnerstag um 10 Uhr auf dem Bremer Marktplatz steigt, dabei sein zu können.

Mit dem Mitsingfest, das der Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 70-jährigen Bestehen Bremens nach dem Zweiten Weltkrieg ist, geht für Eberhard Kulenkampff ein Traum in Erfüllung. Vor 20 Jahren schrieb er anlässlich des 350-jährigen Jubiläums des Linzer Diploms, mit dem sich Bremen seine Unabhängigkeit teuer erkaufte, das Oratorium „Bremer Freiheit“, das aber nicht vertont wurde und irgendwann in der Schublade verschwand.

"Das ist eine Dimension, die ich mir nie hätte träumen lassen"

Bis Henning Scherf sich als Präsident des Deutschen Chorverbandes davon begeistern ließ und ein typisch bremisches Allemannmanöver initiierte. Die Akteure von „Bremen so frei“ haben wir in den vergangenen zehn Tage in einer Serie vorgestellt.

Besonders begeistert es Eberhard Kulenkampff, dass rund 2000 Kinder von den verschiedensten Bremer Schulen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern unter der Leitung von Susanne Gläß die Lieder über die Bremer Freiheit singen werden: „Das ist eine Dimension, die ich mir nie hätte träumen lassen“.

„Bremen ist schon etwas unglaublich Besonderes. Schließlich ist es gar nicht selbstverständlich und schon ein ziemlicher Luxus, dass wir unser eigener Herr sind. Darauf dürfen wir schon stolz sein. Von daher wäre es sehr schön, wenn es künftig immer am 1. Juni eines Jahres ein solches Mitsingfest für Bremen geben würde“, wünscht sich Kulenkampff, der nach seiner Zeit als Staatsrat bis 1994 mit Werner Teetz Geschäftsführer der Gewoba war und das Unternehmen zu neuem Glanz führte.

Backsteinturm an der Domsheide

Carpe diem – dieses Credo ist zu einem Lebensmotto von Eberhard Kulenkampff geworden. Nutze den Tag, das gilt nicht nur für seine gestickten Landschaften, die er in den 1970er-Jahren während langer Fraktionssitzungen zu kreieren begann. Der überzeugte Sozialdemokrat hat wohl jede Zeitspanne in seinem bald 90-jährigen Leben sinnvoll und nicht zuletzt zum Wohle Bremens genutzt, ganz im ursprünglichen Verständnis seiner Partei.

Der studierte Architekt wurde 1974 von dem damaligen Bürgermeister Henning Scherf und Bausenator Stefan Seyfritz zum Senatsdirektor berufen. Als Staatsrat und Leiter der Bauverwaltung trieb er bis 1987 bedeutende Projekte zur Weiterentwicklung der Stadt voran und setzte sich auch für die Kunst im öffentlichen Raum ein.

Ihm ist es beispielsweise zu verdanken, dass der markante Backsteinturm des renommierten dänischen Künstlers Per Kirkeby an der Domsheide steht. Ein anderes seiner Lieblingskinder war der visionäre Entwurf des Stararchitekten Daniel Libeskind für die Bremer Philharmonie „Musicon“, und zwar schon wesentlich früher als in Hamburg überhaupt über eine Elbphilharmonie nachgedacht wurde.

Mit Herz und Verstand ein Bremer

„In Bremen war das damals leider nicht durchsetzbar, das ist schon sehr schade“, bedauert Kulenkampff, der mit Friedrich Rebers, Klaus Bernbacher und Ingeborg Fischer-Thein für das „Musicon“ stritt. Heute dächte so mancher Skeptiker von damals anders und frage sich: „Was wäre wenn auch Bremen seine Elbphilharmonie hätte?“

Eberhard Kulenkampff ist eben mit Herz und Verstand ein leidenschaftlicher Bremer. „Ich bin in Namibia mit Bremen aufgewachsen, wir haben die Traditionen dort gepflegt“, erinnert er sich. In der bewegten Zeit zwischen den beiden Weltkriegen betrieben seine Eltern dort eine Farm.

Wenn man seinen farbigen Erzählungen zuhört, fühlt man sich unwillkürlich an Tania Blixens Roman „Jenseits von Afrika“ erinnert. Mozart-Musik spielte im Leben der Romanheldin eine zentrale Rolle. Bei den Kulenkampffs war es allerdings nicht das Grammophon, sondern vielmehr der Bechstein-Flügel, auf dem musiziert wurde.

Liebe zu Namibia

„Wir haben immer zusammen gesungen. Ich habe Deutschland durch das Singen von Liedern kennengelernt“, erinnert er sich. „Ich liebe Musik über alles und habe in Bremen viele klassische Konzerte besucht“, fügt er hinzu. „Ich hatte eine Farm in Afrika“: Die Liebe zu Namibia hat Eberhard Kulenkampff nie ganz losgelassen.

Er kehrte immer wieder zurück, um das Land mitzuentwickeln. So setzte er sein Know-how dafür ein, dass in dem südwestafrikanischen Land aus ehemaligen Kasernen Schul- und Berufsschulzentren wurden. Getreu seines Lebensmottos: Carpe diem – nutze den Tag.

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