Büro der Lebenshilfe übersetzt Gesetzestexte, Verträge und jetzt Fußballregeln in besser verständliches Deutsch Bremen ist Vorreiter für Leichte Sprache

Das "Büro für leichte Sprache" der Lebenshilfe Bremen schreibt schwierige Texte für Menschen um, die nicht gut lesen können. Gestern stellten das Büro, Werder Bremen und die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes ein Buch über Fußballregeln in einfacher Sprache und mit vielen Abbildungen vor.
31.07.2012, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Katharina Riebesel

Das "Büro für leichte Sprache" der Lebenshilfe Bremen schreibt schwierige Texte für Menschen um, die nicht gut lesen können. Gestern stellten das Büro, Werder Bremen und die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes ein Buch über Fußballregeln in einfacher Sprache und mit vielen Abbildungen vor.

Bremen. "Wie geht das Spiel nach einem Foul weiter? Das hängt davon ab, wo das Foul war. Wenn das Foul im Straf-Raum war, gibt es Elf-Meter. Aber meistens gibt es Frei-Stoß" – so wird im Buch "Fußball – die wichtigen Regeln in Leichter Sprache" das Thema Foul, Freistoß und Elfmeter eingeleitet. Auf dem Foto neben dem Text helfen Bilder zu Freistoß-Situationen, das Gelesene zu verstehen. Das vereinfachte Regelwerk haben das "Büro für Leichte Sprache", Werder Bremen und die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) herausgebracht.

"Es gibt viele Menschen mit Beeinträchtigung, die Fußballfans sind", sagt Andreas Hoops, Geschäftsführer der Lebenshilfe Bremen, die das "Büro für leichte Sprache" betreibt. Die Idee, ein vereinfachtes Regelwerk zu verfassen, sei relativ spontan entstanden. Volker Uhle vom Büro hat zwei bis drei Wochen an der ersten Version des Buches geschrieben. Anschließend las Nicole Papendorf die Texte zur Probe und machte Verbesserungsvorschläge.

Die Bremerin ist mit den Formulierungen zufrieden. "Es ist auf jeden Fall ein Buch, in das ich gerne hineingucke", berichtet die Testleserin. Nach dem Schreiben hat Volker Uhle die passenden Fotos für die Bebilderung ausgesucht. "Es ist wichtig, dass die Fotos ebenfalls leicht verständlich sind", erklärt er.

Bundesweit das erste Angebot

Das Fußballbuch sei nicht nur eine Lektüre für Menschen mit Leseschwäche, sagt DFB-Schiedsrichter Peter Gagelmann, der bereits einen Blick in das Werk geworfen hat. "In dem Buch werden die wichtigsten der 17 Fußballregeln gut erklärt", findet er. Grundinformationen darüber, wie Fußball funktioniert, würden gut vermittelt.

Das "Büro für Leichte Sprache" beschreibt allerdings nicht nur Fußballregeln: "Es wurde schon vieles übersetzt, zum Beispiel Broschüren, Flyer und Reden", berichtet Andreas Hoops. Das Büro habe außerdem bei der Bürgerschaft einen Antrag gestellt. Darin wird gefordert, Leichte Sprache bei der Formulierung von Beschlüssen zu verwenden. Nach Angaben von Hoops hat das Büro aber bisher keine Antwort erhalten.

Das Büro in Bremen besteht seit 2004, es war bundesweit das erste dieser Art. "Mittlerweile gibt es 20 Büros in Deutschland", berichtet Hoops.

"Mit unserem Angebot richten wir uns an alle Menschen, die nicht so gut lesen können", betont Uhle. Die Hauptzielgruppe seien Erwachsene, darunter Menschen, die eine Lernschwäche haben, sowie Menschen mit Migrationshintergrund oder mit geistiger Behinderung.

Die Leichte Sprache soll es den Lesern ermöglichen, Orientierung und Überblick zu gewinnen. Schwierige Sachverhalte werden mit Hilfe von Grafiken und Fotos erklärt. Weitere Merkmale der Leichten Sprache sind eine größere Schriftgröße und kurze Sätze. Fremd- und Fachwörter werden möglichst vermieden oder ausführlich erklärt. "Früher haben wir fast ausschließlich Verträge und Informationstexte übersetzt", berichtet Uhle. Das "Büro für Leichte Sprache" übernimmt hauptsächlich Aufträge von Organisationen wie der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen.

Das Angebot für Menschen mit Leseschwäche in der Hansestadt ist nach Uhles Worten in den vergangenen Jahren vielseitiger geworden. "Wir haben hier in Bremen immer noch die Spitzenposition in Sachen Leichte Sprache", ergänzt Hoops. Das "Büro für Leichte Sprache" hat unter anderem die Internetseiten der Stadt Bremen und des Flughafens vereinfacht dargestellt. Momentan arbeitet Uhle mit seinen Kollegen an einer Informationsseite über Bienen.

Zu den aktuellen Projekten des "Büros für Leichte Sprache" gehört unter anderem ein Buch, das 500 Abbildungen erklärt. "Da unsere Zielgruppen vorrangig Menschen mit Behinderungen sind, haben wir auch Abbildungen zu Themen wie Selbstbestimmung und Teilhabe behandelt", so Uhle. Die Autoren versuchen, auch möglichst viele Alltagsbereiche in dem Buch abzudecken, zum Beispiel das Busfahren. "Die Bilder dürfen keine Symbolhaftigkeit haben", erklärt Uhle. Jeder solle sehen, was gemeint ist. Deshalb seien die Bilder umfangreich getestet worden.

Das Bremer Büro der Lebenshilfe will noch weitere Bücher veröffentlichen. Volker Uhle: "Wir haben noch viele Ideen in der Schublade."

Das Buch "Fußball – die wichtigen Regeln in Leichter Sprache" kann ab nächster Woche bei der Lebenshilfe Bremen bestellt werden. Das Regelwerk ist kostenlos, nur Porto und Verpackung müssen bezahlt werden.

Beispiele für die Übersetzung in Leichte Sprache

n Auf der Homepage des Flughafens Bremen war vor der Übersetzung in Leichter Sprache zu lesen: "Nirgendwo anders finden Sie in Deutschland einen internationalen Airport, der so nah an der City liegt wie der City Airport Bremen. In 11 Minuten sind Sie vom Airport in der Bremer City." Übersetzt in Leichter Sprache lautet der Text: "(...)Und dabei ist der Flughafen ganz nah an Bremen: Vom Zentrum brauchen Sie nur 11 Minuten bis zum Flughafen. Kein anderer Flughafen in Deutschland ist so nah an einer Stadt." Die UN-Konvention über Rechte von Menschen mit Behinderungen im Original: "Die Vertragsstaaten anerkennen, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, vom Gesetz gleich zu behandeln sind (...)." Die Übersetzung in Leichter Sprache lautet: "Durch die Vereinbarung sollen Menschen mit Behinderung die gleichen Rechte wie alle Menschen haben."

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