Preisverdächtiger Verkehrsplan Bremen ist im Rennen um EU-Auszeichnung

Was in der Fußball-Bundesliga derzeit in weiter Ferne liegt, ist in Sachen Verkehrsentwicklung schon Realität: Bremen gehört zu den besten drei. Der Preis, um den es geht, ist der sogenannte SUMP Award.
22.03.2015, 00:00
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Bremen ist im Rennen um EU-Auszeichnung
Von Nikolai Fritzsche

Was in der Fußball-Bundesliga derzeit in weiter Ferne liegt, ist in Sachen Verkehrsentwicklung schon Realität: Bremen gehört zu den besten drei. Der Preis, um den es geht, ist der sogenannte SUMP Award. Mit diesem zeichnet die Europäische Kommission Städte für ihre Verkehrsentwicklungspläne (VEP) aus. Auf die „Shortlist“ hat Bremen es schon geschafft, ebenso wie Dresden und Gent (Belgien). Welche Stadt den Preis bekommt, steht bereits fest. Bekannt gegeben wird der Sieger jedoch erst am Montag.

Die EU-Kommission vergibt den SUMP Award zum dritten Mal. Die Abkürzung SUMP steht für Sustainable Urban Mobility Plan, es geht also um die nachhaltige Mobilität in Städten. Umweltsenator Joachim Lohse (Grüne) wird nach Brüssel fahren, wo Violeta Bulc, EU-Kommissarin für Verkehr, den Preis überreicht. Die Reise könnte sich lohnen: Wenn Bremen siegt, würde Lohse ein Preisgeld von 10 000 Euro mit nach Hause bringen. Für diesen Fall plant das Verkehrsressort, die Summe in eine internationale Tagung zu investieren.

Grund zur Freude ist für Lohses Sprecher Jens Tittmann aber bereits die Platzierung unter den besten drei Städten: „Das Schwierige an der Sache und auch der Grund, warum Bremen jetzt gut abschneidet, ist die Tatsache, dass völlig verschiedene Player mit völlig verschiedenen Interessen an einen Tisch gebracht wurden: der Fahrradverband ADFC und der Automobilclub ADAC, die Handelskammer und der Naturschutzverband BUND.“ Dass alle beteiligten Interessensgruppen dem Plan zugestimmt hätten, sei außergewöhnlich.

Diese Einbeziehung aller Beteiligten ist ein zentrales Kriterium für die Vergabe des Preises. Bremen habe die Jury in diesem Bereich besonders beeindruckt, heißt es in der Begründung für die Nominierung. Darüber hinaus legt die EU-Kommission Wert auf die Beteiligung der Öffentlichkeit. Hierfür hatte Bremen die Website bremenbewegen.de eingerichtet und die Bürger aufgerufen, Ideen für die Verkehrsentwicklung in der Stadt einzubringen.

Zu diesen allgemeinen Anforderungen kommt jedes Jahr ein besonderer Schwerpunkt. Dieses Mal lag er auf der Überwachung und fortlaufenden Verbesserung der VEP, was die EU-Kommission als entscheidend für den langfristigen Erfolg der Verkehrsentwicklung betrachtet – und im Fall der Hansestadt als gut umgesetzt: „Bremen zeigt bemerkenswerte Bemühungen, ständig dazuzulernen und die Maßnahmen zu stärken, die gut funktionieren.“

Der VEP war im vergangenen September mit den Stimmen von SPD, Grünen und CDU von der Stadtbürgerschaft beschlossen worden. Er beinhaltet unter anderem, dass Fußgänger mehr Raum bekommen sollen und Radfahren und öffentliche Verkehrsmittel weiter gestärkt werden sollen. Einige Maßnahmen sind bereits umgesetzt worden, so die Fahrradroute zwischen Innenstadt und Uni, die Umwandlung einiger Straßen in Fahrradstraßen sowie die Einrichtung neuer Tempo-30-Zonen.

Für den SUMP Award konnten sich alle Städte in der EU und dem Europäischen Wirtschaftsraum (Norwegen, Island, Liechtenstein) bewerben. 17 Städte aus zehn Ländern nahmen die Möglichkeit wahr. Bremen wäre die mit Abstand größte Stadt auf der Siegerliste – der Gewinner des ersten Wettbewerbs, Aberdeen, hat 200.000 Einwohner, die spanische Stadt Rivas Vaciamadrid, die vergangenes Jahr ausgezeichnet wurde, lediglich 80.000.

Wie die drei Finalisten Bremen, Dresden und Gent sich die städtische Mobilität der Zukunft vorstellen, ist in einem Video dargestellt, das nach der Preisverleihung auf der Website der EU-Kampagne unter www.dotherightmix.eu zu sehen sein wird.

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